„Ich wollte mitgestalten“

Iserlohn. (hc) Freddy Klahold ist im Iserlohner Kegelsport eine kaum noch wegzudenkende Institution. Dabei will der 76-Jährige, der aktuell immer noch 1. Vorsitzender von Ninepin Iserlohn ist, eigentlich gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Doch einfach die Brocken hinwerfen verbietet sich für ihn. „Ich mache das immer noch gern, aber wenn sich ein geeigneter Nachfolger finden ließe, würde ich das Heft des Handelns gerne abgeben“, erklärt er. „Doch es muss passen“, schiebt er nach. Einen geeigneten Nachfolger zu finden, ist aber nur eine Baustelle, um die er sich kümmern muss. Die weitaus wichtigere Baustelle hat sich in den vergangenen Monaten geklärt.

Neue Heimat

Denn die Iserlohner Kegler haben eine neue Heimat gefunden. Am Heidebad werden vier neue Bahnen zu den bestehenden zwei angebaut und bieten das neue Umfeld für das sportliche Kegeln. Klahold legt großen Wert darauf, zwischen dem Sport- und Gesellschaftskegeln zu unterscheiden. „Der Gesellschaftskegler wirft in drei Stunden ungefähr 30 mal, der Sportkegler in 45 Minuten knapp 120mal“, erklärt er den grundlegenden Unterschied.
Geselliges Kegeln hat für ihn durchaus seine Daseins-Berechtigung, doch ärgert es ihn, wenn die Fertigkeiten der Sportler herabgewürdigt werden, nach dem Motto: „Das hätte ich auch gekonnt“. „Man braucht Technik und Präzision sowie ein hohes Maß an Konzentration um unseren Sport auszuüben“, erklärt Klahold.

Drei Kegeldisziplinen

Insgesamt gibt es drei Arten von Kegeln. Im Norden wird hauptsächlich „Bohle“ gespielt. Die Bahn ist dabei nur 35 Zentimeter breit, allerdings gleichbleibend. In der Disziplin „Classic“ ist die Bahn dagegen mit 1,5 Metern deutlich breiter. Das Verbreitungsgebiet richtet sich eher nach Süden und Osten, auch über die deutschen Grenzen hinweg.
Im Westgebiet wird dagegen die Scherenbahn bevorzugt. Allerdings haben alle drei Disziplinen jeweils nur neun Kegel und unterscheiden sich so vom Bowling, bei dem zehn Pins am ende der Bahn stehen.
Auch in Iserlohn wird „Schere“ gespielt und das sogar auf Erstliganiveau.
„Ninepin Iserlohn“ steht nach dem 18. Spieltag auf dem achten Tabellenplatz. Der Vorsitzende ist sich sicher, dass auch in diesem Jahr der Klassenerhalt gelingt.

Auftakt einer lebenslangen Leidenschaft

Klahold selbst kam über einen Ferienjob zum Kegeln. Er stellt mit 14 Jahren die Pins immer wieder auf.
Anschließend blieb er dem Kegeln erhalten, zunächst mehr auf geselliger Basis. Während seiner Zeit auf der Polizeischule machte er zudem Leichtathletik und spielte auch mal kurz Handball beim VfK Iserlohn.
Doch Kegeln blieb die große Leidenschaft und vor allem der Wunsch zu Gestalten trieb ihn an, 1978 den Vorsitz der TuS-Kegler zu übernehmen.
„Ich wollte nie nur Mitläufer sein. Und mir war klar, dass die Leute nicht warten, bis ich Rentner bin. Also habe ich schon frühzeitig angefangen mit zu gestalten“, erzählt er von seiner Motivation.

Von Iserlohn in die Welt

Unter seiner Ägide errang der TuS binnen weniger Jahre nicht nur den deutschen Meistertitel, sonder gewann auch den Europa- und Weltpokal.
1985 wechselte er zum PSV Iserlohn und schaffte dort eine neue Abteilung, die eher auf Breitensport ausgerichtet war.
1991 wurde er zum Präsidenten des Westfälischen Kegel- und Bowlingverbandes gewählt, er fünf Jahre später oberster Kegler von Deutschland wurde. Dieses Amt bekleidete er bis 2002 und 2004 wurde er dann sogar zum Weltverbandspräsident gewählt.
Eine große Ehre, die allerdings auch großen Aufwand bedeutete. Südamerika, Nordamerika und Asien wurden häufige Reiseziele des Iserlohners.
Besonders oft war er in Taiwan, wo er bei der Verbandsgründung im Vorfeld der World Games 2009 tatkräftig mithalf.

WM 1995

Doch sein „Meisterstück“ machte er 1995. Da holte er die Weltmeisterschaften nach Iserlohn. „Da haben manche Leute gesagt ‚Jetzt ist der Klahold völlig verrückt‘. Doch ich werde heute noch darauf angesprochen“, erzählt von der Zeit.
Voraussetzung für die Ausrichtung, war die Anschaffung von komplett neuen Bahnen für dieses Event. Ein enormer Kostenfaktor. „Ich hatte dann die glorreiche Idee, die Eishalle aus Austragungsort auszusuchen.“ Gesagt – getan. Mit einer Kalkulation von 2.500 bis 3.000 Zuschauern ging Klahold und sein Team vom PSV Iserlohn in das Abenteuer WM. „Allein am Abschlusstag hatten wir das schon“, erzählt er. „Ich bekomme bei dem Gedanken an die WM immer noch Gänsehaut“, gesteht Klahold und die Emotionen sind ihm auch deutlich anzusehen, obwohl dieses Großereignis schon über zwanzig Jahre zurückliegt.
„Das Risiko hat sich damals gelohnt“, lautet sein abschließendes Fazit zu der Übernahme der Weltmeisterschaft.
Freddy Klahold ist vom Kegel­aufsteller zum Weltverbandspräsidenten aufgestiegen und hat damit auf eine beeindruckende Art und Weise seinen Sport mitgestaltet.