Im Sauseschritt zur deutschen Einheit

Die deutsche Einheit hat der Kunstverein Iserlohn zum Anlass für eine Ausstellung im Foyer des Rathauses am Schillerplatz genommen. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 7. Oktober, um 16.30 Uhr. (Abb: Kunstverein)

Iserlohn. (Red./as) Der Einigungsvertrag wurde zwar bereits am 24. September vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker unterschrieben. Doch als Tag der deutschen Einheit gilt der 3. Oktober. Er jährt sich am morgigen Sonntag bereits zum 20. Mal. Die deutsche Einheit oder Wiedervereinigung, wie es auch heißt, hat auch der Kunstverein Iserlohn zum Anlass für eine Ausstellung im Foyer des Rathauses am Schillerplatz genommen. Vom 7. bis zum 22. Oktober präsentieren insgesamt 23 Kunstschaffende in malerischen und plastischen Arbeiten ihre Eindrücke zum Thema „20 Jahre Wiedervereinigung“. Die Vernissage findet am Donnerstag, 7. Oktober, um 16.30 Uhr statt.

Doch zurück zum Geschehen, das zum Tag der deutschen Einheit geführt hat – von der friedlichen Revolution in der DDR bis zum Einigungsvertrag.

Gorbi-Besuch und Montagsdemos

Am 12. Juni 1989 werden Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa bei einem Staatsbesuch in Bonn jubelnd empfangen. Viele Hoffnungen liegen auf dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Die „Gorbi, Gorbi“-Rufe sprechen für sich. Dann erklärt Gorbatschow: „Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben.“

Das Freiheitsbestreben der Menschen in der DDR wird deutlich mit den Montagsdemonstrationen, die am 4. September 1989 an der Leipziger Nikolaikirche aufgenommen wurden. „Wir sind das Volk“ und „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ skandieren die Teilnehmer. Auch in anderen Städten gehen die Menschen zu Montagsdemonstrationen auf die Straße. Die Demonstrationen bleiben friedlich – jedenfalls seitens der Menschen, die für eine friedliche, demokratische Neuordnung, insbesondere das Ende der SED-Herrschaft, auf die Straße gingen. Die Sicherheitskräfte der DDR gingen teilweise gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Es kam zu einer regelrechten Verhaftungswelle.

Die Mauer ist überwunden

Am 9. November 1989 platzt CSU-Schatzmeister Karl-Heinz Spilker mit einer sensationellen Nachricht in die Bundestagssitzung im Bonner Wasserwerk: „Ab sofort können DDR-Bürger direkt über die Grenzstellen zwischen der DDR und der Bundesrepublik ausreisen.“ In Berlin wird die Mauer friedlich gestürmt. In Bonn bricht Jubel aus. Die Parlamentarier singen die Nationalhymne.

Mit dem Besuch Nikolai Portugalows, Mitglied der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU, wird in Bonn Geschichte am 21. November 1989 geschrieben. Im Gepäck hat der Herr nämlich ein so genanntes Non-Paper, ein Dokument ohne formalen und rechtlichen Status. Darin steht: „Rein theoretisch gefragt: Wenn die Bundesregierung beabsichtigen würde, die Frage der Wiedervereinigung bzw. Neuvereinigung in die praktische Politik einzuführen, dann wäre es vernünftig, öffentlich über die Vorstellung der zukünftigen Allianzzugehörigkeit beider deutschen Staaten, also NATO und Warschauer Pakt, und ebenso über die Mitgliedschaft in der europäischen Gemeinschaft nachzudenken.“ Dieses Treffen mischte die Karten in Ost und West neu. Es wurde intensiv nachgedacht.

Keine Zeit für Bedenkenträger

Am 28. November 1989 stellt Bundeskanzler Helmut Kohl das „Zehn-Punkte-Programm zur schrittweisen Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ vor dem Deutschen Bundestag vor. Kohl beteuert, dass mit Ausnahme von US-Präsident George Bush weder Verbündete noch Regierungsfraktion zuvor informiert worden waren. Später schreibt er zu diesem Schritt: Es sei nicht die Stunde der Bedenkenträger gewesen, sondern die der Offensive.

Am 13. und 14. Februar 1990 ist die DDR-Regierungsdelegation unter Leitung von Ministerpräsident Hans Modrow in Bonn zu Gast: Hier wird die Bildung einer Kommission vereinbart, die die Währungsunion vorbereiten soll. Der Vertrag über die Währungsunion wird schließlich von beiden deutschen Regierungen am 18. Mai 1990 vereinbart. Am 23. Mai beraten Mitglieder des Ausschusses Deutsche Einheit der Volkskammer gemeinsam mit dem Partner-Ausschuss des Deutschen Bundestags in Bonn den Staatsvertrag. Dieser wird im Juni hüben wie drüben gebilligt.

Die so genannten „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ starten am 5. Mai 1990. Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und die beiden deutschen Staaten beraten über den Weg zu einem vereinigten Deutschland und dessen Grenzen im Osten.

Knapp 900 Seiten Einigung

Der Punkt NATO-Zugehörigkeit, eine Forderung der Westmächte, stößt in der Sowjetunion übel auf. Doch bei einem Treffen zwischen Kohl und Gorbatschow am 15. und 16. Juli 1990 in Moskau und im Kaukasus stimmt Gorbatschow den Wiedervereinigungsplänen zu und versichert den Abzug sowjetischer Truppen. Als Gegenleistung sichert Kohl großzügige Finanzhilfen zu.

Schon am 12. September 1990 unterzeichnen die sechs Außenminister der Siegermächte und der beiden deutschen Staaten den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich sichern dem vereinigten Deutschland die volle staatliche Souveränität zu. Die Bundesrepublik Deutschland garantiert die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen, stimmt einer Reduzierung ihrer Streitkräfte zu und verzichtet auf ABC-Waffen.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker unterzeichnet am 24. September 1990 den Einigungsvertrag, nachdem vier Tage zuvor beide Parlamente in Bonn und in Berlin dem rund 900 Seiten starken Vertragswerk zugestimmt haben.

Gefeiert wird am 3. Oktober 1990: Die „Vier Mächte“ übermitteln ihre Grußbotschaften und Glückwünsche zum Tag der deutschen Einheit.