Industriekultur mitten im Garten

Der Verein „WasserEisenLand“ (WEL) zog jetzt eine sehr positive Bilanz seiner Tätigkeit auf dem LGS-Gelände. Besondere Anziehungskraft übte dabei die hundert Jahre alte, handbetriebene Uniformknopfpresse aus, hier bedient von Björn Schmitz. (Foto: WEL)

Hemer. (ww) Kurz vor dem Ende der Landesgartenschau in Hemer kann der inzwischen weit über die MK-Grenzen hinausgewachsene Verein „WasserEisenLand“ (WEL) eine sehr positive Bilanz seiner Tätigkeit auf dem LGS-Gelände ziehen. Im Pavillon ’Naturerlebnisstation’ im Park der Sinne zeigte „WasserEisenLand“ allerlei Wissenswertes zur Industriegeschichte von Südwestfalen. Hier hatten die Besucher die Möglichkeit, sich anhand von historischen und modernen Erzeugnissen in Vitrinen über die Entwicklung der Eisenverarbeitung zu informieren. Eine Ton-Bild-Schau bot Interessierten einen Überblick über die herausragenden Industriedenkmäler und Technikmuseen der Region.

Anziehungskraft

An insgesamt 35 Tagen verwandelte sich der Platz vor dem Gebäude in eine „Produktionsstätte“, wo den Besuchern, vor allem Kindern und Jugendlichen, alte Fertigungsweisen an historischen Anlagen vorgeführt wurden. Besondere Anziehungskraft übten dabei die Schmiedevorführungen des Krenzer Hammers (Ennepetal), die Uniformknopfpresse des Geschichtsmuseums Lüdenscheid, die Nadelproduktion der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf (Iserlohn) und die Dampfmaschine vom Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe aus.

Ein Höhepunkt war der Betrieb einer 500 Kilogramm schweren Bakelitpresse aus dem Schleiper Hammer (Lüdenscheid), die erstmals außerhalb seines eigentlichen Museumsstandortes aufgebaut werden konnte.

Überraschung

Auch die Nadelproduktion mit Hilfe der Historischen Iserlohner Fabrikanlage Maste-Barendorf gehörte zu den „Industriekultur-Knüllern“ auf der LGS in Hemer. Die hier genutzte Nadel-Maschine hat immerhin 200 Jahre „auf dem Buckel“. (Foto: WEL)

„Wir waren überrascht, wie stark das Interesse der Leute an den technischen Darbietungen und an der Ausstellung war“, schilderten der WEL-Vorsitzende Stephan Sensen und -Geschäftsführer Dr. Wolfgang Willmann den Eindruck von den sechs Monaten in Hemer. „Kaum jemand von den Besuchern hatte damit gerechnet, inmitten von Blumenrabatten und Schaugärten Industriegeschichte anzutreffen. Das steigerte bei den Vorbeigehenden die Neugierde und man blieb dann gerne stehen.“

Je nach Wetterlage konnten an den Wochenenden gut 800 Besucher am Pavillon gezählt werden, in dem auch die Speläo-Gruppe Sauerland e.V. einen kurzen Film zeigte. Immerhin befand sich der Standort der Industriekultur unmittelbar neben dem Felsenmeer, einem montantechnischen Denkmal, das von den Höhlenforschern (Speläologen) wissenschaftlich erkundet wird.

Netzwerk

Ohne die finanzielle Mitwirkung und kostenlose Bereitstellung von wertvollen Objekten durch eine große Zahl von Sponsoren hätte der Aufenthalt auf der LGS sicher nicht stattfinden können. Bewährt hat sich vor allem das in den letzten zehn Jahren aufgebaute Netzwerk von Denkmalsbetreibern, Museen, Kommunen, Heimatvereinen und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen. Aus diesem Kreis kamen zahlreiche Ideen und Initiativen.

„Dass auch viele Vereinsmitglieder bereit waren, ehrenamtlich die zeitaufwändige Standbetreuung an den meisten Tagen des halben Jahres zu übernehmen und die attraktiven Vorführungen zu ermöglichen, ist ein Beleg dafür, dass Industriekultur in Südwestfalen mittlerweile einen festen Platz in der Öffentlichkeit einnimmt,“ lobt Geschäftsführer Willmann.