Iserlohn, denk mal!

Das dritte rote Warn-Fahrrad steht nun vor dem vom Verfall bedrohten Haus Südengraben 12 a. Aufgestellt haben es vier Mitglieder des Initiativkreises „iserlohn denkmal“ (v.l.) Peter Treudt, Holger Lüders, Annette Eckstein und Andreas Habel. (Foto: Claudia Eckhoff)
Das dritte rote Warn-Fahrrad steht nun vor dem vom Verfall bedrohten Haus Südengraben 12 a. Aufgestellt haben es vier Mitglieder des Initiativkreises „iserlohn denkmal“ (v.l.) Peter Treudt, Holger Lüders, Annette Eckstein und Andreas Habel. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Ein weiteres knallrotes Fahrrad steht nun in der Iserlohner Altstadt – genauer: in der Straße Südengraben. Als Hingucker will es die Blicke und die Aufmerksamkeit der Passanten hinlenken auf das Haus mit der Nummer 12a. Es gehört zu der traurigen Reihe der Häuser, die Iserlohner Stadtgeschichte widerspiegeln und daher unter Denkmalschutz stehen – und trotzdem akut vom Abriss oder Verfall bedroht sind.

Das Fachwerkhaus Südengraben 12a stammt aus dem Jahr 1860. Es gehört zu den für die Waldstadt zu der Zeit typischen „Fabrikskes“. Ein etwas zu groß geratener dicker Schornstein verrät noch heute, dass im Innern des Hauses einst nicht nur gewohnt, sondern auch produziert wurde. Was dort gewerblich entstand, ließ sich noch nicht herausfinden. Bekannt ist aber, dass das Haus später einem Schreiner als Heim und Werkstatt gedient hat.

Es sollen noch mehr werden: Schon drei rote Fahrräder stehen in der Iserlohner Altstadt vor Gebäuden, die zwar unter Denkmalschutz stehen, die aber trotzdem akut von Abriss oder Verfall bedroht sind. (Foto: Claudia Eckhoff)
Es sollen noch mehr werden: Schon drei rote Fahrräder stehen in der Iserlohner Altstadt vor Gebäuden, die zwar unter Denkmalschutz stehen, die aber trotzdem akut von Abriss oder Verfall bedroht sind. (Foto: Claudia Eckhoff)

Räder gegen Verlust

Das am Mittwoch aufgestellte rote Fahrrad ist bereits das dritte, das vor einem gefährdeten Alt-Iserlohner-Gebäude angekettet wurde. Ein roter Drahtesel wacht und informiert schon vor dem Haus Am Zeughaus 14/14a. Ein anderes vor dem Haus Südengraben 28, einem sogenannten „Schmarotzerhaus“, dessen Rückwand aus der alten Iserlohner Stadtmauer besteht. Weitere rote Fahrräder sollen folgen, um den Waldstädtern zu zeigen, wo es überall „brennt“, an wie vielen Orten bald wieder ein Stück Iserlohn unwiederbringlich verloren geht, wenn nicht schnell gehandelt wird.

Im Initiativkreis „iserlohn – denkmal“ setzen sich Bürgerinnen und Bürger ein für den Erhalt der historischen Substanz ihrer Stadt und damit für die Erlebbarkeit der Stadtgeschichte auch in der Zukunft.

Stadt im Wandel

In den vergangenen Jahrzehnten hat Iserlohn nicht nur große Wandlungen im Stadtbild erfahren, sondern auch viele Gebäude, Gärten, Straßen, ja ganze Stadtviertel unwiederbringlich verloren.

Häufig vollzogen sich die Veränderungen unter dem Eindruck lediglich kurzlebiger Vorgaben, andere waren Ausdruck des Willens, eine „moderne“ Stadt entstehen zu lassen. Nicht selten schienen sie das Ergebnis allein wirtschaftlicher Interessen zu sein. Immer jedoch führten diese Umgestaltungen zu einem weiteren Verlust der Identität der Stadt.

Bürgerwille formt sich

Weiteren Gebäuden steht ein Abriss in naher Zukunft wohl bevor. Daneben existiert eine Vielzahl gefährdeter Bauwerke, die es verdienen, mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie sind in ihrer Baugestalt beispielhaft für die Geschichte und prägend für die Reste des historischen Iserlohner Stadtbildes. Für diese Problematik fehlen in Iserlohn sowohl das Gespür als auch eine entsprechende Wertschätzung – so erlebt es der Initiativkreis.

Als Ziele strebt der Kreis daher an, einen ständigen Arbeitskreis für Denkmalschutz/ Baukultur und Stadtentwicklung ins Leben zu rufen, einen ‚Bürgeranwalt für StadtBauKultur‘ im Sinne des Denkmalschutzgesetzes zu ernennen, Unterstützungsprogramme für erhaltungswürdige Bauten zu entwickeln und in Denkmalfragen zu beraten.

Was kann man tun?

Welche Möglichkeiten gibt es, in der Iserlohner Stadtentwicklung das Ruder rumzureißen? Solche Fragen diskutiert der Initiativkreis kreativ und vielschichtig. Gibt es Fördermöglichkeiten? Reicht es den Iserlohnern, vor den Toren der Stadt ein schmuckes, hochsubventioniertes Barendorf zu haben? Oder sollte die Stadt lieber Geld locker machen, um im Herzen der Altstadt Geschichtsträchtiges und Stimmungsvolles zu retten? Welche Gebäude befinden sich schon in städtischem Besitz? Welche könnte die Stadt eventuell den derzeitigen Besitzern abkaufen und dann sanierungswilligen Menschen günstig überlassen? Ließe sich mit Hilfe von Sponsoren so etwas wie die höchst wirkungsvolle Jugendbauhütte von Quedlinburg in Iserlohn einrichten, wo junge Menschen unter fachlicher Anleitung ehrenamtlich Großartiges für den Denkmalschutz leisten?

„Der Fortschritt besteht nicht darin, das Gestern zu zerstören, sondern seine Essenz zu bewahren, welche die Kraft hatte, das bessere Heute zu schaffen.“ – Diesen Gedanken von Ortega y Gasset haben sich die Mitglieder des Initiativkreises zum Motto erkoren.

Mehr zum Thema: www.iserlohn-denkmal.de