Iserlohn ist Fahrrad-Aufsteiger

Iserlohn. „Dunkle Wolken über dem Märkischen Kreis statt heiterem Fahrradklima – mit einem Silberstreif am Horizont?“ So bewertete der ADFC Märkischer Kreisnoch 2012 den damaligen ADFC-Fahrradklima-Test. Mit den wenig schmeichelhaften Plätzen 208 bzw. 250 von 252 Städten landeten Iserlohn und Lüdenscheid damals weit abgeschlagen hinter den Top-Städten dieser Größenkategorie.

Zweiter Platz in der Wertung

Der Silberstreif ist mittlerweile ganz deutlich zu erkennen: Freudige Überraschung diesmal beim Bürgermeister der Stadt Iserlohn und dem örtlichen ADFC-Kreisvorsitzenden Martin Isbruch: Völlig unerwartet wurde man nach Berlin eingeladen zur Auszeichnung der besten Fahrradstädte Deutschlands. Im Bundesverkehrsministerium konnte am Donnerstag, 19. Februar 2015, die Urkunde für den zweiten Platz in der „Aufsteiger-Wertung“ entgegengenommen werden. In diesem Ranking werden Städte ausgezeichnet, deren Wertung sich im Vergleich zum letzten Fahrradklima-Test 2012 besonders verbessert hat.

Martin Isbruch, Vorsitzender des ADFC MK und auch landesweit als Beisitzer im Landesvorstand des ADFC NRW, hat damit nicht gerechnet: „Das Verhältnis zu Politik und Verwaltung ist in Iserlohn in der Tat recht gut. In den letzten zwei Jahren wurden jedoch kaum konkrete Projekte auf die Straße gebracht sondern vor allem die dafür notwendigen Planungen angestellt. Daher sind wir doch etwas überrascht worden, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer vor Ort das Fahrradklima bereits deutlich besser sehen als noch 2012. Das ist ein überaus erfreuliches Ergebnis“, sagt Isbruch kurz vor Beginn der Auszeichnungsveranstaltung im Berliner Bundesverkehrsministerium. Über mögliche Gründe könne vorerst nur spekuliert werden, dafür sei eine genaue Betrachtung der Einzelfragen notwendig. Bei aller sonst ausgesprochenen Kritik aber lobt Isbruch heute die Stadt: „Der Bürgermeister steht hinter dem Radverkehr. Das ist eine wichtige Grundvoraussetzung und  längst nicht in jeder Stadt so. Gemeinsam haben wir zur Teilnahme am Fahrradklima-Test aufgerufen, die Stadt hat unseren Vorschlag für die regionale Radroute Ruhr-Lenne-Achter aufgegriffen und die intensive Beteiligung der Bevölkerung bei der Planung der Lennepromenade ist beachtenswert. Es nutzen auch in Iserlohn bereits deutlich mehr Menschen auch im Alltag das Fahrrad. Die Auszeichnung ist für Stadt und ADFC ein wichtiger Ansporn für die weitere Arbeit.“

Insgesamt steht die Stadt Iserlohn mit einer Gesamtnote von 3,7 in ihrer Größenkategorie mit Platz 40 von 100 im Mittelfeld, Siegerin wurde erneut die Stadt Bocholt mit einer Note von 2,0. Damit relativiert sich zwar der Iserlohner Erfolg in der Aufsteiger-Wertung etwas, aber „auch auf bescheidenem Niveau kann und muss man an der eigenen Stadt arbeiten und den Radverkehr wirksam fördern“, sagt Isbruch.

Zentrum schlecht zu erreichen

Als relative Stärken werden von den Befragten besonders die Aspekte Diebstahlgefahr, Radverkehrswegweisung und Oberfläche der Radwege bewertet, schwach hingegen schnitt die Stadt bei „zügiges Radfahren“, „alle fahren Fahrrad“ und der Erreichbarkeit des Stadtzentrums ab. Bei der offenen Antwortmöglichkeit am Ende des Fragebogens wurde Isbruch zufolge besonders häufig das unzusammenhängende Flickwerk von Radverkehrsführungen kritisiert, aber auch konkrete Schwachstellen benannt, die jetzt gesammelt der Stadtverwaltung mitgeteilt werden.