Iserlohn Roosters bleiben am Tabellenende – Weber im Anflug auf den Seilersee?

Trägt Mike Weber bald das Trikot der Iserlohn Roosters? (Foto: Michael Miller)

Trägt Mike Weber bald das Trikot der Iserlohn Roosters? (Foto: Michael Miller)

Iserlohn. (hc) Nach der 0:5-Pleite der Iserlohn Roosters beim ERC Ingolstadt wird der Ton rauer bei den Sauerländern. Mitgereiste Roosters-Fans forderten den Rauswurf von Trainer Jari Pasanen. Manager Karsten Mende sprach bei der 1:4-Niederlage am Sonntag gegen Düsseldorf von einer „nicht akzeptablen Leistung der Abwehr“. Ein Eindruck, den das Gastspiel in Bayern verstärkt haben dürfte.
Und gerade im Bereich Toreverhindern könnte den Iserlohnern in Zukunft ganz besonders der Schuh drücken. Denn: Keeper Sebastian Dahm hat sich wohl eine schwere Knieverletzung zugezogen und dürfte eine längere Zeit fehlen. Beim Zusammenprall mit Roosters-Stürmer Chris Brown könnten Kreuzband und Meniskus beschädigt worden sein – eine monatelange Pause droht.
Der Platz zwischen den Pfosten gehört daher Mathias Lange. Der langjährige Iserlohner wirkte aber bei seinen letzten Auftritten, mit Ausnahme in Augsburg, nicht immer auf der Höhe und bestätigte die tollen Leistungen der Vergangenheit nur sporadisch. Vielleicht fehlte ihm zuletzt ein bisschen das Vertrauen der Verantwortlichen, denn der österreichische Nationalkeeper stand nur in vier Partien auf dem Eis.
Seine Statistiken sind passend dazu unterdurchschnittlich mit 3,32 Gegentoren pro Spiel. Das wiederum kann kaum allein dem Torwart angelastet werden, vielmehr präsentierte sich die Defensive wie der oft bemühte „Hühnerhaufen“.
Mehr zu erwarten
Das Top-Verteidigerpaar bilden Kevin Schmidt und Alexander Bonsaksen. Schmidt ist der offensive Motor aus der Abwehr heraus, während der Norweger eher den rustikalen Abräumer übernimmt. Doch von beiden Spielern könnte noch mehr erwartet werden. Gerade der Wikinger Bonsaksen wirkt oft etwas zu langsam für den agilen Schmidt. Johan Larsson dagegen etablierte sich vor allem als Allzweckwaffe, die in Über- wie Unterzahl erste Wahl ist. Der Rest der Defensive fällt dagegen deutlich ab. Christopher Fischer spielt offensichtlich häufig angeschlagen und deshalb kaum die Rolle, die er sich wahrscheinlich selbst vorstellt.
Sasa Martinovic ist zwar der typisch Stay-at-Home-Verteidiger, doch von dem Routinier erwartet man eigentlich ein Führungsrolle, die er zumindest auf dem Eis kaum ausfüllt.
Eigengewächs Dieter Orendorz ist zudem der Härtefall in der Defensive. Seine Plus-/Minusbilanz steht bei -10. Das ist der schlechteste Wert in der gesamten Liga. Er wird aber auch von Coach Pasanen in fast jeder Situation aufs Eis geschickt. Vor allem in Unterzahl ist die „Gefahr“, ein Gegentor zu bekommen, natürlich deutlich größer. Deshalb ist die Statistik nicht allein für die Leistung des Iserlohners aussagekräftig genug. Doch Ordendorz tritt offensiv kaum in Erscheinung, Sicherheitspässe über die Bande in die neutrale Zone sind sein „Markenzeichen“. Und im eigenen Verteidigungsdrittel hat er oft Probleme, wenn der Gegner mit viel Geschwindigkeit kommt. Dann werden vor allem seine Defizite im Schlittschuhlaufen sichtbar. Pasanens Ansatz Ordendorz weiterhin das Vertrauen zu schenken ist grundsätzlich richtig. Aus Fehlern lernt der junge Deutsche schließlich. Doch wenn diese den Team-Erfolg gefährden, dann muss ein Umdenken geschehen.
Gerüchte um Neuzugang
So wie Marko Friedrich, der nun vermehrt in der Verteidigung eingesetzt wird – oder durch Neuverpflichtungen. Das heißeste Gerücht am Seilersee heißt Mike Weber. Der 29-jährige US-Boy war zuletzt bei den Minessota Wild unter Vertrag und hat über 350 NHL-Spiele absolviert. In Norwegen hat er bereits Europaerfahrungen gesammelt. Seine Hauptaufgabe in Iserlohn sollte dann sicherlich auch das Verhindern von Toren sein, in 1.132 Profi-Begegnungen erzielte er nur 35 Treffer.
Dass die Sauerländer Stürmer erneut ohne Treffer blieben, gegen Düsseldorf traf Larsson, ist ein weiterer Punkt für die derzeitige Misere der Iserlohner. Die Reihe um Marcel Kahle, Denis Shevyrin und Chad Bassen war gegen Düsseldorf eine der besseren, weil sie mit deutlich mehr Speed in das Angriffsdrittel vor­drangen und so Möglichkeiten kreierten. Das sollte auch das Rezept für die Zukunft sein. Die Gelegenheit, personell nachzulegen ist günstig, denn die NHL beginnt am heutigen Mittwoch, 4. Oktober, mit ihrer neuen Spielzeit. Alle Spieler, die keine Chancen mehr auf ein Engagement in der stärksten Liga der Welt haben, könnten nun für die Sauerländer interessant werden. Man darf gespannt sein, wohin die Reise geht für die Roosters.