Iserlohner Beginen suchen Wahlverwandte

[1/2] Anfang dieser Woche konnten Gudrun Axmacher als Vorsitzende des Fördervereins Iserlohner Beginenhof und Olaf Pestl als Geschäftsführer der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft auf der Baustelle den Kooperationsvertrag unterschreiben. (Foto

[1/2] Anfang dieser Woche konnten Gudrun Axmacher als Vorsitzende des Fördervereins Iserlohner Beginenhof und Olaf Pestl als Geschäftsführer der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft auf der Baustelle den Kooperationsvertrag unterschreiben. (Foto

Iserlohn. (clau) Vom Traum zur Wirklichkeit entwickelt sich gerade der zukünftige Iserlohner Beginenhof an der Gerichtstraße, Ecke Wallstraße. Investor ist die Iserlohner Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (IGW). Die Mieterinnen können voraussichtlich am 1. Oktober 2018 das Gebäude beziehen, das im Untergeschoss eine Kindertagesstätte und darüber über 30 barrierearme Wohnungen beherbergen wird.

Klosternaher Ursprung
Das Iserlohner Beginen-Projekt greift in moderner, zeitgemäßer Form die im Mittelalter weit verbreiteten Beginenhöfe auf. Diese standen unter den Fittichen der Kirchen, waren aber keine Klöster. Nur ein Beginenhof ermöglichte alleinstehenden Frauen damals, auch ohne den Schutz einer Familie oder eines Mannes nicht zu „Freiwild“ zu werden, sondern unter anderen Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Die Zeiten waren hart und kriegerisch. Viele Frauen blieben allein oder wurden früh zur Witwe. In der Notgemeinschaft des Beginenhofes, der nachts abgeschlossen wurde, begannen sie jeden Tag gemeinsam mit Gebeten. Tagsüber gingen sie ihrer Arbeit nach als Krankenpflegerinnen, Lehrerinnen, Weberinnen oder waren karitativ tätig.
Moderne Beginen
Das ist Geschichte. Aber Beginenhöfe erleben gerade eine zeitgemäße weltliche Auferstehung. Allein in Nord­rhein-Westfalen sind in den letzten Jahren 13 moderne Beginenhöfe entstanden.
In der Waldstadt kamen 2008 erstmals Frauen zusammen, die sich für ein Beginen-Wohnprojekt interessieren. Ein Jahr später gründete sich der „Förderverein Iserlohner Beginenhof“. Die Gründerinnen waren bereit, harte Pionierarbeit zu leisten und sprichwörtlich dicke Bretter zu bohren. Elf Jahre Geduld wurden ihnen abverlangt, doch nun werden ihre Träume wahr.
Gemeinsam statt einsam
Den Iserlohner Beginen schwebt ein frauliches Wohnen in der Gemeinschaft einer guten Nachbarschaft vor. Mitten in der Stadt wollen sie leben wie auf dem Dorf, Tür an Tür mit ähnlich gesinnten Frauen mit und ohne Kinder als Wahlverwandten. Sie suchen ein unabhängiges Leben in einer eigenen Wohnung, aber gleichzeitig Kontakte, Begleitung, bei Bedarf gemeinsame Mahlzeiten und Unternehmungen, Hilfe, Unterstützung und gegenseitige Anregungen.
Wahlverwandte gesucht
Die Chemie zwischen den Frauen soll stimmen. Deshalb muss sich jede Interessentin selbst fragen und fragen lassen, ob sie in das generationsübergreifende, barrierearme Haus passt und sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen will. Diese will auch nach außen wirken etwa mit Literatur- und Kulturveranstaltungen, Frühstücksangeboten oder einem ehrenamtlich betriebenen Café. Vieles wäre hier denkbar und machbar. „Die Ideen kommen mit den Frauen“, sind sich die Gründerinnen sicher. Wer einzieht, muss zunächst einmal Mitglied im Förderverein werden. Der Verein hat das Vorschlagsrecht für alle Wohnungen. Sollten am Ende noch Wohnungen frei sein, übernimmt die IGW die Vermietung.
Termine zum Kennenlerntreffen
Anfang dieser Woche konnten Gudrun Axmacher als Vorsitzende des Fördervereins Iserlohner Beginenhof und Olaf Pestl als Geschäftsführer der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft auf der Baustelle den Kooperationsvertrag unterschreiben.
Im Seniorenzentrum Waldstadt Iserlohn an der Alexanderstraße 1 bieten die Iserlohner Beginen an jedem ersten und dritten Samstag im Monat von 10 bis 11 Uhr ein Kennenlerntreffen an. Kontaktperson ist Monika Muth, Tel. 02371 / 7783827.