Iserlohner Einzelhandel ohne City-Management?

Iserlohn. (clau) Für den Vorstand des City-Managements Iserlohn ist klar: Sollte es doch noch eine Zukunft geben für diesen Zusammenschluss, der eigentlich Motor des Iserlohner Einkaufslebens sein will, werden sie selbst nur als Mitglieder aktiv dabei sein. Als Vorstand wollen sie hingegen – mit Geschäftsführerin Beate Evers – ihr Engagement beenden.

Kirsten Opris (1. Vorsitzende), Peter Skuthan (1. stellvertretender Vorsitzender), Harald Schepper (2. stellvertretender Vorsitzender), sowie die Beisitzer Werner Luck, Sven Wiedemeyer und Dietrich Berkenhoff zogen nach dem Jahresabschluss, dem Bericht der Kassenprüfer und der Entlastung des Vorstandes ein tief frustriertes Fazit ihrer Arbeit für den Iserlohner Einzelhandel. Der Vorstand wird deshalb im November geschlossen zurücktreten.

Auflösen oder weitermachen?

So voll wie am Dienstagabend war es selten bei den Mitgliederversammlungen. Es gab schon Abende, bei denen der Vorstand einzig und allein mit den Pressevertretern am Tisch saß.
Dieses Mal drängte man sich fast Schulter an Schulter im Café Täglich. Der Tagesordnungspunkt „Beschluss zur Auflösung des Vereins“ hatte offenbar die Mitglieder aufgeschreckt.

Kirsten Opris als Vorsitzende stellte die Fragen in den Raum, die alle Vorstandsmitglieder seit geraumer Zeit bewegen: Warum sinken die Mitgliederzahlen stetig weiter? Hat das City-Management überhaupt noch Rückhalt im Handel? Und spätestens seit dem höchst unerfreulichen Tauziehen mit dem Rat der Stadt um die verkaufsoffenen Sonntage 2016 sei die Frage brennend, inwieweit der Verein noch Rückhalt in Politik und Verwaltung habe.

„Es geht nicht mehr“

„Es geht nicht mehr“, pflichtete ihr Werner Luck bei, der selbst auf 30 Arbeitsjahre im Einzelhandel zurückblicken kann. „Früher, als wie noch bis zu 80 Mitglieder zählten und die Filialisten sich wenigstens finanziell an unseren Initiativen beteiligt haben, konnten wir ein ganz anderes Vereinseinkommen erzielen als heute.“

Im Laufe der Jahre sind immer mehr Einzelhändler aus dem City-Management ausgetreten. Neue Mitglieder sind kaum zu gewinnen. Selbst gelungene Veranstaltungen überzeugen offenbar nicht. Als geradezu „schockierend“ bezeichnete Geschäftsführerin Beate Evers die verhaltenen Reaktionen des Einzelhandels selbst auf das kostenlose All-Inklusive-Aktions-Paket „Heimat Shoppen“ im Herbst. Sie fragt sich, ob ein City-Management in der Waldstadt noch gewünscht wird.

Andererseits: Sommernächte, Märchenhaftes Iserlohn, Henkelmanntage – all das kostet. Und zwar viel mehr als einfach nur Geld. Wie viel Zeit, Mühe, Energie, Kraft und Kreativität ehrenamtlich hineinfließen, ist kaum zu ermessen.

Kann Iserlohn ohne Bündelung der Einzelhandelskräfte noch bestehen im Wettbewerb der Städte? Wie steht die Stadt da ohne eine werbekräftige Gemeinschaft? Wäre das „Aus“ des City-Managements eine Blamage, ein Imageschaden? – Oder eher eine Gesundkur?

Zurzeit zählt das City-Management in dieser Stadt mit rund 53.000 Einwohnern gerade 24 Mitglieder. Etliche davon sind Geldinstitute oder Medien. Der Handel ist kaum vertreten, die Gastronomie im Grunde gar nicht.

Neben den Mitgliedern gibt es noch Förderer ohne Stimmrecht. Das sind derzeit bescheidene 14. Dazu gehört zwar der Einzelhandelsverband Südwestfalen – aber kaum ein Iserlohner Einzelhändler.

Was also tun? Die Mitglieder stimmten ab: Gegen eine Auflösung des Vereins. Allerdings fand sich niemand spontan bereit, selbst Vorstandsmitglied zu werden.

Gesucht: Menschen mit Visionen

Und nun? Wer Visionen hat, sich ehrenamtlich einbringen und Verantwortung übernehmen will, soll sich bald beim Noch-Vorstand melden. Damit es ab November mit einem neuen Vorstand weitergehen kann.

Bis dahin hat Kirsten Opris noch eine andere inständige Bitte: „Wem das Wohl der Einkaufsstadt Iserlohn am Herzen liegt, sollte doch bei uns Vollmitglied oder wenigstens Fördermitglied werden.“

Zu guter Letzt beendete Kirsten Opris den Abend ohne Schwarzseherei: „Vielleicht muss einfach etwas enden, damit sich etwas Neues findet.“

Kontakt zum City-Management mit Sitz am Bahnhofsplatz 2 gibt es unter Tel. 02371/ 217-1821 oder per E-Mail an info@einkaufen-iserlohn.de