Iserlohner Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft: „Fußabdrücke in der Stadt hinterlassen“

Iserlohn. (as) Olaf Pestl wirkt entspannt. „Wir sind ganz zufrieden“, sagt er. Das klingt wie die Untertreibung des Jahrzehnts. Eigentlich sollten er, der Geschäftsführer, und sein Team von der Iserlohner Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (IGW) mächtig stolz sein. Denn der Geschäftsbericht für das Jahr 2016 der IGW liest sich wie eine Erfolgsgeschichte.

Nach einem Jahr im Minus (2015) konnte die Gesellschaft das Jahr 2016 mit einem Überschuss von 225.000 Euro abschließen. Das Wohn- und Bauprojekt an der Kluse und der Rahmenstraße entpuppte sich als Glücksgriff. Nur eine Wohnung stand dort zum Jahreswechsel 2016/2017 noch leer.
Der Schlieperblock verwandelt sich nach und nach in ein Schmuckkästchen. Die IGW plant, saniert und liegt dabei im Zeit- und Budgetplan. „Von den 17 Ausbauhäusern sind zehn verkauft“, sagt Olaf Pestl. Und von den zwölf Wohnungen, die demnächst bezogen werden können, sind auch schon zehn vermietet.
Über das Projekt Mühlentor 13 freut man sich bei der IGW besonders. Hier haben im Herzen der Stadt acht junge Menschen mit Handicap ein neues Zuhause in einer Wohngemeinschaft gefunden, die vom Verein „170 Grad“ betreut wird. „Es ist schön zu sehen, wie glücklich die jungen Leute sind“, sagt Olaf Pestl. In der Bauphase hatte das Projekt den IGW-Verantwortlichen eher graue Haare beschert. „Wir hatten mit starkem Vandalismus zu kämpfen“, erklärt Pestl.
Große Aufgaben musste die IGW bewältigen: 50 Wohnungen für Flüchtlinge konnte die IGW im Jahr 2016 bereitstellen. Pestl: „Da waren wir am Limit.“ So erklärte sich auch das Minus im Jahr 2015. Als vor nunmehr zwei Jahren zighundert Flüchtlinge nach Iserlohn kamen, musste schnell Wohnraum geschaffen werden. Wohnungen, die laut Haushaltsplan noch gar nicht für eine Sanierung vorgesehen waren, wurden hergerichtet.
Von einem Husarenritt spricht Pestl, wenn er an das Projekt Hansahaus denkt. Auch hier wurden die Räumlichkeiten für Flüchtlinge zurecht gemacht – mit Gemeinschaftsräumen, Wasch- und Trockenmöglichkeiten und Rückzugsorten. Die Räume wurden von der Stadt Iserlohn angemietet. Außerdem beherbergt das Gebäude eine Arztpraxis und nunmehr zwei Kitas.
Viel ist geschafft: Doch noch immer stehen weitere spannende Projekte auf der Agenda der IGW. An der Wall- und Gerichtsstraße entstehen 35 Wohnungen von kleinen Appartement bis zum knapp 130 Quadratmeter großen Penthaus. Geplant sind zudem drei Wohnungen, die sich für Wohngemeinschaften eignet.
Bewahrend und gleichsam stadtbildprägend ist das Engagement der IGW im Südengraben, am Zeughaus und am Mühlentor. Die Gebäude sollen Menschen ein Zuhause bieten, die die Innenstadtlage mit all ihren Vorzügen genießen möchten. „Wir verstehen uns als Motor einer Bewegung“, sagt Olaf Pestl. Keine Frage: Es wird dem Stadtbild sehr gut tun, wenn hier, in bester Innenstadtlage, Gebäude restauriert werden.
Ausgezeichnet sei zudem die Zusammenarbeit mit dem Verein „denk-mal“, der sich ebenfalls dafür einsetzt, die alte Bausubstanz zu erhalten. „Damit kann man die Quartiersentwicklung vorantreiben“, sagt Olaf Pestl. „Die zentrale Lage hat Zukunft.“
„Mit Eigentümerstammtischen und Veranstaltungen möchten wir das Wir-Gefühl im Quartier stärken“, sagt Julia Anneke Kunz, Leiterin Stadtentwicklung bei der IGW und neue Prokuristin. Als Prokuristin folgt sie dem technischen Leiter Gerhard Rademacher nach, der am 1. August in den Ruhestand tritt.
Auch sie hat sich gemeinsam mit dem IGW-Team viel vorgenommen: „Wir wollen schöne Fußabdrücke in der Stadt hinterlassen.“ Und noch viele Räume für ein neues Zuhause schaffen.