Iserlohner Heimatgeschichte auf Schienen

Iserlohn. Die Iserlohner Kreisbahn (IKB), bis 1942 Westfälische Kleinbahnen AG (WKAG), umfasste in ihrer Blütezeit ein Netz von gut 50 Kilometer elektrischen Meterspurstrecken, teils Straßenbahn, teils Kleinbahn. Die beiden Autoren Rolf Löttgers und Wolfgang R. Reimann beschreiben die äußerst komplizierte Struktur. Im Mittelpunkt ihres Buchs stehen die sechs sehr unterschiedlichen Straßenbahnlinien der IKB und ihre Fahrzeuge. Drei dieser Linien benutzten Kleinbahngleise, die „3“ zur Iserlohnerheide die Iserlohner Güterbahn, die „5“ und „6“ die Strecke der Kleinbahn Westig-Ihmert-Altena. Jede der sechs Linien hatte ihre Besonderheiten.

Zeitreise mit Bildraritäten

Ein Drittel des Buches ist der Stammlinie 1 von Hohenlimburg – Iserlohn – Westig – Hemer gewidmet, die mit ihren fast 20 km Länge das Rückgrat des IKB-Liniennetzes bildete. Mehr als hundert Bilder vermitteln eine Vorstellung vom abwechslungsreichen Streckenverlauf und den vielfältigen Zugbildungen namentlich in den frühen 1950er Jahren. Ausführlich befasst sich das Buch auch mit den wenig bekannten Außenlinien Richtung Nachrodt – Einsal, Niederhemer – Höcklingsen und Sundwig – Deilinghofen sowie mit der Linie zur Iserlohnerheide. Etliche Bildraritäten haben die Autoren zusammengetragen. Gleiches gilt für den Straßenbahnverkehr auf der „Kleinbahn“, im Nette- ebenso wie im Ihmerterbachtal – auch hier mit wundervollen Aufnahmen.

Dabei gibt es auch den Blick „über den Zaun“, zur Kreis Altenaer Eisenbahn, die in Altena auf dem gegenüber liegenden Lenneufer ihre Fahrt begann, und zur Straßenbahnlinie nach Hagen, die in Hohenlimburg jenseits des Bahnübergangs an die Linie 1 anschloss und zwölf Jahre lang Teil der WKAG war.

Bei der IKB und ihrer Vorgängerin WKAG gab es jeweils einen besonders zahlreich vertretenen Fahrzeugtyp und mehrere Kleinserien von Neu- oder Gebrauchtfahrzeugen. Aus der Nähe betrachtet war der Fahrzeugpark der IKB aber noch weitaus vielfältiger, denn das Werkstattpersonal in der Grüne schaffte es immer wieder, die betagten Zwei- und Vierachser durch den Umbau des Wagenkastens oder durch neue Untergestelle und Motoren am Laufen zu halten, so dass es immer wieder neue Varianten gab.

Die Autoren haben versucht, den Fahrzeugpark der Anfangsjahre und dessen Umbauten (Stichwort „Kummer-Kisten“) zu rekonstruieren sowie mit Fakten und Bildern zu belegen. Für Eisenbahn-Enthusiasten besonders interessant ist die Beschreibung der sieben ab 1911 beschafften Fahrzeugserien mit ihren technischen Details. Ein ausführliches Kapitel widmet sich den mitunter recht eigenwillig anmutenden Arbeits- und Spezialfahrzeugen.

Band zwei kommt noch in diesem Jahr

Das Buch ist viel mehr als ein Sammlerstück für Eisenbahn-Besessene. Es erzählt von einem Stück Heimatgeschichte auf Schienen. Die Autoren nennen Daten und Fakten, erinnern aber auch immer wieder an Anekdoten der Kreisbahn-Zeit. Mit dem Buch „Von Hohenlimburg nach Hemer und Altena – Die Geschichte der Iserlohner Kreisbahn“ ist die Arbeit der beiden Eisenbahn-Begeisterten noch längst nicht getan. Schon jetzt kündigen sie für Herbst oder Winter dieses Jahres das Erscheinen des zweiten Bandes an, der sich speziell mit dem Güterverkehr der IKB befasst.

Von Hohenlimburg nach Hemer und Altena – Die Geschichte der Iserlohner Kreisbahn, DGEG-Medien Hövelhof, Preis 39,80 Euro, ISBN 978-3-937189-86-4.