Iserlohner Solarkraft in Ghana

Iserlohn. (clau) „Wir haben fast ein Jahr daran gearbeitet“, sagt Rüdiger Hiltwasky vom Arbeitskreis Energiewende, der die Sonnenstromanlage für die Kräuterschule in Ghana Anfang dieser Woche Gad Osafo übergeben konnte.

Tropische Herausforderung

„Es gibt immer wieder neue interessante Herausforderungen und Begegnungen mit besonderen Menschen wie mit Gad“, sagt der pensionierte Lehrer, der sich seit 17 Uhren im Arbeitskreis Energiewende engagiert. „Ghana – das ist Neuland für mich. Die tropischen Temperaturen, das ganz andere Sonnenverhalten und der krasse Wechsel von Sommer und Winter so nahe dem Äquator stellen ganz neue Aufgaben.“

Bei regelmäßig zwölf Tagstunden und viel Licht kann die kleine Solaranlage aus Iserlohn viel leisten und vieles betreiben. In kleinen Ortschaften abseits des Stromnetzes behelfen sich die Menschen Afrikas derzeit meist mit Dieselaggregaten, die Geld kosten, Lärm machen und der Umwelt schaden. Die internationale Energie-Industrie hat längst ein Auge auf den schwarzen Kontinent geworfen.
Afrika ist der Wachstumsmarkt für Atomstrom schlechthin.

„Ohne Strom läuft einfach nichts“, so Rüdiger Hiltawsky. „Aber Solarstrom könnte wirklich Afrikas Zukunft sein.“ Die Module sind mittlerweile günstig in der Anschaffung und können von den Menschen vor Ort leicht zusammengebaut werden. Sonnenenergie gibt es genug.

Ghanaisches Heilwissen retten

Zukunft erhofft Gad Osafo auch für die traditionelle ghanaische Heilkunde. „Von einem 94 Jahre alten Mann in meiner Heimat habe ich viel über unsere Heilpflanzen gelernt“, erzählt der Heilpraktiker. „Aber dieses Wissen geht verloren. Und auch die Pflanzen verschwinden. Manche wuchsen früher überall. Heute muss man mitunter zwanzig Kilometer weit fahren, um sie zu finden.“

Ein Buch hat er geschrieben über die Heilpflanzen und ihre Anwendung. Den Aufbau der Kräuterschule finanzierte er durch die Honorare seiner Vorträge in Deutschland. Mit dem Geld entstanden nach und nach die Wasserversorgung, Brunnen und Bibliothek.

„Im Garten haben wir mit Steinen die Umrisse eines riesigen Menschen gelegt. Dort wachsen die Pflanzen genau an den Stellen des Körpers, auf die sie heilsam wirken können“, berichtet der Kräuterkenner. „So wollen wir den Menschen die Pflanzen nahe bringen und sie anregen, uns neue zu bringen, die wir noch nicht kennen oder haben.“

Viel Unterstützung für die Schule

Die ungewöhnliche Schule in Ghana wird unterstützt durch den Verein Geko in Holzwickede. Koordinator Jürgen Poller hielt darüber einen Vortrag bei der Gruppe Kultur und Natur (KuN) in Drüpplingsen. Dort fand er offene Ohren und gebefreudige Menschen. Die unabhängige Gruppe, die sich in erster Linie mit sozialen Fragen, Umwelt- und Energiethemen beschäftigt, war gleich bereit, sich für die Kräuterschule stark zu machen. So reifte die Idee, mit Rüdiger Hiltawsky und seinem Sohn ein Sonnenkraftwerk für Gad Osafos Schule zu bauen. Die nötigen Spenden waren schnell beisammen.

Nun ist die Anlage fertig. Sie erfüllt alle Sicherheitsstandards, hat eine Leistung von 1100 Watt und 1,5 Kilowattstunden Batteriespeicher.

Der Verein Geko kümmert sich um den Transport nach Ghana. Drei Wochen lang wird sie unterwegs sein.