Iserlohnerin strickt gegen Terror

Iserlohn. Sechs Jahre lang stand Tanja König, die lieber ihren Künstlernamen Fianna Cessair hört, als Teilzeitkraft in Letmathe an der Stanze. Unzählige Endkappen für Rohre hat die 52-Jährige produziert und bei der monotonen Arbeit an ihren literarischen Werken weitergesonnen. „Shirin. Die Macht der Eule“ lautet der Titel eines ihrer Bücher. Seit ihrem 13. Lebensjahr schreibt die Autorin. In ihrer „Anthologie Trotz“ verarbeitete sie noch ganz jung ihre qualvolle Kindheit. Die E-Book-Ausgaben kommen nun auch als Druck in den Buchhandel.

Kein Schmerz, aber Qualen im Kopf

Dann nahm das Leben der vierfachen Mutter und Großmutter eine grausame Wende: Am 24. April 2014 krachten die 16 Tonnen ihrer Stanze auf ihre Finger. Links konnte genäht werden, rechts war an Zeige- und Mittelfinger unmittelbar oberhalb des unteren Gelenks nichts mehr zu machen.

„Erstaunlicher Weise habe ich überhaupt keine Schmerzen gehabt“, sagt Fianna Cessair. „Aber was sich im Kopf abspielte, hat mich gequält: Werde ich je wieder jemanden anfassen können? Werde ich je wieder schreiben können?“
Lange hat sie später für ihre Kunstfinger, so genannte Epithesen, kämpfen müssen.

Das Schreiben hat sie sich sofort wieder erzwungen: Mit beiden Händen komplett in Gips und Verband hat sie doch die Maus und Tastatur ihres Computers irgendwie bezwingen können.

Dank dieses Spezialstiftes „Penagain“ kann die Autorin trotz ihrer verlorenen Fingerglieder bequem schreiben. (Foto: Claudia Eckhoff)
Dank dieses Spezialstiftes „Penagain“ kann die Autorin trotz ihrer verlorenen Fingerglieder bequem schreiben. (Foto: Claudia Eckhoff)

Mit Wolle und Nadel gegen den Terror

Die erschreckenden Fernsehbilder aus syrischen Flüchtlingslagern haben der nun Arbeitslosen erst kürzlich einen neuen Impuls gegeben. Im Internet entdeckte sie die Aktion „Mit Wolle und Nadel gegen Terror. Wir machen euch winterfest“. Über eintausend deutschsprachige Frauen arbeiten hier zusammen. Soeben sandten sie einen Transporter mit 630 Kilogramm Strickwaren zu den Flüchtlingen.

Fianna Cessair hat sich gleich angeschlossen. Nun strickt sie fieberhaft Decken, Schals, Mützen, Socken und Puschen. In den nächsten Wochen geht schon der zweite Transport vom Saarland aus auf die Reise zu den Menschen, die gar nichts mehr haben. Woll-, Geld- und Sachspenden, aber auch weitere Mitstricker sind gefragt. Fianna Cessair informiert und stellt Kontakt her unter
Tel. 02374 / 1678354.