Kampf um Leben und Tod: „Crash Kurs NRW“

Iserlohn. (clau) Das ging unter die Haut. Atemlose, bedrückte Stille herrschte im Forum des Berufskollegs des Märkischen Kreises am Mittwochvormittag. Als etwa der junge Werdohler Polizist Christian Lohmann nur mit Mühe seine Stimme unter Kontrolle halten konnte, während er einen für einen jungen Fahrer tödlichen Verkehrsunfall beschrieb, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Und das obwohl der Saal mit über dreihundert Schülerinnen und Schülern der Stufen 10 und 11 bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Hart, krass und unmittelbar real
Die Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis hatte sie eingeladen, um sie über Gefahren im Straßenverkehr zu informieren. Das geschieht in dem landesweiten Projekt „Crash Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart“ nicht weichgespült und pflegeleicht und schon gar nicht theoretisch, sondern hart, krass und unmittelbar aus der Realität gegriffen.
Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte und Seelsorger erleben regelmäßig in ihrem Alltag als professionelle oder ehrenamtliche Helfer, was an einem Unfallort geschieht, wenn schwerverletzte Menschen um ihr Überleben kämpfen. „Unfälle werden verursacht. Unfälle lassen sich vermeiden“ – diese Einsicht will das Projekt vor allem jungen Menschen und Fahranfängern vermitteln.
Drogen, Alkohol, überhöhte Geschwindigkeit und oft der Griff zum Handy gehören zu den häufigsten Unfallverursachern bei jungen Fahrern.
Allein im Märkischen Kreis sind im vergangenen Jahr 41 junge Menschen bei Verkehrsunfällen getötet oder so schwer verletzt worden, dass sie kein normales Leben mehr führen können.
Auf Leben und Tod
„Denken Sie daran, wer im Falle eines Unfalls alles betroffen ist“, bat Projektleiter Andreas Filthaut die Schülerinnen und Schüler. „Sie selbst, die Beifahrer, andere Verkehrsteilnehmer, sodann ihre Angehörigen und Freunde und auch wir, die Polizisten, Notärzte, Feuerwehrleute und Notfallseelsorger.“
Das Crash-Kurs-Team erreichte sein Publikum mit eindringlicher Musik zu auf der Leinwand eingeblendeten Sterbedaten junge Unfallopfer aus der Region. Allein die Bilder der Unfallfahrzeuge sprachen eine überdeutliche Sprache. Die bewegenden Erfahrungsberichte von Polizist Christian Lohmann, Feuerwehrmann Marco Dönges, Notärztin Jutta Hohage, Notfallseelsorgerin Simone Stegbauer und Nino Arra, der nach einem schweren Motorradunfall seit Jahren im Rollstuhl sitzt, ließen niemanden kalt.
„Wir leisten Präventionsarbeit. Den Erfolg können wir nicht messen“, sagt Andreas Filthaut. „Aber wenn wir so auch nur einen einzigen Unfall mit jungen Menschen verhindern können, hat es sich schon gelohnt.“ Eine psychologische Nachsorge für die Polizisten und Feuerwehrleute gibt es nach solchen Unfalleinsätzen übrigens nicht selbstverständlich. „Damit muss man dann irgendwie leben. Das gehört eben dazu“, sagt Filthaut.