Kampfsportler gegen verzerrtes Heldentum

Er tritt als „Kampfsportler gegen Gewalt“ an: Gilbert Kapkowski. (Foto: A. Schneider)

Iserlohn/Hemer. (as) Sie kämpfen. Aber sie sind gegen Gewalt. Auch gegen eine öffentliche Zurschaustellung von Gewalt und Aggression. Deshalb haben sich mit Rüdiger Stenzel (TG Hemer), Dirk Janzik (Black Fighters Hemer), Dorothea und Gilbert Kapkowski (TSG Iserlohn) die Vertreter von drei Kampfsportclubs aus Iserlohn und Hemer zu einer gemeinsamen Marschrichtung entschlossen. Sie setzen sich ein für „gewaltfreien Kampfsport und positive Jugendarbeit“.

Es waren Fernsehbilder, die die renommierten Kampfsporttrainer bewogen haben, in die Öffentlichkeit zu treten. Die Bilder von einem Vitali Klitschko, der auf einen immer noch stehenden Shannon Briggs eindrischt. Der Kampf wird nicht abgebrochen. Von „Nehmerqualitäten“ ist die Rede. Die Konsequenz: Briggs landet auf der Intensivstation. „Es sind doch auch junge Leute, die sich das anschauen“, sagt Gilbert Kapkowski. „Da wird etwas ganz Schlimmes vermittelt. Jemand ist unterlegen und wird trotzdem vermöbelt, ohne dass jemand einschreitet.“ Hoch bezahlte Brutalität? „Das darf nicht sein“, sagt Gilbert Kapkowski. „Kämpfen bedeutet Verantwortung.“

Eine Verantwortung, die Gilbert Kapkowski auch bei vergangenen TV-Boxkämpfen vermisst hat. Beispiel: Arthur Abraham. Trotz doppelten Kieferbruchs verteidigte der Boxer vor drei Jahren seinen Weltmeister-Gürtel. Ein Abbruch hätte ihn den Titel gekostet. Doch er hielt durch trotz schwerster Verletzungen. Wenig später wurde er zum Boxer des Jahres gewählt. Gilbert Kapkowski schüttelt den Kopf: „Abraham hätte tot sein können“, sagt er. „Stattdessen wird er als Held verehrt.“ Kapkowski fragt: „Was ist das für ein verzerrtes Heldentum? Wo bleibt hier die Verantwortung – für sich, für andere?“

Vervollkommnung des Charakters

Kämpfen bedeutet für Gilbert Kapkowski mehr als Begegnungen im Ring oder auf der Matte. „Wenn im Kampfsport die Grenzen fallen – was kommt als nächstes?“ fragt er sich. Schließlich „kämpfe“ jeder Mensch in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens: im Job, in der Schule, im Straßenverkehr – wo auch immer. Kapkowski uns seine Mitstreiter in Sachen „Kampfsportler gegen Gewalt“ wehren sich gegen dumpfe Aggressionen – im Sport, aber auch darüber hinaus.

Gilbert Kapkowski wirbt für einen Kampfsport der Reife. „Oberstes Ziel sind nicht Sieg oder Niederlage, sondern die Vervollkommnung des Charakters“, zitiert er eine fernöstliche Weisheit. „Das mag hochtrabend klingen, aber es steckt viel Wahres in den Worten“, sagt er. „Kämpfen bedeutet, Grenzen zu kennen.“ Im Sport und im sonstigen Leben. „Es ist immer ein Ausdruck der Reife, Schwächere zu stützen und zu schützen.“

Selbstbewusstsein

Kampfsportclubs sind nach Auffassung der renommierten Trainer vor allem auch Orte, an denen das Selbstbewusstsein geschult wird. Wer Kampfsporttechniken beherrscht, weiß um die eigene Stärke und kennt eigene Grenzen. Wer Durchsetzungsfähigkeit ausstrahlt, schlüpft nicht in eine Opferrolle. So können Kraft und Selbstbehauptung Gewalt ersetzen.

Wer wissen will, wie es in den Kampfsportclubs zugeht, sollte sich den 4. Dezember vormerken. Beim „Fight-Cup Nikolaus“ der in der Festhalle Becke präsentieren vor allem Jugendliche in den einzelnen Wettkampfkategorien, dass Konzentration, Körperbeherrschung und stilvolles Auftreten dem aggressiven Kämpfen vorzuziehen ist. Mit von der Partie sind zudem die Weltturniersieger 2010: Die jungen Leute vom Team Budo-Sport Herdorf zeigen, was gute Jugendarbeit alles möglich macht. Und dann gibt’s da noch einen ganz spektakulären Auftritt. Thomas Feige vom Fight-Haus Hamburg will einen Hochgeschwindigkeits-Bruchtest-Weltrekord wagen: Er will zehn Kokosnüsse in weniger als fünf Sekunden zerschlagen.