Kangaroos ziehen ins Halbfinale der Playoffs ein

Eine unfassbare Aufholjagd krönten die Iserlohn Kangaroos mit dem Einzug in das Playoff-Halbfinale. Wer da Gegner sein wird, das entscheidet sich an diesem Wochenende zwischen Rostock und Giessen. (Foto: Max Winckler)

Iserlohn. Mit einer unfassbaren Energieleistung haben die Iserlohn Kangaroos das zweite Viertelfinalspiel gegen die Artland Dragons gedreht. Und ziehen nach dem 79:78-Erfolg verdient ins Halbfinale der Playoffs der 2. Basketball-Bundesliga ProB ein. 1.412 Zuschauer in der ausverkauften Hembergfestung erlebten, wie das Team von Headcoach Dragan Torbica nach einem fast aussichtslosen Rückstand zurückkam. Und das Spiel 3,8 Sekunden vor dem Ende für sich entschied.

Das Spiel zusammengefasst in einem Wort: Wahnsinn!

Dass sich die Dragons für Spiel zwei einiges vorgenommen hatten, war von Beginn an spürbar. Angetrieben von den rund 250 mitgereisten Fans machten die Niedersachsen schon in der Anfangsphase deutlich, dass sie um jeden Preis das Entscheidungsspiel erzwingen wollten. Leon Bahner besorgte die ersten Punkte für die Gäste. Ein Korbleger von Donte Nicholas glich das Spiel wieder aus (2:2, 2.). Es sollte jedoch das letzte Mal sein, dass die Partie in der ersten Halbzeit tatsächlich ausgeglichen war.

Die Dragons spielten, wie ein Team in einem Entscheidungsspiel spielen muss: Druckvoll, kämpferisch, mit Herz und Willen. Das taten die Kangaroos zwar auch, brachten ihre Einstellung aber nicht so aufs Parkett, wie es sich Torbica und die Fans gewünscht hätten. Stattdessen zog Artland über 11:4 (6.) auf 24:14 (10.) davon. Simon Kutzschmar sorgte mit einem verwandelten Mitteldistanzwurf dafür, dass die Kangaroos nicht mit einem zweistelligen Rückstand ins zweite Viertel gehen mussten (17:26, 10.). Und im zweiten Viertel lief schließlich für die Gäste alles wie am Schnürchen – und für die Hausherren im Gegenzug nicht allzu viel zusammen. Die 20-Punkte-Führung (51:31) der Dragons hatte auch zur großen Pause Bestand. „Bei einem Halbzeitstand von 51:31 brechen Teams auch gerne Mal auseinander. Ich habe allerdings selten ein Team erlebt, dass einen so unfassbaren Charakter hat, wie unsere diesjährige Mannschaft“, sagte Kangaroos-Manager Michael Dahmen nach dem Spiel.

Was er damit meinte, deutete sich im dritten Viertel an. Aber die Artland Dragons hielten stark dagegen. Trotz des deutlichen Rückstandes steckten die Kangaroos nicht auf. Im Gegenteil. Sie kämpften. Mit vollem Einsatz. Die Defense war deutlich besser als in der ersten Halbzeit, auch wenn Artland immer noch gute Antworten auf das Spiel der Iserlohner fand. Nach einem Dreier von Nikita Khartchenkov witterten die Hausherren erstmals wieder Morgenluft (50:62, 27.). Ins letzte Viertel starteten Torbicas Schützlinge jedoch trotzdem mit einem 17-Punkte-Defizit (56:73, 30.).

Die Hembergfestung bebte, als sich die Kangaroos im Schlussabschnitt Punkt für Punkt zurück ins Spiel kämpften. Von der Souveränität der Artland Dragons war in den finalen zehn Minuten nicht mehr viel zu sehen. Es gab nur ein Team, das dem Spiel jetzt seinen Stempel aufdrückte. Die Iserlohn Kangaroos. Joshua Dahmen, Julian Scott, Donte Nicholas, Ruben Dahmen und wiederum Scott mit einem Dreier verkürzten den Rückstand fünf Minuten vor dem Ende auf fünf Zähler (68:73, 35.). Das Spiel war plötzlich wieder offen. Dass es diesen Zeitpunkt nochmal geben würde, damit dürften die wenigsten der 1.412 Zuschauer in der Hembergfestung tatsächlich gerechnet haben.

Als Ruben Dahmen einen Dreier zum zwischenzeitlichen 71:73 (36.) versenkte, wirkte es zum ersten Mal so, als könne die Partie wirklich noch kippen. Artlands Andre Clinton Calvin hatte jedoch sowohl auf Dahmens Dreier als auch auf den folgenden von Nikita Khartchenkov eine passende Antwort parat, sodass die Gäste 2:58 Minuten vor dem Ende nach wie vor die Oberhand hatten (77:74, 38.). Und jetzt wurde es richtig kribbelig. Nikita Khartchenkov verkürzte auf 76:77 (38.). Und dabei blieb es bis in die Schlussminute. 40 Sekunden vor dem Ende durfte Donte Nicholas an die Freiwurflinie. Er vergab den ersten Versuch, versenkte den zweiten. Ausgleich (77:77, 40.).

Pierre Darrell Bland schaffte es jedoch, die Gäste – ebenfalls von der Freiwurflinie – wieder in Front zu bringen. Allerdings: Er traf auch nur einen von zwei Versuchen (78:77, 40.). Iserlohn blieben 16 Sekunden, um das Spiel doch noch für sich zu entscheiden. In einer Auszeit zeichnete Torbica seinem Team das entscheidende Play auf.

Kristof Schwarz brachte den Ball ins Spiel, passte zu Donte Nicholas. Calvin war der erste Dragon, der versuchte, Nicholas‘ Drive zu stoppen – und wurde vernascht. Leon Bahner übernahm die Verteidigung des US-Amerikaners an der Dreierlinie, konnte seinen Zug zum Korb aber nicht entscheidend unterbinden. Entschlossen zog Nicholas gegen Bahner und den helfenden Calvin zum Korb, behielt trotz enormen Kontakts die Kontrolle über seinen Wurf – und versenkte den Ball zur ersten Kangaroos-Führung im gesamten Spiel (79:78). Die Uhr stoppte bei 3,8 Sekunden. Pierre Darrell Bland wollte es für die Niedersachsen richten, rutschte jedoch aus – und der Sieg der Kangaroos war unter Dach und Fach.

Nach der Schlusssirene ließen die Kangaroos ihren Emotionen freien Lauf, jubelten. Als Team, mit den Fans – und feierten den zweiten Einzug ins Playoff-Halbfinale der Vereinsgeschichte. „Das war Playoff-Basketball, wie er im Buche steht. Die Dramaturgie des Spiels, das eigentlich schon verloren geglaubt war, dieses Comeback, diese Steigerung in der zweiten Halbzeit und dieses unglaubliche vierte Viertel. Der Wahnsinn“, sagte Michael Dahmen.

Die Kangaroos sind der erste Halbfinalteilnehmer der ProB. Alle anderen Serien werden im Entscheidungsspiel am Sonntag (8. April) entschieden. Die Iserlohner treffen in der Runde der besten Vier entweder auf die Depant Gießen 46ers Rackelos oder die Rostock Seawolves. Aber egal, welcher Gegner es wird. Spätestens jetzt muss jeder Gegner die Kangaroos auf der Rechnung haben.

Statistik

  • Iserlohn Kangaroos – Artland Dragons
    79:78 (17:26, 14:25, 25:22, 23:5)
  • Iserlohn: de Oliveira (9), Kutzschmar (5), Schwarz (3), J. Dahmen (3), Scott (16), Nicholas (17), Khartchenkov (17), R. Dahmen (7), Giddens (2).
  • Artland: Liyanage (9), Rockmann (7), Bahner (9), Zaletskiy (2), Lieser (3), Bland (19), Calvin (9), Kolo (12), Lavrinovicius (13).
  • Zuschauer: 1.412