Kita-Gründung im Sauseschritt: 95 Kinder, 700 Quadratmeter– „Henry“ wird eröffnet

Es ist geschafft: Die Kita Henry hat den Betrieb aufgenommen und wird am Samstag, 6. Oktober, offiziell eröffnet. Kita-Leiterin Kerstin Helmering und Michael Vucinaj, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Iserlohn, freuen sich auf die Gäste.(Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) Draußen fahren Umzugswagen vor. Tische, Stühle und Kisten werden geschleppt. Die ersten Beginen beziehen ihr Domizil. Drinnen herrscht Kinderlachen. Auf 700 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss des Gebäudes an der Gerichtstraße 17 in Iserlohn wird getobt, gekichert, gemalt, gebastelt, geklettert, gefuttert und vielleicht auch mal gedöst. Und mittendrin: Michael Vucinaj. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen DRK-Gesellschaft „Soziale Einrichtungen Iserlohn“ ist auf Stippvisite. Er strahlt mit den Kindern um die Wette. Er würde am liebsten selbst durch den Fuchsbau krabbeln, die Kletterwand testen oder die Strukturen von Blättern im Forschungslabor untersuchen. Stattdessen muss er repräsentieren: „Willkommen in der Kita Henry“, sagt er. Es klingt fast ein wenig ungläubig. Gerade so, als müsse er sich zwicken, weil er noch nicht so ganz glauben kann, dass diese Kindertagesstätte, die erste in der Trägerschaft des Roten Kreuzes in Iserlohn, tatsächlich bereits ihren Betrieb aufgenommen hat.

Am heutigen Samstag, 6. Oktober, werden neben den Kindern viele Erwachsene durch die Räume streifen. Denn heute ist der große Tag: Die Kita Henry wird offiziell eröffnet. Erwartet werden Vertreter aus Politik, Stadtverwaltung, von der IGW als Bauträger, von den Stadtwerken. Aber auch die gesamte Basketball-Mannschaft der Iserlohn Kangaroos wird ab 11 Uhr bei der Eröffnung erwartet. Und sogar der gerade verletzte Eishockey-Spieler Louie Caporusso will der Kita einen Besuch abstatten und Autogramme geben. Die Beginen wollen die Wünsche der Besucher an Luftballons binden und in die Luft steigen lassen und so vieles mehr.

Freundlich und einladend

„Es war fast wie ein Raketenstart“, sagt Michael Vucinaj. Oder, um in der Kindersprache zu bleiben, eine Kitagründung im Sauseschritt. Kerstin Helmering, Leiterin der Kita Henry, nickt bestätigend. Hinter beiden liegen Monate, in denen sie einen Traum haben wahr werden lassen – die beiden und das wachsende Team an Erziehern, Bufdis, Praktikanten, Sprach­therapeuten und Küchenkräften haben eine Kita geschaffen, in der echte Integration und Inklusion gelebt werden soll. Und das alles mit einem freundlichen, einladenden Charakter.
Doch zurück zu den Anfängen: Als im Januar 2016 seitens der Stadt beklagt wurde, dass es zu wenig Kitaplätze gebe, wurde Michael Vucinaj hellhörig. In den Zeiten des großen Flüchtlingszustroms stand der Bereich „Kinder und Familie“ zwar nicht ganz oben auf der Prioriätenliste des DRK-Kreisverbands. Aber: „Es fehlte in Iserlohn noch das Rotkreuz-Zeichen als Kita-Träger“, sagt Michael Vucinaj.

Er begann zu planen. Das IGW-Bauprojekt an der Gerichtstraße war der ideale Rahmen. Nicht nur die DRK-Überzeugungen der Menschlichkeit, sondern auch Gesundheits- und Umweltgedanken flossen in die Überlegungen ein. Eine große Photovoltaikanlage mache die Kita weitgehend unabhängig; bei der Möblierung, aber auch bei der Ernährung wird auf Gesundheit geachtet.Die bis zu 95 Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, die die fünf Gruppen der Kita besuchen, sollen sich wohl fühlen. Allerdings sind nur vier Gruppen in der Gerichtstraße untergebracht. Eine kleine fünfte Gruppe bleibt als Außengruppe im nahe gelegenen Hansahaus.

Das DRK in allen Facetten

Die Kita Henry startet durch: Sie ist Sprachkita und Betriebskita der Stadt Iserlohn. Das heißt: Acht Plätze sind für Kinder von Mitarbeitenden der Stadt Iserlohn gedacht. Außerdem hat bereits das Zertifizierungsverfahren zum Familienzentrum begonnen.
15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zum Team von Einrichtungsleiterin Kerstin Helmering. Sie schwärmt von den vergangenen Monaten, als „Henry“ langsam Gestalt annahm: „Sie waren hart, aber bereichernd“, sagt sie. Und: „Es ist toll, wie alle mitgezogen haben.“

Michael Vucinaj muss schmunzeln. „16 neue DRK-Mitarbeiter“, sagt er. „Damit hat sich die Iserlohner DRK-Belegschaft verdreifacht.“ Denn im Kreisverband waren bislang nur acht Mitarbeiter beschäftigt. Die aber werden ihr Knowhow auch in die Kita Henry einbringen. Ob es um Schwangerschaftsberatungen oder Mutter-Kind-Kuren geht. Das DRK-Team hat für die Eltern der Mädchen und Jungen immer ein offenes Ohr.
Zugegeben, noch ist die Kita nicht ganz fertig. Der Außenbereich wartet noch darauf, freigegeben zu werden. Dann stehen den Knirpsen noch einmal 700 Quadratmeter Außenfläche zum Toben und Spielen zur Verfügung – inklusive Schwindelkarussell, Rutsche und reichlich Klettermöglichkeiten.
Und von oben können die Beginen dem bunten Treiben unten zuschauen. Auch das ist ein Beispiel gelebter Integration – Die Kita Henry ist übrigens nach Henry Dunant, dem Gründer des DRK benannt.