Kompliziert und teuer: Rat stellt Weichen für Zukunft des Schillerplatzes

Der Investorenwettbewerb für den Schillerplatz ist vom Tisch. Aber muss die Stadt die Planungen nun selbst übernehmen? Oder: Muss die Stadt die Planungen nun ganz schnell weiterführen? Elke Olbrich-Tripp und Harald Eufinger von den Bündnisgrünen melden Bedenken an. Sie fordern ein Moratorium, ein Innehalten.(Foto: as)

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Iserlohn. (as) Es waren ernüchternde, erschütternde Wochen für die Iserlohner Schillerplatz-Planer. Doch nun steht fest: Es wird im Frühsommer keinen Investoren-Wettbewerb geben. Die Stadt Iserlohn, so scheint es, wird die Planungen selbst in die Hand nehmen. Zu dieser Ansicht kamen die meisten Vertreter der Iserlohner Ratsfraktionen, nachdem sie über die folgenschweren Erkenntnisse der Gutachten zum Schillerplatz-Areal aufgeklärt wurden. Darin heißt es: Der Grund ist zu weich. Man müsse nicht unbedingt mit Senkungen aus dem ehemaligen Bergbau rechnen. Stattdessen sacke die Auffüllung der ehemaligen Lehmkuhle in sich zusammen.

Das Ergebnis: Das Projekt wird kompliziert und teuer. Man könne schließlich nicht wie damals in den 60er Jahren einfach Betonplatten gießen und sie auf dem wackeligen Untergrund schwimmen lassen. Stattdessen werde eine Gründung des Schillerplatzes und der Tiefgarage auf gut 220 Pfählen empfohlen. Zehn Millionen Euro oder auch mehr werde solch eine Gründung kosten. Das gesamte Schillerplatz-Projekt wird auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt.Zu viel für einen Investor, der schließlich in erster Linie einmal Geld verdienen möchte. Und selbst wenn sich ein Investor finden lasse, sei das Risiko zu groß, dass er mitten im Projekt abspringe, weil womöglich die Kosten aus dem Ruder laufen.

Und nun? Abwarten und Tee trinken? Für die meisten Iserlohner Politiker ist das keine Option. Der Rat kann in seiner Sitzung im März die Weichen für den neuen Schillerplatz stellen und die Planungen des Jahrhundertprojekts in die Hände der Schillerplatz-GmbH legen. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Leye spricht in diesem Zusammenhang von einem „vernünftigen Weg“. Auch für Michael Schmitt, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender der Schillerplatz-GmbH, ist das Handeln der Stadt alternativlos. Er weist darauf hin, dass „sowohl die Schillerplatz-Brücke als auch der Schillerplatz mit dem Parkhaus ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer erreicht“ haben. Zur Brücke: Die Stützen hätten bei der Gründung 14 Zentimeter Spiel gehabt. 14 Zentimeter seien nachjustiert worden. Nun sei nichts mehr drin.
Doch es gibt auch mahnende Stimmen aus den Reihen der Politik. „Wir fordern ein Moratorium“, sagt Harald Eufinger (Bündnis 90/Die Grünen). Einen Aufschub also, Zeit durchzuatmen und sich zu besinnen. Es sei „nicht einsichtig, jetzt schnell zu sagen, dann machen wir es eben selber“. Harald Eufinger schluckt: „So etwas haben wir doch noch nie gemacht.“

Auch Elke Olbrich-Tripp, Fraktionsvorsitzende der Bündnis-Grünen, fordert Geduld. Ihr wichtigstes Argument: „Wir sprechen hier über das Geld der Steuerzahler, also von uns allen.“ Deshalb der Vorschlag der Grünen: „Eine Bürgerbefragung.“ Alle Gutachten sollten nach Auffassung von Elke Olbrich-Tripp und Harald Eufinger öffentlich gemacht werden: „Jetzt hilft nur schonungslose Offenheit.“ Wenn die Mehrheit der Iserlohner der Überzeugung sei, dass es richtig sei, 50, 100 oder vielleicht noch mehr Millionen Euro in das Projekt Schillerplatz zu investieren, dann habe der Rat einen klaren Auftrag. Aber so? Für eine eigene Entscheidung fehlt Harald Eufinger beispielsweise noch ein aktuelles Einzelhandelsgutachten. „Wir wissen einfach nicht, wie und ob sich das Kaufverhalten ändert“, sagt er. „Brauchen wir dort überhaupt noch Einzelhandelsflächen?“ Mit einem Lächeln fügt er hinzu, dass er sich durchaus auch einen innerstädtischen Park vorstellen könne: „Moskau hat den Gorki-Park, New York den Central Park – warum also nicht?“

Der Schillerplatz wird weiter im Gespräch bleiben und für Diskussionen sorgen – auch am Dienstag, 19. März, wenn der Rat der Stadt Iserlohn die Weichen stellt für die Zukunft des zentralen Innenstadtplatzes.

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