Leben ist ein Ausnahmezustand – Informationen zum Tag der Kinderhospizarbeit

Iserlohn/Hemer. (Red./as) Ein Junge kommt mit einer seltenen Nerven-Muskelerkrankung zur Welt, älter als drei Jahre wird er nicht werden, sagen die Ärzte den fassungslosen Eltern. Ein Mädchen bekommt mit neun Jahren einen aggressiven, unheilbaren Hirntumor: Meistens treffen solche Schicksalschläge nicht einen selbst, sondern die anderen. Meistens – aber nicht immer. Um Eltern und Kindern beizustehen, gibt es Kinder- und Jugendhospizdienste wie Zeitgeschenk von der Caritas oder „Die kleine Raupe“ von den Johannitern.

„Auch in unserer Region leben viele Familien mit schwerstkranken Töchtern oder Söhnen, die vor dem Erwachsenenalter sterben werden. Keines dieser Elternpaare hat je damit gerechnet, ein unheilbar krankes Kind zu bekommen. Und trotzdem ist genau das geschehen“, sagt Bettina Wichmann, Koordinatorin des ambulanten Kinderhospizdienstes „Kleine Raupe“.
Finanziert wird die Arbeit der Kinderhospizdienste zu einem überwiegenden Teil aus Spendengeldern. „Das, was wir an öffentlicher Förderung etwa von Krankenkassen bekommen, reicht bei weitem nicht aus, um unsere Kosten zu decken“, sagt Bettina Wichmann. So müssen die eingesetzten Sachmittel grundsätzlich aus Spendengeldern bezahlt werden. „Ohne großzügige Privatleute und Unternehmen könnten wir diese nicht finanzieren.“
Diese Geldsorgen hätten auch alle anderen ambulanten Kinderhospizdienste in Deutschland, sagt Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz. Dabei werde die Arbeit der ambulanten Hilfsdienste dringend gebraucht: Immerhin seien nach neuesten Zahlen etwa 40.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland so schwer krank, dass sie nicht erwachsen würden, so Kraft. „Die Diagnose einer solchen Erkrankung bedeutet für jede Familie einen unvorstellbaren Schock. Urplötzlich ist nichts mehr wie es war – und das Leben ein einziger Ausnahmezustand.“

Freiräume auch für die Familie schaffen

Kinderhospizdienste unterstützen die betroffenen Familien in der Region, indem sie ehrenamtliche Mitarbeiter zu ihnen nach Hause schicken. Diese kümmern sich dann beispielsweise stundenweise um das erkrankte Kind oder auch dessen Geschwister. So schaffen die ehrenamtlichen Helfer Freiräume für die Eltern, die oftmals am Rande der Belastbarkeit sind und keinerlei Zeit für sich selbst mehr haben.
Der „Tag der Kinderhospiz­arbeit“, der jedes Jahr am 10. Februar stattfindet, macht auf die Situation von Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzender Erkrankung und deren Familien aufmerksam. Als Zeichen der Verbundenheit wird mit den grünen Bändern der Solidarität dazu aufgerufen, betroffene Familien zu unterstützen.
Zeitgeschenk, der mobile Kinder- und Familienhospizdienst für Iserlohn, Hemer, Menden und Balve wird am heutigen Samstag, 10. Februar, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr mit einem Info-Stand im Foyer der Märkischen Bank in Iserlohn (Schillerplatz/Turmstraße) präsent sein.

Unterstützung von den Gymnasien

Unterstützt wird das Zeitgeschenk-Team von Schülerinnen und Schülern des Märkischen und des Stenner-Gymnasiums. Sie sollen mit Spendendosen und Flyern durch die Iserlohner Fußgängerzone gehen.
Als sichtbare Symbole für die Kinderhospizarbeit wird das Zeitgeschenk-Team 150 grüne Bänder mit der entsprechenden Aufschrift verteilen.
Die Johanniter laden anlässlich des Tags des Kinderhospizdienstes am heutigen Samstag, 10. Februar, ab 13.30 Uhr zum Spiele- und Bastelnachmittag für erkrankte Kinder mit ihren Müttern und Geschwisterkinder in die Einrichtung der Johanniter, Hagener Straße 121 in Letmathe, ein. Es wird um Anmeldung gebeten, um allen Kindern gerecht zu werden.