Letmathe. „Leerstand?“, fragt Rainer Großberndt. „Was für ein Leerstand?“ Rainer Großberndt, zweiter Vorsitzender und Gesicht der Letmather Werbegemeinschaft, lässt seinen Blick über die Hagener Straße wandern. Natürlich sieht er einige leerstehende Ladenlokale. Aber er will nicht dramatisieren. „Ein Haus wird verkauft. Da können keine Nachmieter einziehen“, sagt er. „Ein Haus wird abgerissen. Also sind auch hier die Ladenlokale leer.“

Immerhin 86 von den 96 Geschäften in Letmathe seien belegt und geöffnet. „Das kann sich sehen lassen“, meint er. Und er entdeckt einen bemerkenswerten Trend: „Immer mehr Alt-Iserlohner Betriebe entdecken Letmathe für sich.“ Nach Edeka Novak habe sich auch die Gärtnerei Asbeck für ein Standbein direkt in Letmathe entschieden. Am Montag, 4. März, eröffnet das Iserlohner Eiscafé San Remo nach drei Cafés in der Iserlohner City ein viertes in Letmathe. Es übernimmt das Letmather San Remo von Paulo Tavares. Der Letmather möchte sich nach gut 25 Jahren mehr um seine Familie, vor allem um sein Enkelkind kümmern können. Für die Iserlohner gab es kein Zögern. „Das ist ein toller Standort“, sagt Adelina Marques. Sie wird für ihren Bruder, den San-Remo-Inhaber, das Café in Letmathe führen.

Es tut sich viel in Letmathe. Schwer beeindruckt ist Rainer Großberndt von den Neubauprojekt des R-Cafés direkt an der Lenne. Man kann zuschauen, wie das Gebäude nach oben wächst. Schon jetzt ist die Vorfreude groß. Rainer Großberndt ist davon überzeugt, dass dieses Café ein Besuchermagnet in der Region sein wird. Er träumt von Radlern, die auf der Lenneroute aus dem Sauerland oder aus dem Hagener Raum nach Letmathe strampeln, sich mit Blick auf die Lenne erfrischen, durch die Einkaufsmeile flanieren und vielleicht noch in einem der dortigen gastronomischen Angebote einen Stopp machen. Aber auch für Autofahrer sei die Anbindung durch die A46 ideal. Besucher aus dem Ruhrgebiet können sich an der Lenne in Letmathe eine kleine Auszeit vom Alltag gönnen.

Eines aber macht ihm Sorgen. „Es gibt zu wenig Parkplätze“, sagt er. „Die neu angelegten sind schon jetzt dauernd belegt“. Seine Frage: „Wie soll das klappen, wenn das R-Café erst geöffnet ist?“ Deshalb setzen er und die Werbegemeinschaft Letmathe sich massiv dafür ein, weiteren Parkraum anzulegen. Unter der Brücke an Pater und Nonne beispielsweise – von dort aus könne man wunderbar zur Dechenhöhle, in die Letmather City und eben auch an die Lenne spazieren. Oder am Lennedamm beziehungsweise der Oeger Straße – am besten auf der Lenneseite. Dann bräuchten Menschen mit Gehbehinderungen nicht erst die vielbefahrene Straße zu überqueren.

Letmathe hat was – dieses Motto hat sich die Werbegemeinschaft auf die Fahnen geschrieben. Und genau hier setzt sie immer weiter an. Die rührigen Macher und Macherinnen wollen ihren Stadtteil beleben. Drei verkaufsoffene Sonntage, Kiliankirmes, Brückenfest, Kinderfest zum Weltkindertag, Muttertags- und Osteraktion, Frühlingserwachen und Late-Night-Shopping gehören dazu. Doch auch der Lenne-lebt-Funlauf ist mittlerweile etabliert. Und zum zweiten Mal wird der Day of Song – diesmal am 29. Juni – Letmathe in ein Fest der Sangesfreudigen verwandeln. Acht Chöre haben bereits zugesagt. Weitere sind willkommen.

Wer möchte, kann sich bei Sieglinde Kuhlmann, der zweiten Vorsitzenden des Kreischorverbands, anmelden: Tel. 02371 / 31436 oder sieglinde_kuhlmann@aol.de. Um 12.10 Uhr wird am Day of Song übrigens auf Letmather Initiative hin auf der gesamten Lenneschiene – also auch in Nachrodt, Altena bis hin nach Schmallenberg – das gleiche Lied aus vielen tausend Kehlen erklingen.

Auf das Brückenfest freut sich Rainer Großberndt besonders. Dort wird nämlich auch die Kult-Band Zoff ihr 40-Jähriges feiern. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit. Vielleicht sind im Laufe der Monate auch die letzten noch freien Ladenlokale in der City belegt. Rainer Großberndt jedenfalls ist davon überzeugt. Vielleicht kommt dann sogar ein Schuh- und Lederwarengeschäft nach Letmathe oder eine Parfümerie. Hier hat Letmathe noch Bedarf. Und noch in einem weiteren Punkt: „Wir brauchen ein Hotel“, sagt der zweite Vorsitzende der Werbegemeinschaft. „Nichts Riesiges, sondern klein, schnuckelig, gut bürgerlich.“ Denn wenn sich Letmathe schon zum Freizeit- und auch Shoppingparadies verwandelt, werden bestimmt die ein oder anderen Besucher von außerhalb mal eine Nacht oder zwei oder drei im Städtchen bleiben wollen.

 

 

Anzeige