Mädchen an Iserlohner "Männerschule"

Iserlohn. (th) Berufe der Metall- und Elektroindustrie sind noch immer zum großen Teil von Männern dominiert. Auch für entsprechende Ausbildungen interessieren sich weiterhin hauptsächlich Jungs. Doch Nadine Meyer und Michelle Reiter beweisen, dass sich Frauen in diesem Metier behaupten können.

Die beiden 18-Jährigen sind zwei von insgesamt nur zehn Schülerinnen am Theodor-Reuter-Berufskolleg (TRBK) in Iserlohn. Zum Vergleich: 368 Schülerinnen und Schüler sind insgesamt an der Schule. Doch davon lassen sich die jungen Frauen nicht einschüchtern, genauso wenig wie von den Vorurteilen, die Frauen in so genannten „Männerberufen“ von manchen Seiten entgegengebracht werden. Sie gehen ihren Weg. Sehr erfolgreich.

„Viele Eltern möchten nicht, dass ihre Töchter Männerberufe ergreifen so wie sie auch nicht wollen, dass ihre Töchter Fußball spielen“, sagt Michelle Reiter. Das ist für sie der Grund, wieso nur so wenig Frauen in die Metall- und Elekroindustrie gehen. „Es herrscht teilweise auch ein völlig falsches Bild von den Berufen“, ergänzt Nadine Meyer. Es kommt nicht darauf an, besonders viel Muskelkraft aufzubringen, sondern auf technischen Sachverstand und eine strukturierte Herangehensweise. Gerade im letzteren Bereich können die weiblichen Schülerinnen ihren männlichen Kollegen oft noch etwas beibringen.

Aus diesem Grund bewarb sich Nadine Meyer auch als Schülersprecherin und setzte sich im vergangenen September gegen drei Konkurrenten durch. Trotz der geringen Frauenquote gab es schon öfter Schülersprecherinnen am TRBK. Religionslehrerin Gaby Bach, die mit der Schülersprecherin gemeinsam die Schülervertretung leitet, bewundert das Durchsetzungsvermögen und das Engagement ihrer Schülerinnen, die sich im neuen Umfeld der weiterführenden Schule als klare Minderheit erst einmal behaupten müssen.

„Jetzt erst Recht“

In der Unterstufe erfuhren die Mädchen auch zunächst einen gewissen Widerstand seitens der Jungs gegenüber ihren Ideen und ihrer Herangehensweise an Projekte. Doch mittlerweile sind die meisten Mitschüler froh, dass ihnen auch eine weibliche Perspektive zur Verfügung steht. Eine Sonderbehandlung erhalten die Schülerinnen natürlich nicht, sie müssen genau die gleichen Leistungen erbringen wie die Schüler. Dass Ihnen das manchmal – zumindest scheinbar – nicht zugetraut wird, spornt sie nur umso mehr an. Bei einem Praktikum in einer Autowerkstatt stieß Michelle Reiter beispielsweise auf einige Skepsis gegenüber ihren Fähigkeiten, die sie schließlich aber restlos ausräumen konnte. „Jetzt erst Recht“ lautet das Motto.

Am TRBK fühlen sie sich pudelwohl und gut eingegliedert. Der einzige Nachteil der deutlichen Unterzahl ist, dass die Mädchen auch für die Lehrkörper immer herausstechen. Heimliche Unterhaltungen während des Unterrichts sind somit so gut wie unmöglich, denn die entsprechenden Übeltäterinnen werden sofort erkannt. Diesen „Wermutstropfen“ nehmen sie angesichts der guten Qualifikation, die sie am TRBK erwerben, gerne in Kauf. Im Verlauf der dreijährigen Bildungsgänge erhalten sie sowohl eine abgeschlossene, von der Industrie- und Handelskammer geprüfte Berufsausbildung, als auch das Fachabitur. Somit ist ein weiterführendes Studium genauso möglich wie ein direkter Einstieg ins Berufsleben. Diese Doppelqualifikation macht das TRBK einzigartig in einem weiten Umkreis.

Infotag am 14. März

Für das kommende Schuljahr sind noch viele Ausbildungsplätze in den Berufen der Metall- und Elektroindustrie zu vergeben. Am Samstag, 14. März 2015, findet eine Informationsveranstaltung zu den angebotenen Bildungsgängen statt. Um 9 Uhr startet der Infotag im TRBK, Karnacksweg 43, mit einem Vortrag, anschließend gibt es Führungen durch die Werkstätten und Labore bei laufendem Schulbetrieb. Weitere Auskünfte zu der Veranstaltung und dem Bildungsangebot des TRBK gibt es unter www.trbk.de oder beim Sekretariat unter Tel. 02371/ 96850.

Der Infotag richtet sich natürlich genauso an Jungen wie an Mädchen. Doch angesichts der Unterrepräsentation von Frauen am TRBK sowie in den entsprechenden Berufen ist es wünschenswert, insbesondere Mädchen mit diesem Angebot anzusprechen. Auch etwaige Vorbehalte seitens besorgter Eltern können an diesem Tag ausgeräumt werden. Ingenieure – und Ingenieurinnen – werden erfahrungsgemäß immer gesucht, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum junge Frauen sich nicht für diesen Berufsweg entscheiden sollten. Das beweist nicht nur das Beispiel von Nadine Meyer und Michelle Reiter.