Märkische Unternehmen als „Meister im Angraben“

„Karriere im MK“ lockte mit pfiffigen Ideen

Auf dem Dach des Grohe-Trucks versammelten sich Organisatoren, die Bürgermeister aus Iserlohn, Hemer und Menden und Landrat Thomas Gemke, um eine erste Bilanz der Ausbildungsmesse zu ziehen. (Foto: A. Schneider)

Iserlohn. Landrat Thomas Gemke war begeistert. Jedes Jahr, wenn er die Ausbildungsbörse „Karriere im MK“ besucht, lernt er, wie er eingesteht, etwas dazu. So auch am Dienstag, 18. September, auf dem Gelände der ehemaligen Bernhard-Hülsmann-Kaserne in Iserlohn. Diesmal war er fasziniert vom Angebot des Malerhandwerks: „Man kann einfach ein digitales Foto vom Wohnzimmer abgeben und anschließend sehen, wie es mit den unterschiedlichsten Farben aussieht“, schwärmte der Verwaltungschef des Märkischen Kreises. „Tolle Sache“, meinte er. „Toller Beruf.“

Genau darum geht es bei der Studien- und Ausbildungsmesse „Karriere im MK“. Festzustellen, was für vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten die Betriebe im märkischen Sauerland zu bieten haben. Tolle Berufe eben. 122 Betriebe und Organisationen präsentierten ihre Ausbildungs­chancen, elf Hochschulen ihre Studiengänge und Karriereaussichten.

Thomas Haude vom Organisationsteam der Ausbildungs- und Studienbörse „Karriere im MK“, zog bereits während der Veranstaltung eine erste kleine Bilanz. Viele Betriebe hätten ein sehr großes Interesse seitens der Schülerinnen und Schüler festgestellt. Doch nicht alle: „Sorgenkinder sind tatsächlich die Pflege und das Handwerk“, sagt Thomas Haude. „In diesen Bereichen herrschte nicht so viel Andrang.“

Karriere im MK -Schülergruppen
Es herrschte ein reges Kommen und Gehen bei der Ausbildungs- und Studienbörse „Karriere im MK“. Wohl denen, die sich zu Fuß auf den Weg gemacht hatten. Irgendwann war nämlich mit Autos kein Durchkommen mehr. (Foto: A. Schneider)

Geschicklichkeitsspiele und Azubiprojekte

Dabei hatten sich die Betriebe so einiges einfallen lassen, um neben Informationen und guten Gesprächen zu punkten. Geschicklichkeitsspiele warteten auf die Bewerberinnen und Bewerber. Oder bemerkenswerte Azubiprojekte. So konnten sich die Schüler an einem Tischkicker versuchen, den Auszubildende nicht nur selbst gebaut, sondern mit vielen elektronischen Finessen ausgestattet hatten. Ein Autohaus ging völlig neue Wege und verteilte Flipflops unter dem jungen Messepublikum. Schlecht fürs Autofahren, aber wunderbar luftig für den Besuch in den von der Sonne aufgeheizten Zelten des Campus-Symposiums, wo „Karriere im MK“ auch diesmal wieder ein Zuhause gefunden hatte. Die Gartenbauer schossen mit einer Postkartensammlung mit Sprüchen wie „Folge deinen Trieben!“ oder „Meister im Angraben!“ den Vogel ab. Klar: „Der Gärtner war‘s“.

Viel Liebe und Leidenschaft hatten die Aussteller in ihre Stände gesteckt. War bei dem jungen Publikum sehr gut ankam. Und doch war die Stimmung nicht überbordend. Mit gerade einmal 3.000 angemeldeten Schülerinnen und Schülern blieb die Besucherzahl unter den Erwartungen. Keine Frage: Auch diese Resonanz ist immer noch hervorragend, aber es ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Georg Christophery vom Organisationsteam der Ausbildungs- und Studienbörse weiß, dass das Interesse der Schulen nach wie vor sehr groß ist. Aber in diesem Jahr habe man mit Terminkollisionen zu kämpfen gehabt. „Eine große Schule konnte gar nicht teilnehmen“, teilte er den Bürgermeistern der beteiligten Städte und dem Landrat mit. Der Grund? Klassenfahrt. Praktikumswochen in anderen Schulen hätten dazu geführt, dass auch dort die Anmeldezahlen rückläufig waren. Sein Plädoyer: „Wir müssen uns und die Schulen noch besser vorbereiten.“

Mit dem Smartphone ist alles leichter

Nicht nur die Berufe, auch die Schülerinnen und Schüler haben sich verändert. Damals, vor elf Jahren, als die erste Ausbildungsbörse startete, war das Leben offenbar noch nicht so digital. Mittlerweile beobachten einige Aussteller, dass es den jungen Bewerberinnen und Bewerbern zwar immer leichter fällt, sich mit dem Smartphone auszudrücken, dass viele aber eine größere Scheu entwickelt haben, direkt auf die Menschen an den Ständen zuzugehen. „Vielleicht können wir auch solche Trends bei künftigen Messen berücksichtigen“, sagte Georg Christophery.

Elf Hochschulen und Fachhochschulen – mit solch einem akademisch Angebot war im Vorfeld der Veranstaltung nicht jeder einverstanden. Thomas Haude relativiert. Das Hochschulangebot sei auch und gerade in unserer Region ein wichtiger Faktor. Doch noch viel interessanter sei, dass Schüler, für die immer nur ein Studium in Frage gekommen sei, bei der Messe erleben, wie bunt und vielfältig die Ausbildungswelt im Märkischen Kreis sein könne. Er weiß, dass sich schon der eine oder die andere plötzlich für eine Ausbildung entschieden habe. Ein Studium sei schließlich auch danach noch möglich.