„Manchmal habe ich mitgeweint“

Als Sprachmittlerin ist die Iserlohnerin Maha Issa Helferin in der Not

Märkischer Kreis. (pmk) Maha Issa ist Sprachmittlerin, die Flüchtlingen und Migranten die Integration in den Märkischen Kreis erleichtert. Was die 36-jährige Ägypterin bei ihren Einsätzen für die Arbeiterwohlfahrt so alles erlebt, erzählt sie gerne.

„Nur“ Hausfrau und Mutter sein, das ist nicht ihr Ding. Sie liebt ihren Mann, einen Kinderarzt, und ihre zwölf und zehn Jahre alten Kinder sehr – versorgt sie auch nach Kräften. „Aber ich muss auch arbeiten. Das habe ich in meiner Heimat schon gemacht“, sagt Maha Issa. Ihre Heimat, das ist Ägypten. Vor fünf Jahren kam die 36-Jährige mit Ehemann und den beiden Söhnen nach Deutschland. Ihr Mann hatte eine Anstellung gefunden. Maha Issa hat in Ägypten Tiermedizin studiert.

Einen Job hat die Iserlohnerin nicht gefunden. Ihr Abitur wurde zwar anerkannt, ihr Studienabschluss dagegen nicht. Sie hätte eine neue Prüfung ablegen müssen. Maha Issa: „In 14 verschiedenen Fächern, das wäre sehr anspruchsvoll gewesen.“ Also beschränkte sich die 36-jährige zweifache Mutter zunächst darauf, besser Deutsch zu lernen und sich ehrenamtlich zu engagieren.

Elterngespräche und Arztbesuche

Weil sie die Sprache schnell lernte, wurde sie von Freunden und Bekannten als Übersetzerin zu deren offiziellen Terminen mitgenommen. So wurden auch die Arbeiterwohlfahrt und das Kommunale Integrationszentrum des Märkischen Kreises auf Maha Issa aufmerksam und boten ihr an, als Sprachmittlerin tätig zu werden. „Das hat mir sehr gut gefallen – und bezahlt wird das auch noch“, erzählt die Neu-Iserlohnerin. Arbeiterwohlfahrt und Kommunales Integrationszentrum bereiteten sie auf ihre Einsätze vor. Immer, wenn ihre Arabischkenntnisse benötigt werden, wird Maha Issa gerufen. Seit 2016 ist sie als Sprachmittlerin im Bereich Migration/Integration der Arbeiterwohlfahrt Hagen-Märkischer Kreis tätig.

Die Sozialarbeiterinnen Miriam Remmert und Kim Röttler von der Awo setzen auf die Hilfe der 36-Jährigen. „Wir beraten, sie übersetzt. Meha ist bei vielen Gesprächen dabei.“ Sie ist eine von vier Sprachmittlern, die regelmäßig von der Awo geordert werden. „Viele kamen durch Freunde zu uns“, sagt Miriam Remmert. So vielfältig wie die Probleme der Flüchtlinge und Migranten, so vielseitig sind auch die Einsätze der Übersetzer. Ob bei Elterngesprächen in Kindertagesstätte oder Schule, bei Behördengängen, Arztbesuchen, Terminen im Jobcenter, der Arbeitsagentur oder bei Rechtsanwälten – wenn Maha Issa dabei ist, fällt die Unterhaltung leichter und ihre Klienten verstehen, was von ihnen gefordert wird.

Neuer Berufswunsch: Sozialarbeit

Ihre Aufgabe macht ihr inzwischen so viel Freude, dass sie jetzt ein neues Ziel verfolgt: „Ich möchte Sozialarbeiterin werden.“

Voraussetzung ist, dass sie ihre Sprachkenntnisse noch weiter verbessert, ein erforderliches Sprachzertifikat erwirbt und dann an der Uni Dortmund Sozialarbeit studiert. „Das Studium dauert drei Jahre“, weiß die Ägypterin. Zeit, die sie gerne investiert, um sich ihren neuen Berufswunsch zu erfüllen.

Dass es ein schwerer Beruf ist, ja eher eine Berufung, weiß die zweifache Mutter. „Ich musste erst lernen, die Probleme meiner Kunden nicht an mich heran zu lassen. Das hat gedauert. Ich habe manchmal mitgeweint, als ich vom Schicksal einiger erfahren habe.“ Maha Issa hat dazugelernt: „Eine gewisse Distanz muss sein, sonst hält man das nicht aus.“
Grenzen ziehen und setzen, das ist auch für Miriam Remmert und Kim Röttler ganz wichtig. „Wir arbeiten mit unseren Kunden, Meha übersetzt. Die Aufgaben sind klar verteilt.“

Männer stehen oft an erster Stelle

Zumeist sind es Frauen, um die sich die 30-jährige Hemeranerin und ihre 24 Jahre alte Kollegin aus Letmathe kümmern. „Wir wollen die Frauen stärken, sie aus ihrem familiären Umfeld nach draußen holen, ihnen Mut zu mehr Teilhabe machen“, erklärt Miriam Remmert. Denn zumeist seien es die Männer, die an erster Stelle stehen. „Beide gleichzeitig integrieren, fort- und weiterbilden, das geht nun einmal nicht, beispielsweise beim Besuch von Sprachkursen. Es muss sich ja auch jemand um die Kinder kümmern. Das sind dann die Frauen, weil der Mann schnell die Sprache lernen und Arbeit finden will und soll, um die Familie zu ernähren.“ Oft kommen erst die Männer nach Deutschland und holen ihre Familien später nach.

Ein Problem sei dann die Kinderbetreuung. „Es gibt immer noch zu wenige Kita-Plätze“, beklagt Miriam Remmert. Von einem Recht auf Kinderbetreuung haben viele Flüchtlingsfamilien noch nie etwas gehört. Hier schließt sich der Kreis wieder zu Maha Issa. Sie kann es ihnen in ihrer Heimatsprache sagen.

Für die Sprachmittler sind beim Märkischen Kreis Manuela Behle, Tel. 02351 / 966-6534, m.behle@maerkischer-kreis.de, sowie Dagmar Schulz, Tel. 02351 / 966-6856, d.schulz@maerkischer-kreis.de, vom Fachdienst Bildung und Integration zuständig. Alle weiteren Informationen stehen auf der Internet-Seite www.maerkischer-kreis.de zur Verfügung.