Martin Wessel hütet IBSV-Fahnen-Schätze

[1/2] Bunt und vielfältig: Der Hofstaat ist stolz auf die seine eigenen Banner. (Foto: Claudia Eckhoff) [2/2] Wo die IBSV-Fahnen sind

[1/2] Bunt und vielfältig: Der Hofstaat ist stolz auf die seine eigenen Banner. (Foto: Claudia Eckhoff) [2/2] Wo die IBSV-Fahnen sind, ist Martin Wessel nie weit. Er ist als Bataillonsfahnenwart verantwortlich für den Fahnenkeller und alle seine textilen

Iserlohn. (clau) „Wo die Fahnen sind, bin ich nicht weit“, lacht Martin Wessel. Der 51-Jährige trägt als Bataillonsfahnenwart die Verantwortung für die kostbarsten Stoffe, die der Iserlohner Bürger-Schützen-Verein besitzt. Sie lagern „artgerecht“ im Keller unter dem Parktheater und brauchen mehr Zuwendung, als man denkt.

Prima Klima
Von den zwanzig Fahnen nutzt der IBSV sechzehn regelmäßig. Aber auch historische Fahnen aus den Zeiten der alten Schützengilde und des SV Westend werden aufbewahrt. Die gut versicherten textilen Kunstwerke hängen ohne Falten glatt von einer Holzkonstruktion. Die Stadt Iserlohn sorgt mithilfe einer Klimaanlage für konstante 16 Grad Raumtemperatur.
Das kostet
Schwere Stoffe, feinstes Gewebe, reine Handarbeit – Martin Wessel weiß, wie viel man für so etwas hinlegen muss: „Schon allein die kleine Jugendzug-Fahne kostet 1800 Euro. Die großen Fahnen der Kompanien sind fast so viel wert wie ein gutes Auto. Rund 15.000 Euro werden da fällig. Allein eine Restaurierung kann ein kleines Vermögen kosten.“
Ehren und Erinnerungen
„Oldie“ im Keller ist die 200-jährige Ari-Standarte. Fast alle anderen alten IBSV-Fahnen sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen.
„Aber wir haben noch drei der ganz einfachen grün-weißen Fahnen, mit denen es nach dem Krieg wieder los ging“, so Martin Wessel. „Hier hängen die Königsstandarte, die im Festzug der Herold trägt, die Hofstaatfahnen mit ihren aktuell drei Bannern, die Fahnen aller Kompanien und die Bataillonsfahne, die zum 300-jährigen Vereinsjubiläum die Privatbrauerei Iserlohn gestiftet hat.“
An fast jeder Fahne baumeln zusätzliche Banner, auf denen sich der jeweilige Spender verewigt hat. Alle Fahnenstangen enden in dekorativen, goldenen Spitzen, die der 4. Kompanie jedoch mit einem Adler. Sieben Kilo und mehr wiegt eine Kompanie-Fahne. Bei Regenwetter schützt man sie mit Capes.
Bloß nicht nass werden
Martin Wessel war schon als Kind vom Schützenzug des IBSV fasziniert. Sobald er 1982 als Glüher im Drahtzug eigenes Geld verdiente, trat er selbst ein und zwar in die 4. Kompanie. „Weil ich groß und stark bin, wurde ich gleich Fahnenträger“, grinst er. „Später Fahnenwart der Kompanie und schließlich Bataillonsfahnenwart.“
An den verregneten Festzug des Jahres 1996 erinnert er sich noch zu gut. „Die regenschweren Fahnen konnten wir nicht mehr tragen. Wir haben sie auf den Seniorenwagen geworfen“, erinnert er sich. „Später habe ich unsere daheim im Schlafzimmer aufgespannt und zum Trocknen die Heizung hochgejagt.“
Fahnen im Einsatz
Um jede Kompanie-Fahne kümmert sich der jeweilige Fahnenoffizier.
Auf Besuche bei Gastvereinen muss der kostbare Stoff von Mai bis September etwa zwei Mal im Monat mit. Jedes Mal kommt Martin Wessel zum Fahnenkeller und kümmert sich um das ordnungsgemäße „Raus“ und „Rein“ und um den Zustand. Kleine Reparaturen erledigt er mit seiner Frau selbst.
Die tollsten Tage
Jetzt zum Schützenfest hat er alle Hände voll zu tun. Am Freitag, 30. Juni, mussten die Fahnen schon zur Totenehrung raus und wurden nach dem Zapfenstreich weggeschlossen. Am heutigen Samstag, 1. Juli, stehen sie beim Traditionsessen in der Parkhalle. Von dort geht es zum Schießstand, wo der Fahnenmarsch beginnt.
Um 20.30 Uhr fährt er dann mit seiner Frau die Fahnen in ihrem kleinen Auto zum Fahnenkeller. Erst danach gönnt auch er sich ein Bier. Am morgigen Sonntag, 2. Juli, müssen die Fahnen erst zum ökumenischen Gottesdienst in die Oberste Stadtkirche gebracht werden und anschließend zum Jungschützen-Königsschießen.
Am eigentlichen Schützenfestwochenende vom 7. bis 10. Juli hat Martin Wessel gar keine Ruhe. Erst wenn alle „seine“ Fahnen endlich heil zurück im Keller hängen, kann er wieder entspannt durchatmen.