MAV-Flüchtlingsprojekt: Hervorragende Bilanz

Iserlohn. (clau) Die Integration von Flüchtlingen in die
Gesellschaft kann nur durch eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingen. Der
Märkische Arbeitgeberverband (MAV) weiß, dass dieser Prozess langwierig und
schwierig werden wird. Deshalb wollte er dabei nicht „auf Berlin warten“,
sondern ist die Sache direkt vor Ort selbst in einem landesweit bisher
einzigartigen Projekt „Berufliche Qualifikation von Flüchtlingen mit ergänzender
Sprachförderung“ angegangen. Partner waren die Agentur für Arbeit Iserlohn, die
Euroschulen Märkischer Kreis, die Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne – und
eine ganze Reihe von Unternehmen aus der Region. Die Maßnahme begann im Mai und
endete nun im November.
Das Konzept
Ziel war es, 15 Flüchtlinge aus Iserlohn und Umgebung im Alter von 18 bis 25
Jahren mit Duldung beziehungsweise Bleiberecht zunächst für ein Praktikum in der
Metall- und Elektro-Industrie zu qualifizieren.
Die Arbeitsagentur wählte die Teilnehmer aus, die Euroschulen übernahmen den
berufsbezogenen Sprachkurs und die Integrationsbegleitung und die MAV-eigene
Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne sorgte in einem Grundkurs „Metall“ für
erste technische Einblicke. Der MAV wirkte als Bindeglied und verstand es,
heimische Unternehmen für das Projekt zu begeistern. Josef Schulte,
stellvertretender Geschäftsführer des MAV, hat das Konzept entwickelt.
Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des MAV, freut sich über die Reaktion der
Mitgliedsunternehmen: „Wir brauchten nur 15 Praktikumsplätze mit einer
Möglichkeit zur anschließenden Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis. Die
heimischen Unternehmen sind hier sehr offen: Unsere Anfrage hat 51 Plätze
ergeben.“
Die Bilanz
Die Bilanz kann sich sehen lassen und wird von allen Beteiligten als
hervorragender Erfolg gewertet. Über sechs Wochen zog sich der berufsbezogene
Sprachkurs in Vollzeit. Alle 15 Teilnehmer gingen in den Grundkurs
„Metalltechnik“ über. Von ihnen haben zwölf das Modul abgeschlossen. Drei
schieden aus: Sie wollen zunächst einen weiteren Sprachkurs belegen. Das
anschließende Praktikum in einem der Betriebe brach nur ein Teilnehmer ab. Elf
bekamen ein Übernahmeangebot. Zehn der jungen, geflüchteten Menschen haben
angenommen. Zwei starten in eine Ausbildung, sechs beginnen eine Maßnahme zur
Einstiegsqualifiziertung (EQ), einer nimmt Arbeit auf und einer schwankt noch
zwischen EQ-Maßnahme und Arbeit.
Die Zukunft
„Wir brauchen diese Menschen am Arbeitsmarkt“, sagt Horst-Werner Maier-Hunke.
„Und zwar nicht nur, um sie von der Straße weg zu haben, sondern schlicht und
einfach, damit über kurz oder lang nicht unser Rentensystem zusammenbricht.“

Sandra Pawlas, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit
Iserlohn, gibt zu bedenken: „Die meisten dieser jungen Männer sind allein hier,
ohne Familie, ohne Eltern. Sie müssen erst lernen, wie dieses Land funktioniert.
Wir haben hier eine große gesellschaftliche Aufgabe. Allein die Idee
‚Ausbildung‘ ist vielen unbekannt. Sie stehen unter dem Druck, möglichst schnell
Geld zu verdienen, um es nach Hause schicken zu können.“ Um besser helfen zu
können, hat die Agentur für Arbeit ein eigenes Team gegründet und einen
„Integration Point“ mit Berufsberatung eingerichtet. Über eine Hotline kann
jederzeit ein Dolmetscher zugeschaltet werden.
Es gibt also viel zu tun. Ein Folge-Projekt mit 20 Teilnehmern wäre denkbar
und möglich. Und: Das Iserlohner Pilotprojekt könnte Schule machen im Lande.