MHKW Iserlohn erprobt ein neues Verfahren

Iserlohn. Einige lserlohner werden es bereits bemerkt haben: Vom Müllheizkraftwerk, kurz MHKW, leuchtet das Logo der Abfallentsorgungsgesellschaft des Märkischen Kreises (AMK). Gebäude werden gestrichen und die Zaunanlage wird saniert. Zudem ist die AMK dabei, das gesamte Gelände an der Giesestraße stärker zu begrünen.

Aber auch im lnneren der Anlage soll etwas geschehen. ln seiner jüngsten Sitzung hat der Aufsichtsrat der AMK grünes Licht für ein Forschungsprojekt zur Reduzierung von Emissionen gegeben.

,,Dank moderner Technik und qualifiziertem Personal liegt das Müllheizkraftwerk lserlohn bereits heute weit unter den gesetzlichen Emissions-Grenzwerten. Bei Stickoxiden eneichen wir nicht einmal die Hälfte des gesetzlich zulässigen Werts, bei Feinstaub sogar nur rund ein Prozent“, sagt AMK-Geschäftsführer Dr. Kristian Kassebohm. ,,Neueste Erkenntnisse legen nahe, dass diese Werte noch weiter reduziert werden können.“

Um diese Möglichkeiten zu prüfen, wird unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr.-lng. Peter Quicker, RWTH Aachen, und unter Begleitung durch ein Team der TÜV Süd Industrie Service GmbH, München, sowie der Ingenieure für Umwelt- und Entsorgungstechnik der Riemann-Sonnenschein und Partner GmbH, Herne, zwischen Ende April und Juni dieses Jahres im Müllheizkraftwerk lserlohn ein vielversprechendes, neues Verfahren erprobt, das Vorbildfunktion auch für andere Müllverbrennungsanlagen haben könnte.

In Müllverbrennungsanlagen sorgt die permanente Einhaltung einer bestimmten Mindesttemperatur im Müllkessel dafür, dass Schadstoffmoleküle gespalten und damit unschädlich gemacht werden. Ein Problem ist dabei aber, dass die entstehenden Gase nach Verlassen der unmittelbaren Verbrennungszone abkühlen und sich im weiteren Verlauf wieder verschiedene Schadstoffe neu bilden können – bevor sie zur endgültigen Unschädlichmachung den großen Rauchgasreinigungsanlagen zugeführt werden.

Kann reines Wasser Schadstoffe unterbinden?

Untersucht wird nun in einem speziellen Verfahren, ob durch die Eindüsung von reinem Wasser direkt über dem brennenden Müll eine (Wieder-) Verbindung von Schadstoffmolekülen unterbunden werden kann. Die Fachleute sind überzeugt, dass dies nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch gelingen müsste und warten gespannt auf die ersten Versuchsergebnisse, die voraussichtlich im Herbst vorliegen.

Ausgewertet werden die Daten von über 9.000 Messpunkten, die im MHKW permanent Emissionen messen und die Rauchgasreinigung digital steuern.

Ein wachsames Auge auf das Pilotprojekt haben nicht zuletzt der Märkische Kreis und die Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde, deren Fachabteilungen von Anfang an eingebunden sind.