Mieses Radfahr-Klima in Iserlohn

Iserlohn. Jetzt gab es Zeugnisse – auch für deutsche Kommunen, deren Fahrradfreundlichkeit beim ADFC-Fahrradklima-Test von 79.000 Radfahrerinnen und Radfahrer beurteilt wurde. In der Bundeshauptstadt Berlin zeichneten ADFC und Bundesverkehrsministerium die Städte Münster, Erlangen und Bocholt in ihrer jeweiligen Größenkategorie als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands aus. Radfahrer in den beiden größten märkischen Städten Iserlohn und Lüdenscheid können von solchen Bedingungen nur träumen: Mit einer Gesamtbeurteilung von „ausreichend“ (Iserlohn: 4,1) und „mangelhaft plus“ (Lüdenscheid: 4,56) landen die Städte abgeschlagen auf Platz 208 und Platz 250 von 252 ausgewerteten Städten ihrer Größenkategorie. Werner Kroll und Martin Isbruch vom ADFC Iserlohn und Märkischer Kreis wundert die schlechte Bewertung wenig, sie sehen jedoch aktuell echte Perspektiven für einen „Klimawandel“ in beiden Städten.

Wo bleibt die Radverkehrsförderung?

In ganz NRW falle auf, dass Mitgliedsstätte der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte) meist deutlich besser abschneiden als Nichtmitgliede,r erläutert Martin Isbruch, auch Mitglied des NRW-Landesvorstands. In der ebenfalls ausgelobten „Aufsteigerwertung“ finden sich gerade diejenigen Städte mit einer konsequenten Radverkehrsförderung an der Spitze. „Das hat Lüdenscheid leider jahrzehntelang verschlafen“, so Werner Kroll, 2. Vorsitzender des Kreisverbandes.

Iserlohn hingegen habe sich nach einer ersten Hochphase der Radverkehrsförderung in den 90er Jahren zu sehr zurück gelehnt, befinde sich aber aktuell in der Erarbeitung eines neuen Radverkehrskonzeptes. „Einzelne Leuchtturmprojekte wie der Bahntrassenradweg oder die avisierte Lenneroute genügen nicht für ein gutes Fahrradklima“, begründet Kroll, warum Iserlohn trotz langjähriger AGFS-Mitgliedschaft eine solch wenig schmeichelhafte Bewertung durch die Radfahrer erhält. In nahezu allen der 27 Fragen erzielt Iserlohn nur ein „ausreichend“ und liegt damit meist deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und bei weitem hinter der Siegerstadt Bocholt.

Im Vergleich mit dem Bundesmittel fallen jedoch einige Aspekte besonders auf: Während Iserlohn in Bezug auf Fahrraddiebstähle besser abschneidet, scheint besonders die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und das zügige Fahren ohne große Umwege im Argen zu liegen. Werner Kroll: „Das bestätigt unsere Auffassung, dass die Stadtteile dringend besser miteinander verbunden werden müssen. Neben einer Attraktivierung der Baarstraße betrifft dies insbesondere die Anbindung von Drüpplingsen sowie die Verbindung von Iserlohn nach Letmathe.“

Winterdienst ist nur „mangelhaft“

Besonders schlecht schneidet Iserlohn bei Maßnahmen der Stadtverwaltung und -betriebe ab: Der Winterdienst und die Überwachung von Falschparkern auf Radwegen und Radfahrstreifen sowie die Abstimmung der Ampelschaltungen werden sogar mit „mangelhaft“ bewertet.

„Um so wichtiger, dass jetzt Bewegung kommt in die Ausgestaltung des neuen Radverkehrskonzeptes – Ziel muss sein, im nächsten Fahrradklima-Test ein Doppel-Plus in der Aufsteigerwertung zu erhalten“ fordert Kroll und stellt eine aktive Beteiligung des örtlichen ADFC in Aussicht. Als erste konkrete Maßnahme schlägt Martin Isbruch die kostengünstige Aufhebung der rechtswidrig verhängten Radwegenutzungspflichten an einigen Stellen im Stadtgebiet vor: „Im Gegensatz zu vielen anderen NRW-Städten hat es die Stadt Iserlohn auch über zwei Jahre nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes noch nicht geschafft, die Benutzungspflichten zu überprüfen und einzustampfen. Der zuständige Mitarbeiter in der Verkehrsverwaltung verschleppt unsere Anfrage dazu bereits seit vielen Monaten.“