Mit dem Bus zum Bodensee

Iserlohn. (th) Kann Nahverkehr zu Fernverkehr werden? Diese Frage stellte sich Daniel Endrowait schon seit vielen Jahren, nun hat er sie gemeinsam mit seiner Freundin Daniela Seifert auf eindrucksvolle Art und Weise beantwortet: Mit einer Reise von Iserlohn bis zum Bodensee, ausschließlich mit Linienbussen des öffentlichen Personennahverkehrs. Um es vorwegzunehmen: Die kurze Antwort lautet Ja! Die ausführliche Antwort ist eine spannende und spektakuläre Geschichte…

Von der Haltestelle „Dannenhöfer“ in Iserlohn machten sich Daniela Seifert und Daniel Endrowait auf den Weg zum Bodensee (Foto: Daniel Endrowait)
Von der Haltestelle „Dannenhöfer“ in Iserlohn machten sich Daniela Seifert und Daniel Endrowait auf den Weg zum Bodensee (Foto: Daniel Endrowait)

Die Reise begann am Morgen des Montags, 6. Juli 2015, an der Bushaltestelle Dannenhöfer“ in Iserlohn, unweit der Haustür von Daniela und Daniel. Nur mit Rucksack und Roller machten sich die beiden Lehrer auf den etwa 600 Kilometer langen Weg zum Bodensee. Dem eigentlichen Start war allerdings schon eine akribische Planung vorausgegangen, die komplette Route mit allen dazugehörigen Buslinien war bereits berechnet. Und dabei ergaben sich auch schon die ersten Schwierigkeiten und gleichzeitig eine der lustigsten Begebenheiten der gesamten Aktion. Denn von einem in den anderen Verkehrsbetrieb zu kommen stellte sich als äußerst kompliziert heraus.

Schon aus den Grenzen der heimischen MVG (Märkische Verkehrsgesellschaft) herauszukommen gestaltete sich als schwierig, da für die Verbindungsstrecke zur nächsten Verkehrsgesellschaft scheinbar keine Fahrkarten gelöst werden konnten. Auch das Team des Service-Centers der MVG in Iserlohn konnte zunächst nicht weiterhelfen und sprach dem gesamten Vorhaben sämtliche Erfolgsaussichten ab. Das geht nicht“ lautete das knappe und harte Urteil eines Mitarbeiters. Es ging schließlich doch, ironischerweise durften die Reisenden die entsprechende Teilstrecke sogar kostenlos fahren.

Acht Tage, 60 Busse

Insgesamt dauerte die Reise acht Tage, alle vorher festgelegten Etappenzielen wurden planmäßig erreicht. Erndtebrück-Zinse“, Gießen Großen-Linden“, Frankfurt Rebstockbad“, Heidelberg Römerstraße“, Heilbronn Neckargartach“, Esslingen Schwimmbad“, Thiergarten Hammer“ und schließlich Friedrichshafen“ am Bodensee hießen die persönlichen Endstationen. Dazwischen lagen unzählige weitere Haltestellen und verschiedene 60 Busse, Fahrtkosten pro Person: 116,95 Euro.

Dabei erlebten Daniela und Daniel so manche Kuriosität. Drei Mal ging es mit dem Bus über die Autobahn, auf einem Teilstück setzte die Verkehrsgesellschaft ein Taxi als Linienbus ein, das nur auf Anfrage – am besten sieben Tage (!) im Voraus – fuhr. Einmal fuhr der eingeplante Bus gar nicht und so mussten die Beiden mit dem Roller gut 10 Kilometer weiterfahren.

Bummelnde Busfahrer

Die Busfahrer waren eigentlich allesamt sehr freundliche Zeitgenossen, auch wenn manche sichtlich unter Stress standen. Andere hingegen blieben gelassen und nahmen es mit der Zeit nicht ganz so genau, wie ein Fahrer gleich doppelt bewies. Zunächst erschien er ganze zwölf Minuten vor Fahrtantritt und markierte damit eine Bestmarke. Dann jedoch quatschte er entspannt mit seinen Kollegen bis sechs Minuten nach Fahrtbeginn, eine weitere rekordverdächtige Leistung. Dadurch hätten Daniela und Daniel eigentlich ihren Anschlussbus verpasst, der nur im Rhythmus von zwei Stunden fuhr, doch dessen Fahrer hatte glücklicherweise ebenfalls die Ruhe weg.

Regionale Unterschiede gab es vor allem bei der Kontrolle der Fahrkarten, beziehungsweise deren Häufigkeit. Während die Busfahrer im Umkreis von Iserlohn und in Richtung Bodensee vermehrt kontrollierten, musste in ganz Hessen so gut wie nie ein Ticket vorgezeigt werden. Während einer Busfahrt gerieten die beiden Reisenden in eine Umfrage des Verkehrsverbundes. Die Abschlussfrage: Zu welchem Zweck seid Ihr denn mit diesem Bus unterwegs?“ Experiment erfolgreich In den Sommerferien im letzten Jahr war das Lehrerpaar übrigens mit dem Fahrrad zur Nordsee geradelt. Das war körperlich zwar anstrengender, die Busreise war aufgrund der Planung, des Zeitdrucks und der Abhängigkeit dafür mental eine größere Herausforderung. Ein zweites Mal werden die Beiden wahrscheinlich auch nicht diese Art der Fortbewegung wählen, alleine schon weil nicht immer die Möglichkeit besteht, einfach mal an einem Ort zu bleiben, der gerade gefällt.

Endlich angekommen! Nach acht Tagen und 60 Bussen erreichte das Lehrerpaar aus Iserlohn den Bodensee (Foto: Daniel Endrowait)
Endlich angekommen! Nach acht Tagen und 60 Bussen erreichte das Lehrerpaar aus Iserlohn den Bodensee (Foto: Daniel Endrowait)

Mission erfolgreich

Am Montag, 13. Juli, war das Experiment dann – erfolgreich – beendet. Der Rückweg mit der Bahn war allerdings nicht besonders angenehm. Ein Tag mit der Bahn war anstrengender als acht Tage mit dem Bus“, fasst Daniel Endrowait die letzte Etappe der Reise zusammen. Bei der Ankunft stellten die Heimkehrer dann verwundert fest, dass das Schild der Haltestelle, an der ihre Reise begonnen hatte, verschwunden war. Warum und wohin es verschwand, wann es wieder auftaucht, und ob auch alle anderen Haltestellenschilder entlang ihres Weges betroffen sind, ist bislang noch unklar…