Mit Realschul-Abschluss in den Hörsaal

Iserlohn. (Red.) Eigentlich hat Lars Schmidt mit seinen 30 Jahren schon viel erreicht: ein eigenes Haus, eine Familie mit zwei Kindern und Hund Sam und einen interessanten Job. Eigentlich, denn Lars Schmidt möchte Ingenieur, konkret Ingenieur im Bereich Kunststofftechnik werden. Deshalb studiert er parallel zu seiner Berufstätigkeit noch Kunststofftechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn. Bis vor einem Jahr wäre dies nicht so ohne weiteres möglich gewesen, denn ein Abitur oder einen Fachhochschulabschluss besitzt er nicht. Diese Abschlüsse braucht er für das Studium auch nicht mehr, denn seit neuestem ist es auch Berufsqualifizierten möglich, ein Studium aufzunehmen.

Für Hund Sam hat Lars Schmidt nicht mehr ganz so viel Zeit. (Foto: privat)

Lars Schmidt ist ein Beispiel dafür, dass es auch ohne Abitur geht. Er hat nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff/ Kautschuk absolviert. 2008 kommt der Meisterabschluss hinzu. Bereits damals überlegt er zu studieren, denn auch ein Meisterabschluss berechtigt zum Studium. Aber, die Studienplätze für Meister und Techniker sind begrenzt. Für Lars Schmidt reicht es nicht zum Studienplatz. 2010 noch einmal ein Versuch. Diesmal mit Erfolg. Mit abgeschlossener Berufsausbildung, mehrjähriger Berufstätigkeit und Meisterabschluss kann er, dank neuer Richtlinien, direkt ins Studium der Kunststofftechnik starten. Er entscheidet sich für das berufs- und ausbildungsbegleitende Verbundstudium.

Leidenschaft für Kunststoff

Was Lars Schmidt antreibt? „Ich habe eine Leidenschaft für Kunststoff. Für mich ist der Werkstoff einfach faszinierend und mit dem Studium erfahre ich mehr darüber.“ Wichtig ist ihm auch die allgemeine „Horizonterweiterung“, die ein Studium mit sich bringt. Und: „Führungsarbeit macht mir Spaß. Für später wünsche ich mit eine Tätigkeit in leitender Funktion in einem Kunststoffbetrieb“.

Das Verbundstudium passt zu seinen persönlichen Lebensumständen. „Ein Vollzeitstudium wäre nicht machbar gewesen, da ich Familie habe und auf ein Einkommen angewiesen bin“. Als Schichtleiter ist für Lars Schmidt aber auch das Verbundstudium nicht leicht zu handhaben. Schließlich werden auch an Samstagen, den Hochschultagen, Schichten gefahren. Lars Schmidt hat Glück: Sein Stellvertreter übernimmt dann seine Schichten. Die Tage, an denen er frei hat, nutzt er, um den Studienstoff aufzuarbeiten. „Das klappt besser als wenn ich mich jeden Tag nach der Arbeit an die Bücher setzen müsste.“ Im Studium engagiert sich Lars Schmidt auch als studentischer Vertreter im Fachausschuss. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wie das alles zu schaffen ist. Wieder fällt das Stichwort „Leidenschaft“. „Klar ist es nicht immer einfach, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen, aber ich mache es gerne, weil mich das Thema interessiert und mir im Studium die Kunststoffwelt erklärt wird. Für mich ist das Studium eine Art Hobby. Dazu kommt, dass das Studium in Iserlohn sehr persönlich ist. Wir arbeiten in Kleingruppen und können auch unsere individuellen Fragen einbringen“.

Studium über Berufsqualifizierung

Für Lars Schmidt ist die neue Regelung, auch ohne Abitur zu studieren, optimal: „Ich finde es gut, dass die Studieneingangsvoraussetzungen gelockert wurden. Davon profitieren Leute wie ich, die sich erst später für ein Studium entscheiden“. Dass es auch Schwierigkeiten gibt, verhehlt er nicht: „Aufgrund meiner schulischen Qualifikation fehlen mir manche Kenntnisse in der Mathematik. Da haben es Leute mit Abitur schon leichter. „Aber mit Fleiß kann man es nachholen“, ist seine Devise. Und wer Lars Schmidt kennenlernt, glaubt es ihm sofort.

Das Studium ohne Abitur wird immer beliebter: Zum neuen Wintersemester haben 209 Studierende der Fachhochschule Südwestfalen den Einstieg ins Studium über die Berufsqualifizierung gewählt.