Mühlentor-Abriss entsetzt die Iserlohner

Iserlohn. (clau) In der Tat: Die Nässe im Gebäudeinnern war schon seit geraumer Zeit deutlich bis auf die Straße hinaus zu riechen. Draußen an der Regenrinne wucherte es schon lange mächtig und die Hauswand „grünte“ immer mehr.

„Das hätte man doch alles erhalten können“, schimpft Gerda Eisenberg. „Jetzt ist es zu spät. Auf den letzten Drücker ist da wohl nichts mehr zu machen. Aber muss man es denn erst soweit kommen lassen, dass Häuser dermaßen herunterkommen?“

Damit spricht die Seniorin vielen Waldstädtern aus der Seele.

Eine Passantin mittleren Alters erregt sich: „Zu meiner Jugendzeit war das hier die Szenemeile. Wir haben hier damals so viel erlebt! – Und jetzt reißen die alles einfach ab!“

Am Mühlentor im Herzen der Stadt wird seit Anfang dieser Woche gleich zwei Altstadthäusern der Gar ausgemacht. Wie Gerda Eisenberg sind viele Iserlohner entsetzt. (Foto: Claudia Eckhoff)
Am Mühlentor im Herzen der Stadt wird seit Anfang dieser Woche gleich zwei Altstadthäusern der Gar ausgemacht. Wie Gerda Eisenberg sind viele Iserlohner entsetzt. (Foto: Claudia Eckhoff)

Die Zukunft verbrettert?

Gerda Eisenberg kennt die ganze Ecke rund um den Schützenhof noch aus ihrer Kindheit. Ihr Onkel betrieb hier den Schlüsselladen. „Wie sieht das nur jetzt da drüben aus!“, staunt sie entsetzt und deutet auf das mächtige Eckgebäude am Südengraben, das vernagelt, verbrettert und abgestützt wohl auch einer ungewissen Zukunft entgegenblickt.

„Für mich war Iserlohn immer eine so schöne kleine Stadt“, klagt sie. „Ich habe mit meinem Mann 37 Jahre lang in Hannover gelebt. Als er in den Ruhestand ging, wollten wir zurückkehren in diese liebenswürdige, fußläufige Stadt mit ihren Gassen und ihrem Altstadtcharme. – Ganz ehrlich: Ich bereue, dass wir es gemacht haben.“

Im Jahr 2006 sind die Eisenbergs auf die Alexanderhöhe gezogen und fühlen sich dort ausgesprochen wohl. Direkt aus dem Gartentörchen geht es hinaus in den Stadtwald. „Das ist einfach herrlich“, sagt die Seniorin. „Aber wenn das nicht wäre, dann wären wir bestimmt inzwischen schon wieder weg.“

Enttäuscht ist sie, findet nicht mehr, was sie suchte. Was in ihrer Erinnerung den Charakter der Waldstadt ausmachte, es schwindet immer mehr.

Nach dem Abriss soll der Bereich „neu entwickelt“ werden. Die IGW, der das Haus Mühlentor 16 und auch das Gebäude am Kurt-Schumacher-Ring 25 gehört, plant hier langfristig Neues.

„Herrenlose Häuser“

Das Haus Mühlentor 14 ist ein sogenanntes „herrenloses“ Gebäude, d.h. der ehemalige Eigentümer hat seine Rechte darauf längst abgegeben, sprich auf den Besitz verzichtet. Mit dem Besitz ist er auch die Verpflichtungen und Kosten losgeworden, die damit einhergehen. Das Haus blieb sich selbst überlassen, wurde mehr und mehr marode. Jetzt ist es nicht mehr zu retten. Das „Weg damit!“ muss jetzt die öffentliche Hand bezahlen. So unsozial und stadtbildzerstörend läuft es zunehmend mit unliebsamen Immobilien in vielen Städten und Gemeinden.

„Ein Trauerspiel“, meint Gerda Eisenberg und geht fassungslos weiter.