Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist

Iserlohn. Ist jeder Salafist auch ein Terrorist? – Das war eine der Fragen, die Jugend­amtsleiter Kai Maibaum im Ratssaal an Hasret Cincik, Mitarbeiterin des Ministeriums für Inneres und Kommunales NRW, Abteilung Verfassungsschutz, richtete. 31 Pädagogen, Fachkräfte aus den Bereichen des städtischen Jugendamtes und der Beschäftigungsförderung (Bundesfreiwilligendienst), von Schulen und freien Trägern der Jugendhilfe waren der Einladung der Stadt Iserlohn zu der Informationsveranstaltung zum Thema „Extremistischer Salafismus“ gefolgt.

Orientiert am Glauben eines Vorfahren

Hasret Cincik erläuterte in ihrem Vortrag unter anderem: Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist. Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung des Islams, die sich an dem Glauben ihres Vorfahren, dem „Salaf“, orientieren. Diese Auslegung ist grundsätzlich nicht extremistisch. Der Extremismus nimmt Form an, wenn der gläubige Salafist Moslems, die die Demokratie akzeptieren, den Glauben abspricht. Die Missionierung der Ungläubigen ist eine Aufgabe, der sich der extremistische Salafist verpflichtet fühlt. Hinter harmlos wirkender Freundlichkeit steckt die Absicht, Menschen zu bekehren, vor allem junge Menschen auf die extreme salafistische Seite zu ziehen. Neben dem Verschenken von Koranbüchern werden auch im Internet Aufrufe gestartet, den Koran zu lesen, eine neue Orientierung im Leben zu finden, dem Leben einen Sinn zu geben. Propagandafilme, deren einfache Darstellung eines idyllischen Zeltlagers ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit in Syrien vermitteln sollen, sind Mittel zum Zweck. Mit der brutalen Gewalt, die für einen extremistischen Salafisten in seiner religiösen Auslegung legitim ist, werden die jungen, bekehrten Menschen erst vor Ort konfrontiert.

Im Laufe des Vortrages wurde auch die Frage erörtert, was zu tun ist, wie man reagieren sollte, wenn man den Verdacht hegt, dass junge Menschen Tendenzen zeigen, sich dem extremistischen Salafismus zuzuwenden? Hasret Cincik riet den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern, mit dem Verdacht nicht allein zu bleiben, sondern sich mit Kollegen auszutauschen. Die Kommunikation sei in solchen Fällen sehr wichtig. Eine Anlaufstelle für eine Unterstützung ist „Wegweiser“: Mehrere dieser vom Landes-Innenministerium finanzierten Beratungsstellen gibt es in NRW.

Weitere Veranstaltungen sollen folgen

Die Veranstaltung im Iserlohner Rathaus war der Auftakt zu einer Reihe von Informationsangeboten zum extremistischen Salafismus. Im Herbst des Jahres sowie im nächsten Frühjahr sollen weitere Veranstaltungen zur Vertiefung des Themas folgen.