Not macht öde und kulturfern

Erika Strübli leitet den Elterntreff Buchenwäldchen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Erika Strübli denkt am liebsten an den herrlichen Tag zurück, als zusammen mit ihr 30 Kinder und 16 Erwachsene den Dortmunder Zoo besuchen konnten. Mit dem Zug waren sie hingefahren. Ein richtiges Abenteuer war es gewesen. Und es hat alle richtig glücklich gemacht. – Doch solch einen Ausflug erleben die Kinder im Buchenwäldchen sonst leider nie

Bis 2006 stand die Diplom-Sozialarbeiterin und Familienberaterin in Diensten der Stadt Iserlohn. Jetzt aber leitet sie den „Eltern-Treff. Buchenwäldchen“ im Auftrag des Vereins ISI (Integrative Sozialarbeit Iserlohn).

Elterntreff Buchenwäldchen

„Was wir da machen, ist komplette Lebensberatung“, sagt die gebürtige Tschechin, die schon seit 1965 in Iserlohn lebt. „Da geht es um das Ausfüllen von Anträgen, um Schule, um Erziehung, Freizeit, Gesundheit , aber auch um Kultur, etwa darum, wie hier in Deutschland – aber auch anderswo in der Welt – Feste gefeiert werden.“

Immer montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr kommen Eltern und Kinder verschiedenster Nationalitäten im Pavillon an der Aloys-Rüberg-Straße 3a zusammen.

„Zwei Drittel der Menschen stammen aus anderen Kulturen. Die meisten haben einen türkischen Hintergrund, einige einen marokkanischen und ein paar stammen aus Russland“, schildert Erika Strübli das Gemisch der Gruppe.

Geld und Werte

Natürlich geht es in der Gruppenarbeit oft ums liebe Geld. Viele, die in den Treff kommen, müssen mit jedem Euro rechnen.

„Wir beratschlagen, was man wo und wie sparen kann. Wir geben Tipps, wo man etwas preiswert bekommt oder welche staatlichen Unterstützungen beantragt werden können“, sagt die 69-Jährige. „Die Menschen müssen aber auch lernen, mit wenig zufrieden sein zu können. Sie müssen ihre Kinder zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten erziehen, die nicht allein am äußeren Besitz hängen und sich nicht davon abhängig machen.“ Zumal besser gestellte Kinder oft jegliches Feingefühl vermissen lassen. „Ihr habt ja nichts“ oder „Wo kommt ihr denn her?“ heißt es da oft hämisch und verletzend.

Und die Kultur?

Spaß haben, staunen, sich begeistern: Oft genug gibt es kulturelle Glanzlichter ganz ohne Eintrittsgeld wie hier im Sommer bei „Luise heizt ein“ an der Luisenhütte in Balve. Dennoch können sich viele Eltern solch einen Ausflug nicht leisten? Armut lässt Kinder häufig das Beste verpassen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Aber viel schlimmer als die materielle Notlage sei etwas anderes, zieht die Sozialarbeiterin ihr Fazit aus jahrzehntelanger Erfahrung: „Das Geld reicht immer irgendwie für Essen, Trinken und Kleidung – aber nicht für die Kultur. Wer wenig Geld hat, nimmt nicht am gesellschaftlichen und kulturellen Leben seiner Stadt teil.“

In der Tat: Selbst im Sommer beim Kindertheater im Floriansdorf immer sonntags um 11 Uhr sieht man, obwohl gar kein Eintrittsgeld erhoben wird, meist nur solche Familien, die sich ein Eintrittsgeld wahrscheinlich leicht hätten leisten können. – Wo sind die anderen?

„Die Eltern aus unserem Treff im Buchenwäldchen zum Beispiel sind durchaus offen und interessiert. Sie würden gern kommen“, sagt Erika Strübli. „Aber es scheitert oft schon an den Kosten der Busfahrt. Zwei oder drei Kinder plus Mutter, hin und zurück – da kommt mehr zusammen, als man erübrigen kann. Sie sind alle sparsam und nehmen einen Rucksack mit Verpflegung mit, aber die Kinder jammern und quengeln doch, wenn sie vor Ort Eis oder Pommes erspähen “

Horizonte öffnen

Ziel der Gruppe im Buchenwäldchen ist es aber, genau hierfür das notwendige Geld zusammenzusparen oder sonstwie aufzutreiben. Mit Erfolg! Die Truppe war schon im Hemeraner Höhlenmuseum, im Iserlohner Stadtmuseum, im Hagener Freilichtmuseum und eben im Dortmunder Zoo.

„Wir wollen zeigen, was es alles gibt – also den Horizont über das Buchenwäldchen und den Alltag hinaus erweitern. Dazu müssen wir auch Schwellenangst abbauen und meist die Menschen nicht nur hinschicken, sondern regelrecht an die Hand nehmen“, berichtet die Leiterin des Treffs. „Solche Ausflüge sind immer ein Erfolg und für die meisten Teilnehmer ein echtes Aha-Erlebnis.“

Achtsam – nicht negativ

Wer so etwas regelmäßig erlebt, dem fällt später auch mehr ein, als nur auf der Straße abzuhängen, meint Erika Strübli. „Ich will kein negatives Bild zeichnen, aber ein achtsames. Und ich werde auch nicht müde werden, das notwendige Geld oder mögliche Freikarten hier und da zu erbetteln, um sie gezielt weitergeben zu können.“

Wer das genauso sieht und etwas übrig hat, darf gern spenden an:

ISI Integrative Sozialarbeit Iserlohn e.V.
Konto 176433600
Märkischen Bank (BLZ 45060009)
Stichwort: Elterntreff Buchenwäldchen