Nur mit Rucksack und Gitarre

Iserlohn. (th) Der junge Iserlohner Musiker Johannes Ebbertz ist in den vergangenen Monaten – nur mit Rucksack und Gitarre im Gepäck –  durch ganz Deutschland gereist. Unter dem Titel „kreuz & quer“ legte er als Straßenmusiker über 1000 km Luftlinie zurück und durchquerte acht Bundesländer. Auf dem Weg in neue Städte wusste er teilweise noch gar nicht, wo er die Nacht verbringen würde.

Im Gespräch mit Wochenkurier-Volontär Tim Haacke berichtet er von vielen guten und einigen schmerzhaften Erfahrungen und wie die Idee zu diesem Abenteuer entstand.

Wie kamst du auf die Idee, als Straßenmusiker durch Deutschland zu reisen?

Auf die Idee kam ich durch den großen Bruder eines guten Freundes, der sich 2014 nach Frankreich begab, um von dort aus als Straßenmusiker durch die Gegend zu touren. Klar war für mich auch, dass ich nach meinem FSJ (Freiwilliges soziales Jahr, Anm. d. Red) im Checkpoint Iserlohn mein Studium noch nicht beginnen wollte. Ich hatte noch ein paar andere Ideen, habe aber letzten Endes Gottes Berufung für mich als Straßenmusiker gespürt und mich dann dazu entschieden, diesen Weg einzuschlagen.

Wie hast du dich auf dieses Abenteuer vorbereitet?

In Bezug auf meine Ausrüstung war ich sehr gut vorbereitet. Mit meinem Freund und Mentor Julian Bahr habe ich die Outdoor-Abteilung von „Decathlon“ geplündert. Außerdem habe ich bestimmte Fragen für mich schon im Vorfeld geklärt: „Unter welchen Umstände breche ich die Tour ab?“, „Zu wem halte ich Kontakt?“ Aber auch: „Wie gehe ich während meiner Tour mit Alkohol um?“

Eine Route habe ich im Vorfeld jedoch nicht geplant. Manchmal bin ich sogar in eine Stadt gereist, ohne zu wissen, wo ich am Abend schlafen könnte. Ich wollte Gott als meinen Versorger und Hirten erleben. Jetzt kann ich bezeugen, wie großartig er sich um mich als sein Kind gekümmert hat.

Wie bist du denn mit dem Thema Alkohol umgegangen?

Ich habe gar keinen getrunken. Zum einen, weil mich Menschen mit ihrem Geld unterstützt haben, das ich dafür nicht ausgeben wollte, zum anderen um schlicht meine Selbstdisziplin zu wahren.

Was war dein schönstes Erlebnis auf der Reise?

Meine Reise war voller schöner Erlebnisse! Besonders geprägt haben mich die Erlebnisse mit den Obdachlosen in den einzelnen Städten. Ich konnte gute Gespräche mit ihnen führen und erleben, wie Menschen das Herz aufgeht, wenn man sich für sie Zeit nimmt und auf sie eingeht. Ich konnte in diesen Situationen wirklich erfahren, was es bedeutet, wie Jesus Mitgefühl zu haben und für den einzelnen stehen zu bleiben und sich um ihn zu kümmern. Die Reaktionen der Menschen waren für mich sehr bewegend.

Gab es auch negative Erlebnisse?

Ich kann von keiner schlechten Erfahrung berichten. Aber natürlich sind mir auch große Herausforderungen begegnet: Ich habe erfahren, wie sich richtiges Heimweh anfühlt – so stark, dass ich vier Tage lang nichts essen konnte. Das kannte ich vorher gar nicht. Aber ich denke, dadurch lernt man bestimmte Dinge und Menschen erst richtig schätzen und lieben. Diese Erfahrung hat mir auch gezeigt, dass mein Platz an der Seite meiner Familie und meiner Freundin ist.

Wie standen denn deine Familie, deine Freunde und deine Freundin zu deinem Abenteuer und wie war der Kontakt während dieser Zeit?

Als ich meinen Eltern von meinen Plänen berichtete fragte meine Mutter: „Wie lang wirst du denn weg sein?“ und mein Vater: „Wie bist du denn dann versichert?“ Beiden konnte ich eine zufriedenstellende Antwort geben und sie unterstützten mich bedingungslos, wofür ich sehr dankbar bin.

Meine Freundin war von Beginn an in die Vorbereitungen involviert und unterstützte mich ebenfalls großartig und liebevoll wo sie konnte. Auch wenn der Abschied allen natürlich maßlos schwer fiel und auch Schwierigkeiten in der Fernbeziehung nicht ausblieben.

Letztlich habe ich diese Erfahrung als stärkend empfunden und bin dankbar dafür, dass Gott mir die Möglichkeit gegeben hat, mich selbst, meine Freundin und unsere Beziehung besser kennen zu lernen.

Warst du ganz allein unterwegs?

Ja. Meine ständigen Begleiter waren lediglich meine Gitarre und mein Rucksack. Aber ich war selten wirklich alleine, da ich in jeder Stadt Menschen kennen gelernt habe, die mir liebevolle Gastgeber waren. Natürlich ist das etwas anderes, als von einem guten Freund stetig begleitet zu werden, aber für mich ist durch diese Erfahrung Gott nicht nur Gebetserfüller geblieben, sondern auch Gesprächspartner und Gegenüber geworden, was mein Glaubensleben jetzt noch unfassbar stark bereichert.

Im zweiten Teil lesen Sie, wie Johannes Ebbertz von Stadt zu Stadt gekommen ist, wie eine Verletzung der Konzertreise ein vorzeitiges Ende bereitete und wie es für ihn in Zukunft weitergeht.