Ohne Pin? Diebe fegten im Nu das Konto leer

Annette Schulte-Ortbeck wurde Opfer eines folgenschweren Taschen-Diebstahls. Wie die Täter an ihre Pin-Nummern kamen

Annette Schulte-Ortbeck wurde Opfer eines folgenschweren Taschen-Diebstahls. Wie die Täter an ihre Pin-Nummern kamen, ist auch Ehemann Bernd (r.), Polizeipressesprecher Marcel Dilling (2.v.l.) und Kriminalhauptkommissar Michael Schneider ein Rätsel. (Foto

Iserlohn. (clau) „Ich achte immer darauf, dass die Reißverschlüsse meiner Handtaschen zu sind und die Laschen nach vorne zeigen, wo ich sie sehen kann“, versichert die Iserlohner Unternehmerin Annette Schulte-Ortbeck. „Die Träger habe ich stets auf der Schulter. Im Gedränge klemme ich fest Arm und Ellenbogen darüber.“

Im Geschäft bedrängt
Und doch: Ausgerechnet Annette Schulte-Ortbeck ist Opfer eines üblen Handtaschendiebstahls geworden. An einem Tag im März besuchte sie zuerst den Friseur in der Iserlohner Innenstadt. Dort bezahlte sie um 14.09 Uhr mit ihrer EC-Karte. Es seien keine anderen Personen mit Salon gewesen, die ihre Pin-Nummer hätten ausspähen können, da ist sie sich sicher. Anschließend stöberte sie noch in einem Geschäft an der Wermingser Straße. „Da war es recht voll“, erinnert sie sich. „Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde ich von mehreren Personen unangenehm bedrängt.“ Draußen auf der Straße stellte sie fest, dass sie bestohlen worden war. Sofort bat sie telefonisch ihren Mann, die Konten zu sperren.
Im Nu abgezogen
Das hat Bernd Schulte-Ortbeck auch bis 14.35 Uhr erledigen können. Doch es war schon zu spät. Selbst die Kriminalpolizei kann es sich noch nicht erklären: Die Diebe haben innerhalb von Minuten nach dem Raub und Luftlinie nur wenige Hundert Meter entfernt insgesamt zweitausend Euro von den Konten des Iserlohner Ehepaares abgezogen. Sie verwendeten hierfür den einzigen Geldautomaten im Stadtgebiet, der nicht von einer Kamera überwacht wird, das Gerät im Eingangsbereich der Kauflandfiliale. Mit drei verschiedenen Geldkarten vollzogen sie in Blitzesschnelle insgesamt fünf Abhebungen.
Ein einmaliger Fall?
„Wie das möglich ist, ohne die Pin-Nummern zu kennen, wissen wir noch nicht“, räumt Polizeipressesprecher Marcel Dilling ein. Sowohl beim Landeskriminalamt als auch beim sogenannten „Cybercrime Kompetenzzentrum“ sei noch kein vergleichbarer Fall bekannt. Fakt sei aber, dass die Pin-Nummern tatsächlich unsichtbar im Magnetstreifen der Geldkarten hinterlegt sind.
Für Annette Schulte-Ortbeck war zusätzlich zum Geld-Verlust der Ärger riesengroß: Führerschein, Fahrzeugschein, Personalausweis, private Dinge und Fotos musste sie mit viel Zeit- und Kostenaufwand soweit überhaupt möglich neu beschaffen.
Nur die Sparkasse hat dem Ehepaar das gestohlene Geld zurückerstattet. Die anderen Geldhäuser verwiesen auf geltendes Recht: Der Bestohlene muss beweisen können, dass er die Pin-Nummer nicht mit der Karte zusammen aufbewahrt hat.
Tipps von der Kripo
Wie man sich gegen Taschendiebe schützt und was man im Falle eines Falles zu tun hat, darüber informierte die Polizei gerade an diversen Orten innerhalb der vierten landesweiten Aktionswoche „Augen auf, Tasche zu“.
Michael Schneider, Leiter des Kriminalkommissariats Kriminalprävention und Opferschutz, rät: „Nehmen Sie nichts mit, was Sie nicht wirklich brauchen. Bewahren Sie Geld, Dokumente und Karten an mehreren verschiedenen Stellen auf statt alles zusammenzustecken. Nutzen Sie in großen Menschenmengen lieber einen Brustbeutel oder Geldgürtel. Schließen Sie auf jeden Fall den Reißverschluss Ihrer Handtasche und nehmen Sie sie im Gedränge besser direkt vor den Körper und halten Sie sie mit beiden Armen fest.“
Zwar sinken zurzeit die Zahlen beim Handtaschendiebstahl im zweiten Jahr in Folge deutlich. Doch Michael Schneider hofft, dass noch mehr Diebstähle verhindert werden können, wenn die Bürger wachsam sind, Infos weitergeben, melden, was ihnen sonderbar oder verdächtig vorkommt und eben im Ernstfall lieber die Nummer 110 wählen.