Oratorienchor Letmathe „entdeckt“ Cherubini

Oratienchor Letmathe
Melanie Meyer, Joachm Wurth und Paul Breidenstein stellten das Jahreskonzert des Oratorienchors Letmathe vor. (Foto: Heiko Cordes)

Letmathe. Es ist eine doppelte neue Erfahrung für den Oratorienchor Letmathe, wenn er am 25. November in Mariae Himmelfahrt in Oestrich „Missa solemnis Nr 2“ in d-moll singen wird.
Zum einen, weil man auf Grund des Umbaus von St. Kilian in Letmathe in das benachbarte Oestrich ausweichen muss und zum anderen, weil man erstmals ein Werk von Luigi Cherubini zu Gehör bringt.

„Cherubini wurde 2006 ein bisschen wiederentdeckt, als ein Buch über ihn herauskam“, erläutert Leiter Paul Breidenstein, wie er auf den italienischen Komponisten kam. Für das traditionelle Jahreskonzert macht der Leiter meistens einen Vorschlag, was der Chor singen soll. „Dabei merkt man aber natürlich, was innerhalb des Chors gewünscht wird. Seien es italienische Werke oder wieder einmal etwas Deutsches, etwas Bekanntes oder etwas Unbekanntes“, so Breidenstein. Bereits wenige Tage nach dem Jahreskonzert wird mit der Probe für das kommende Jahr begonnen – so auch für das Konzert in gut vier Wochen.
„Eine Herausforderung für uns“ bezeichnet der Vorsitzende Joachim Wurth das Werk von Cherubini. Denn: Die Festmesse umfasst 2.500 Takte auf 221 Seiten. Trotzdem ist das Konzert auf rund 75 Minuten angesetzt. „Das ist eine angenehme Länge“, ordnet es Breidenstein ein.

Vergessener Meister

Der Komponist Luigi Cherubini ist heute nicht so präsent wie Mozart, Beethoven oder Haydn. Doch die beiden letztgenannten waren große Anhänger Cherubinis. Der Italiener sollte sogar die Nachfolge Haydns am Hofe des Fürsten Esterházy antreten und dessen persönlicher Kapellmeister werden. Dieses Engagement scheiterte allerdings an der finanziellen Situation des Fürsten. Stattdessen war Cherubinis Arbeit besonders in Paris gefragt, wo er 1822 Direktor des Konservatoriums wurde und bis zu seinem Lebensende 1842 blieb.

Insgesamt ist der Italiener zwar für seine Opern im Ausland gefeiert worden, in Frankreich war man vor allem aber an seiner Kirchenmusik interessiert. Trotz seines Erfolgs zu Lebzeiten verhallte der Ruhm im Laufe der Jahrhunderte zusehends ungehört. Erst 2006 schrieb Oliver Schwarz-Roosmann „Luigi Cherubini und seine Kirchenmusik“ und holte damit den Komponisten wieder ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit.

Seltene Aufführung

In den vergangenen 25 Jahren trauten sich nur drei weitere Chöre im näheren Umkreis an ein Werk des italienischen Meisters. Der Orationchor Letmathe wagt sich allerdings voller Vorfreude an Cherubini. Auch finanziell verlangt das Stück einiges von der Sängergemeinschaft. Gleich sechs Solisten sind nötig für den Auftritt. „Das ist eher ungewöhnlich, normalerweise kommt man mit vieren aus, aber Cherubini hat eine Stelle des Stücks so komponiert, dass sechs Solisten erforderlich sind. Das kann auch keiner aus dem Chor machen“, erklärt Breidenstein. Mit Susanna Risch (Sopran), Rena Kleifeld (Alt) und Michael Kurz (Tenor) haben die Letmather bereits in der Vergangenheit zusammen gearbeitet. Fedi Peters (Sopran), Matthew Overmeyer (Tenor) und Valentin Ruckebier (Bass) kommen drei neue Solisten. Instrumental unterstützt wird der Chor vom Orchester Hagen. Die Profis aus der Volmestadt werden ebenso wie der Chor von Breidenstein dirigiert. „Das muss ja auch so sein, Musik und Gesang müssen sich auf eine Person konzentrieren“, nennt der Leiter einen ganz wichtigen Grund.

Neuer Ort, neue Regeln

Da in Mariae Himmelfahrt, „nur“ 450 Plätze zur Verfügung stehen – und damit rund 100 weniger als in St. Kilian – lohnt es sich, schnell zu sein. Außerdem verzichten die Organisatoren in diesem Jahr darauf, Karten in verschiedenen Kategorien anzubieten. Alle Karten kosten 20 Euro. An den Vorverkaufsstellen kann man die nummerierten Plätze kaufen und sich je nach Verfügbarkeit sogar für „kleines“ Geld einen tollen Platz sichern.