Positiv verrückt: Milos Stankovic lebt Basketball in Iserlohn

Als Spieler war er akribischer Arbeiter mit großem Trainingsfleiß. Diese Einstellung vermittelt der Trainer Stankovic (re.) auch heute an seine Schützlinge. (Foto: D. Möller)

Iserlohn. (ma) „Wir wollen Spaß am Basketball vermitteln“ und „Ich gebe immer alles“. Das sind zwei Aussagen, die sich durch das ganze Gespräch mit Milos Stankovic ziehen. Der erst 29-jährige Serbe ist seit dem Sommer Jugendkoordinator und Trainer des U12-Regionalliga-Teams bei den Iserlohn Kangaroos. Außerdem unterstützt er Cheftrainer Dragan Torbica beim Training des Zweitliga-Teams.

Vorher war er bei den TSG Eagles Westerstede als Trainer der ersten Mannschaft beschäftigt. Dann kontaktierte Kangaroos-Geschäftsführer Michael Dahmen ihn. „Ich wusste schon viel über Iserlohn. Vor allem die Jugendarbeit hat mich interessiert“, sagt er. So kam er vor drei Monaten in die Waldstadt. Seitdem hat er auch schon einiges geschafft: In den Herbstferien fand mit 61 Teilnehmern und damit einem Teilnehmerrekord das 10. Iserlohner Basketballcamp statt. Auch eine Grundschulliga hat sich etabliert. Immer in den Halbzeitpausen der Zweitliga-Spiele spielen zwei nach NBA-Klubs benannte Grundschulteams über fünf Minuten gegeneinander. Das Motto: „Erlebnis statt Ergebnis“. Kein Wunder, spielen die Kinder doch auf die mit 3,05 Metern normal großen Körbe.

„Ich gebe immer alles für die Mannschaft“

Was sich anhört wie eine abgedroschene Phrase, glaubt man Stankovic tatsächlich. Zusätzlich zu den Abenden und Nachmittagen in der Halle wollen Trainingseinheiten und Spiele ja auch vor- und nachbereitet werden, auch für die Videoanalyse und das Zusammenschneiden und Präsentieren der Clips ist er zuständig. „Ich gucke mir drei bis vier Spiele pro Gegner an.“ Für jedes kann man ungefähr eine halbe Stunde rechnen, plus Zusammenschneiden. Aber für Stankovic ist das selbstverständlich: „Das braucht zwar viel Zeit, aber man muss es machen.“

Als er nach Deutschland kam, konnte er kein Deutsch

Ursprünglich kommt Stankovic aus Serbien, genauer aus Sabac, einer Stadt etwa 80 Kilometer östlich von Belgrad. Mit acht Jahren fing er in der Jugendabteilung des ansässigen Erstligisten OKK Sabac an, Basketball zu spielen. Als er mit siebzehn Jahren nach Deutschland wechselte, sprach er kein Wort Deutsch. Er verständigte sich auf Englisch und nahm Sprachkurse. Jetzt merkt man ihm zwar an, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist, aber man versteht ihn sehr gut, er formuliert präzise. „Wenn man zusammensitzt und spricht, kommt das von allein“, meint er.

Schon in Westerstede engagierte er sich stark im Jugendbereich. Was den Reiz daran ausmacht? „Die Kinder leben Basketball, sie wollen so viel lernen.“ Genügend Gelegenheit haben sie: Diese Saison kam bei der U12 eine Trainingseinheit hinzu, nun trainieren sie dreimal pro Woche. „Zweimal war mir zu wenig. In Serbien trainieren wir viel, viel öfter.“ Während hier in den Ferien alles zu sei, trainiere man in Serbien zweimal pro Tag. Vor allem Technik: Es kam vor, dass in einer ganzen Woche Training kein einziges Mal gespielt wurde. „Das war aus meiner Sicht auch nicht so optimal, aber durch so viel Training konnte man es kompensieren. Dafür spielten wir am Wochenende auch mal zwei Spiele: Eins Samstag, eins Sonntag.“

„Jedes Kind ist wichtig“

Mit der U12 nun trainiert er zumindest dreimal pro Woche, dazu kommt noch ein Individualtraining. Mithilfe eines Rahmentrainingsplans trainiert er in dieser Altersklasse vor allem die Koordination und Grundlagen wie Werfen, Passen, Fangen und Dribbeln. „Beim Fußball kannst du einfach schießen, aber für Basketball brauchst du Koordination“, meint er. Außerdem macht er sich nach jedem Training Notizen: Was war gut, was war nicht so gut, was sollte im nächsten Training nochmal geübt werden?

Auch Übungen, die bei den Spielern nicht so beliebt sind, müssen natürlich gemacht werden. Sollten sich tatsächlich einmal Spieler weigern, bei einer solchen Übung mitzumachen, würde er es wohl versuchen, durch Gespräche zu lösen. „Diese Übungen bringen sie natürlich auch weiter“, sagt er. „Ich versuche, meine Spieler so zu erziehen, dass sie Basketball leben, so wie ich.“ Sie sollen begreifen, dass auch nervige Übungen dazugehören.

Seit einigen Jahren ist Stankovic nun schon reiner Trainer. Aber er vermisst das Dasein als Spieler nicht: „Als ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr zweimal am Tag trainieren konnte, habe ich aufgehört.“ Denn: „Wenn ich etwas mache, dann mit 100 Prozent.“ Stattdessen will er nun durch all die neuen Aufgaben bei den Kangaroos „ganz viel lernen“. Diese Aussagen spiegeln den Eindruck, den man im Gespräch mit ihm bekommt, sehr gut wieder: Er ist engagiert, wirklich begeistert von seinem Sport und kommt dabei aber immer noch authentisch rüber. Auch und vor allem, als er sagt: „Ich liebe Basketball.“