Radweg statt Löwenzahn

Hemer. Was lange währt… – nun weichen die letzten Schienen auf der Bahntrasse zwischen Hemer und Menden. „Der etwa 5,8 Kilometer lange Radweg rückt immer näher“, freute sich Hemers Bürgermeister Michael Esken, schwang sich auf den Bagger am Bahnübergang Bräuckerstraße und hätte am liebsten gleich selbst das erste Schienenstück aus dem Gleisbett gerissen. Im letzen Moment wich er jedoch von seinem Plan ab: „Das überlassen wir lieber den Profis – es soll ja jetzt schnell gehen.“

Bis zu acht Wochen je nach Witterung

Die Experten kommen aus Baden-Württemberg und kennen die Strecke in Hemer nur zu gut, schließlich haben sie bereits den ersten Auftrag für die Schienenaufnahme des Teilstücks vom Busbahnhof bis zur Bräuckerstraße ergattert. „Für die nun anstehenden knapp sechs Kilometer werden wir sechs bis acht Wochen je nach Witterung benötigen“, schätzt der Firmenchef, der seine „Kolonne“ bereits auf die Schienen gebracht hat. Die schweren Stahlgleise müssen mit Schweißgeräten getrennt werden, ein Bagger verlädt das Material auf einen Lkw zum Abtransport, damit im Frühjahr mit dem Bau des Radweges begonnen werden kann.

„Auch wenn die Bahntrasse als solche gewidmet bleibt, wird der Bund die Kosten in Höhe von rund einer Million Euro für den Radwegebau tragen“, hat Esken gemeinsam mit Hemers politischen Vertretern und dem Landesbetrieb Straßen.NRW ausgehandelt. „Wieder einmal hat sich ein politischer Schulterschluss in Hemer als richtige, richtungweisende und vorbildliche Entscheidung bestätigt.“ Esken denkt dabei an den einstimmigen Ratsbeschluss. „Im Gegensatz zur Nachbarstadt Menden, in der eine politische Minderheit bis heute glaubt, uns erklären zu dürfen, wie wir mit unserem Grundstück umzugehen haben.“ Anstatt die Bahntrasse brach liegen zu lassen und „Gänseblümchen und Löwenzahn anzupflanzen, werden wir sie nutzbar für alle gestalten – auch für Mendenerinnen und Mendener“. Es sei utopisch zu glauben, dass auf der Trasse mittelfristig wieder Züge fahren.

Bürgermeister geht „Licht für Radweg“ auf

Kosten entstehen der Stadt Hemer nicht, vielmehr erhält sie einen hohen fünfstelligen Betrag aus der Verwartung der Stahlschienen. Dabei ging Esken ein Licht auf: „Einen Großteil werden wir zwar dem Land und der Bahnentwicklungsgesellschaft im Rahmen einer Mehrerlösklausel erstatten, wir prüfen jedoch momentan, ob wir mit dem Rest eine LED-Beleuchtung des künftigen Radwegs vom Busbahnhof bis zur Bräuckerstraße oder gar bis zum Ende des Höcklingser Weges realisieren können, denn Beleuchtung ist Sache der Stadt Hemer.