Rätselhafter Weka-Brand

Die Weka-Ruinen in Sümmern stehen noch und erinnern an eine Nacht des Grauens. Völlig entfesselte Kräfte haben hier beim Brand im Sommer 2009 fast alles zerstört. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Es ist schon fast anderthalb Jahre her, dass die Firma Weka für ungeheure Schlagzeilen sorgte. Das Unternehmen mit Sitz im Gewerbegebiet Rombrock in Sümmern betrieb damals die Destillation von verunreinigten Lösemitten aus der Farben-, Lack- und Harzherstellung für die Pharmazie, die Möbel- und Autoindustrie. Im Juli 2009 kam es zur Katastrophe: Erst nach einem fast neunstündigen Kampf gegen die Feuersbrunst konnten die mehr als 200 herbeigerufenen Feuerwehrleute den Großbrand in dem Chemie-Unternehmen löschen. Ein 46-jähriger Mitarbeiter fand den Tod. Die gewaltigen Explosionen und die gigantischen Rauchwolken brachten Angst und Schrecken über das Dorf Sümmern. Der Feuerschein der rasenden Flammen erhellte die Nacht über halb Iserlohn.

Eigene Theorie

Noch heute stehen die Trümmer der Firma. Das zerborstene Gebäude, die herausquellenden von der Hitze verbogenen Stahlstreben, Verkohltes, Verschmortes, Zersprengtes wohin das Auge reicht. Es sieht hier immer noch aus, als hätte eine große Bombe eingeschlagen. Was genau geschehen ist, wie es zur Brandkatastrophe kommen konnte, hat lange Zeit viele Fachleute und Brandexperten beschäftigt.

Auch der aus Rheinen stammende Karl Heinz Becker kommt immer wieder zur Unglücksstätte zurück. Sie lässt ihm keine Ruhe. Der Tischlermeister im Ruhestand ist Mitglied im österreichischen Verband für Geomantie und Radiästhesie, das heißt, er gehört zu der äußerst umstrittenen „Branche“ der sogenannten Rutengänger. Mit seinen Wünschelruten erfühlt er – sagt er – „störungsfreie Zonen vor allem im Schlafbereich vieler Menschen“. Er mutet nach eigenen Angaben Wasseradern, Elektro- und Magnetfelder oder Verwerfungen aus. Da ist es kein Wunder, dass ihn das Thema „Weka-Brand“ zu einer ganz eigenen Theorie gelangen lässt.

Natur schuldig

Karl Heinz Becker ist den Erdstrahlen mit der Wünschelrute auf der Spur. Im Falle Weka fand er seine eigene Erklärung der Brandursache. (Foto: Claudia Eckhoff)

„Hier hat man den Brand ohne die Natur berücksichtigt, die aber in diesem Fall der eigentliche Hauptfaktor gewesen ist“, vermutet der Wünschelrutengänger. Gleich am Tag nach dem Brand war Karl Heinz Becker mit seinen verschiedenen Ruten zur Stelle. Vorgelassen hat man ihn natürlich nicht, aber selbst aus einiger Entfernung zur Brandstelle habe er extreme Strahlungen festgestellt, behauptet Becker.

„Erdstrahlen sind ein heißes Thema“, sagt der Strahlenforscher. „Gewisse Erdstrahlen können sogar eine Selbstentzündung hervorrufen, vor allem wenn leicht entzündbares Material auf ihnen gelagert wird.“ Früher habe man beim Brand von Bauernhöfen meist vermutet, dass sich dort zu nass gelagertes Heu selbst entzündet habe. „Heute ist man da weiter“, glaubt Karl Heinz Becker. „Strahlenfachleute gehen davon aus, dass in solchen Fällen unterirdische Erdstrahlen die Brände verursacht haben.“

Rutengänger sind der Überzeugung, der ganze Erdball sei von einem Geflecht aus Magnet- und Elektrofeldern, Wasseradern und sogenannten „Ley-Linien“ – einer ganz besonderen Art von Kraftströmen – überzogen. Besonders an den Kreuzungspunkten solcher Ley-Linien seien alte Kultstätten der Menschheit zu finden, „von bedeutenden Orten wie dem britischen Stonehenge, den ägyptischen Pyramiden oder den westfälischen Externsteinen bis hin zu allen möglichen unbedeutenden Dorfkirchen aus alter Zeit“. Heute werde eine moderne Kirche einfach dahin gebaut, wo eben Platz ist, „aber unsere Vorfahren verfolgten noch ganz andere Gesichtspunkte“, ist sich Becker sicher.

Breite Kraftströme

Unter dem Weka-Gelände jedenfalls – das will er mit seinen Ruten gemessen haben – „verlaufen gleich drei Kraftströme“ von ungewöhnlicher Breite und Mächtigkeit. „Die Energien, die dort frei gesetzt werden, finden auch noch die im Umfeld stehenden Sendemasten als Partner. Die unterirdischen Kraftströme, die Strahlungen der Sendemasten und die brennbaren Materialien mitten in diesem Spannungsfeld – da ist die Katastrophe geradezu vorprogrammiert“, führt der Rheinener Geomant aus. „Hier hätte man besser von vornherein nur eine Grünfläche angelegt.“

Baugebiete dürften nicht einfach so ausgeschrieben werden, warnt Karl Heinz Becker. Wie alle Wünschelrutengänger hofft er, dass seine Tätigkeit eines Tages so angesehen und anerkannt sein wird, dass man sie von Amts wegen anfordert, bevor es ans Ausschreiben oder gar Bebauen geht. „Man sollte auf alle Strahlungen achten“, verlangt er nachdrücklich. „Die Natur kann man auch heute noch lange nicht überlisten. Ein Plan über sämtliche Strahlungen sollte dem Bauamt vorliegen, damit so gebaut werden kann, dass die Menschen keinen Schaden erleiden.“ Sein Problem: den Rutengängern ist es bislang nicht gelungen, ihre wissenschaftliche Seriosität zu nachzuweisen.