Rechtliche Betreuung: So geht’s ehrenamtlich

Christa Wiese (l.) und Melanie Meyer wollen mit der vierteiligen Schulungsreihe im Varnhagenhaus zukünftige ehrenamtliche rechtlicher Betreuer gründlich auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten. (Foto: Claudia Eckhoff)

Christa Wiese (l.) und Melanie Meyer wollen mit der vierteiligen Schulungsreihe im Varnhagenhaus zukünftige ehrenamtliche rechtlicher Betreuer gründlich auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Erna K.s Kinder beobachten, dass ihre betagte Mutter zunehmend Probleme hat, ihren Alltag zu bewältigen. Sie unterschreibt Abos für Zeitungen, die sie gar nicht liest. Sie öffnet ihre Post nicht. Sie vergisst, Daueraufträge zu ändern…

Wie soll‘s weitergehen?
Die Hausärztin diagnostiziert eine beginnende dementielle Erkrankung. Mit 85 Jahren stürzt Erna K. und muss ins Krankenhaus. Dort fällt es ihr immer schwerer, ihre Wünsche eindeutig zu äußern und den ärztlichen Anweisen zu folgen.
Wie soll es nach der Entlassung weitergehen, fragen sich ihre Kinder. Wer kümmert sich um ihre Finanzen? Wer trifft medizinische Entscheidungen in ihrem Sinne? Eine Vollmacht hat Erna K. nie verfasst und nun kann sie es nicht mehr.
Die Kinder als Betreuer
Um sicherzustellen, dass Erna K.s Angelegenheiten gut geregelt werden können, rät der soziale Dienst des Krankenhauses, eine rechtliche Betreuung für sie einzurichten.
Der Sohn und die Tochter übernehmen die Verantwortung und werden durch das Betreuungsgericht als rechtliche Betreuer für ihre Mutter bestellt. Erst später erkennen sie, dass ihre neue Rolle mehr bedeutet als einfaches „Sich-Kümmern“.
Ehrenamtliche springen ein
Rechtliche Betreuung bedeutet, die Interessen und Bedürfnisse eines Menschen dort zu vertreten, wo er es alleine nicht mehr kann. Solche Betreuungen werden möglichst ehrenamtlich ausgeführt.
Oft sind es Familienangehörige wie in Erna K.s Fall, die in einer akuten Notsituation Verantwortung übernehmen. Wie aber sieht es aus, wenn ein zu betreuender Mensch keine Angehörigen mehr hat oder den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat oder sie nicht fähig oder willens sind, die rechtliche Betreuung zu übernehmen?
„Dann müssen wir wildfremde Menschen zusammenbringen“, sagt Melanie Meyer von der Betreuungsstelle der Stadt Iserlohn. Allein im vergangenen Jahr hat diese Stelle rund neunhundert Betreuungsfälle – sowohl frische wie auch schon länger bestehende – zur Prüfung vorgelegt bekommen.
Einsatz für andere
Sich persönlich für andere – fremde – Menschen einzusetzen, sie zu unterstützen, zu beraten und vielleicht sogar ihre sämtlichen rechtlichen Angelegenheit zu übernehmen, ist eine Herausforderung, eine konkrete Verantwortung, aber auch eine erfüllende Tätigkeit.
Wer ehrenamtlich zum rechtlichen Betreuer wird, hat sich bewusst dazu entschieden und sich vorbereitet. Er wird vom Betreuungsgericht namentlich bestellt, bekommt eine Urkunde und Informationen.
Danach kommen der Zubetreuende und der Betreuer zusammen. „Dann zeigt sich, ob und inwieweit sie sich aufeinander einlassen, denn persönlicher Kontakt ist wichtig“, sagt Melanie Meyer. Der Betreuer sollte, auch wenn er viel Papierkram allein am Schreibtisch erledigen kann, mit seinem „Schützling“ vertraut sein, sein Umfeld kennen und Veränderungen wahrnehmen. Gelegentlich entwickeln sich sogar recht enge persönliche Beziehungen.
Rückendeckung
Frisch gebackene ehrenamtliche rechtlicher Betreuer bekommen einen Leitfaden an die Hand, ein Handbuch mit Vordrucken, in die ein Fall im Idealfall nur eingetragen werden muss. Wird es schwieriger, gibt es Rückendeckung. Jederzeit helfen die Betreuungsstelle der Stadt Iserlohn oder der Betreuungsverbund Diakonie.
Christa Wiese zählt zurzeit 60 ehrenamtliche Betreuer im Betreuungsverbund Diakonie. „Geeignet ist jeder, der mit beiden Beinen im Leben steht, offen und neugierig ist und sich auf unterschiedlichste Lebensthemen einlassen kann“, sagt sie. „Man sollte keine Angst vor Behörden haben, dafür aber ein gewisses Interesse für rechtliche Möglichkeiten.“
Die Anwärter lernen im Vorfeld verschiedene Krankheitsbilder kennen. Besondere Fachkenntnisse sind nicht erforderlich.
Neue Schulungsreihe
Ehrenamtliche rechtliche Betreuer auf ihre Aufgabe vorzubereiten, ist Ziel einer kostenlosen Schulungsreihe, die die Betreuungsstelle der Stadt Iserlohn und der Betreuungsverbund Diakonie gemeinsam durchführen.
Informationsabende zu verschiedenen Betreuungsaspekten finden am 27. April, 18. Mai, 14. September und 12. Oktober jeweils um 18 Uhr im Varnhagenhaus an der Piepenstockstraße 27 statt. Das offene Angebot soll gezielt Grundlagen vermitteln und die Einzelgespräche ergänzen.
Anmeldungen: Christa Wiese, Betreuungsverbund Diakonie, Tel. 02371 /  795-252, christa.wiese@diakonie-­mark-ruhr.de oder Melanie Meyer, Betreuungsstelle der Stadt Iserlohn, Tel. 02371 / 217-2214, Mail melanie.meyer@iserlohn.de.