Reparieren statt wegwerfen – „Kaputtchino“: Ehrenamtliche Experten helfen in Iserlohn

Kati Rautenstrauch (l.) näht Taschen aus Getränkepäckchen, Bernhard Oberle (r.) wirbt für ein Leben mit Dingen, die repariert werden können. Die beiden gehören zu den Experten, die Ratsuchenden künftig im Reparatur-Café helfen, ihre Lieblingsgegenstände wieder herzurichten. (Foto: Andrea Schneider)

Iserlohn. (as) Sie bohren, schrauben und nähen. Sie nehmen das Fahrrad unter die Lupe, das andere längst aufgegeben haben. Sie hauchen dem Computer wieder Leben ein. Sie flicken den Riss in der Winterjacke. An die 20 ehrenamtliche Fachleute hat Sabine Plücker, Quartiersmanagerin der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (IGW) für den Lebensraum um den Fritz-Kühn-Platz um sich geschart. Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten. Sie sind das Herz von „Kaputtchino“. So nennt sich das neue Angebot im Bürgerraum, Am Bilstein 17. Hinter dem pfiffigen Namen versteckt sich ein Reparatur-Café.

Ex und hopp, das war einmal. Der Toaster muss noch lange nicht in den Müll wandern, wenn er das Brot nur noch einseitig röstet. Auch ein Computer hat womöglich noch eine Zukunft, obwohl er Geräusche von sich gibt, als wolle er sich in einen Rasenmäher verwandeln. Bei „Kaputtchino“ werden auch schwierige Fälle wieder repariert. Ganz umsonst. Das heißt: Sollte wirklich einmal ein Ersatzteil nötig sein, muss das natürlich bezahlt werden. „Wir reparieren alles, was tragbar ist“, sagt Sabine Plücker. Die Fernbedienung, die Uhr oder auch das Fahrrad.

Einmal im Monat haben Menschen aus der Nachbarschaft, aber auch von weiter her, die Möglichkeit, sich mit ihren Problemfällen an das Team von „Kaputtchino“ im Bürgerraum am Bilstein 17 zu wenden. Bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 19. April, war es schon richtig voll im Raum.

Der nächste Reparaturtag ist Donnerstag, 17. Mai, ab 17 Uhr.

„Der Standort für dieses Reparatur-Café ist interessant“, sagt Uwe Browatzki. Er ist Streetworker und kümmert sich für die Caritas um die Menschen auf der Treppe und in der südlichen Innenstadt. „Hier gibt‘s nicht die klassische Nachbarschaft“, sagt er. „Aber solche Angebote wie das Kaputtchino schaffen neue Begegnungspunkte.“ Man kann sich treffen, ins Gespräch kommen, sich gegenseitig helfen.

Begeistert von dem Angebot ist auch Bernhard Oberle, Umweltberater der Verbraucherberatungsstelle in Iserlohn. Reparatur-Cafés seien durchaus wichtige Einrichtungen, die ein Gefühl zur Vermeidung von Müll vermitteln. Manche Gebrauchsgegenstände, das weiß er, sind gar nicht mehr zu reparieren. Deshalb plädiert der Umweltexperte dafür, Sachen reparaturfreundlich zu gestalten.

Eine andere Art der Müllvermeidung hat sich Kati Rautenstrauch vom Kinder- und Jugendbüro auf die Fahnen geschrieben. Sie näht Taschen aus kleinen Getränke-Verpackungen. Wie das geht? Auch beim nächsten Reparatur-Café gibt sie wieder Tipps und zeigt, wie man die Trinkpäckchen mit der Nähmaschine zum frechen Shopper oder der kleinen Handtasche umgestaltet.

Das Reparatur-Café „Kaputtchino“ ist zwar von der IGW ins Leben gerufen worden, doch es gibt noch weitere Aktive, die ihr Knowhow einbringen: Beteiligt sind Fachleute der Drobs, der Caritas, des Vereins Chaos Consulting, der Verbraucherzentrale, vom Umweltamt, dem Kinder- und Jugendbüro und vom ehrenamtlichen Dienst Continue.Letztere sorgen übrigens nebenher auch noch für die Bewirtung der fleißigen Tüftler und Ratsuchenden. Hand aufs Herz: Bei Kaffee und Kuchen repariert es sich leichter. Und man kommt viel schneller ins Gespräch.