Respekt und Vertrauen gegen Vorurteile

Iserlohn. (as) Alle reden von Integration. Daniel Stadie auch. Doch er ergeht sich nicht in politischen Wegbeschreibungen oder Besserwissereien. Er spricht von „Respekt und Vertrauen“. Für ihn sind diese beiden Worte der Schlüssel zu den Herzen der Menschen. Zwei Begriffe auf dem Weg zu Gemeinsamkeit und Toleranz. Daniel Stadie leistet – gemeinsam mit vielen anderen – ganz praktische Integrationsarbeit. Er leitet das Projekt „Mentoring für Schüler“, kurz „MENSCH“. Gemeinsam mit Mentoren betreut er zwei internationale Klassen der Realschule am Hemberg. Junge Menschen zwischen zehn und 18 Jahren wursteln sich in den Klassen durch die Tücken der deutschen Sprache – mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg. Eines aber haben sie in den zwei Stunden Unterricht pro Woche mit ihren Mentoren gelernt. Respekt und Vertrauen sind größer und wertvoller als jeder Dünkel und jedes Vorurteil.

Vor knapp zwei Jahren wurde „MENSCH“ vom Jugendcafé Checkpoint, getragen von der ev. Kirchengemeinde, ins Leben gerufen. Damals war Daniel Stadie noch als Mentor dabei. Seit Beginn dieses Schuljahrs leitet er das Projekt. Ein bisschen Staunen schwingt in seiner Stimme mit, wenn er die Zeit Revue passieren lässt. „Die internationale Klasse wurde vor einem Jahr mit zehn Schülern eingerichtet“, sagt er. Zu Beginn dieses Schuljahrs waren es schon 17 Schülerinnen und Schüler. Im Herbst waren es 30. Die Klasse wurde geteilt. Beide Klassen wachsen weiter. „Und das ist nur eine Schule. Es gibt noch viel mehr internationale Klassen in Iserlohn“, sagt Daniel Stadie.

Deshalb möchte auch „MENSCH“ weiter wachsen. „Wir möchten im nächsten Jahr eine dritte Klasse in unser Mentoring-Projekt aufnehmen“, sagt Daniel Stadie. Er erzählt, wie wichtig es für die Schülerinnen und Schüler ist, neben Mathe und Deutsch in der MENSCH-Doppelstunde „Impulse für den Alltag“ zu bekommen. „Wir machen Rollenspiele, mit denen sich sowohl Zehnjährige als auch die 18-Jährigen indentifizieren können“, sagt er. „Vieles rankt sich um zwei Fragen: Wie löst man Probleme? Und: Wie können wir, die Mentoren, helfen?“ Themen eben, die im Schulalltag auf der Strecke bleiben können.

40 Personen, zehn Nationalitäten

Ein Zusammenhalt entwickelt sich. Eine Gemeinschaft, die Zeit miteinander verbringt. Zu dem Höhepunkt des Schuljahres zählte kürzlich ein Ausflug in ein Outdoor-Zentrum an den Sorpesee. 40 Personen waren unterwegs. 25 Schülerinnen und Schüler, 15 Mentoren. Menschen aus zehn verschiedenen Nationalitäten im Alter von zehn bis 58 Jahren. Sie stellten sich gemeinsam verschiedenen Herausforderungen, entweder beim Bogenschießen, im Hochseilgarten oder beim Kanufahren.

Neue Erfahrungen auf dem Wasser

„Beim Kanufahren war es spannend zu betrachten, wie einige der Schüler auf den Seegang reagieren. Vor allen Dingen dann, wenn man bedenkt,  dass einige der Schüler Nichtschwimmer sind oder über den Seeweg geflüchtet sind“, sagt Leonie Engel. Sie begleitet das Projekt MENSCH ehrenamtlich und steht als eine Mentorin zur Verfügung. „Vielleicht entwickeln sich ja aus den gemeinsamen Erlebnissen tiefgehende Freundschaften.“

Die Schülerinnen und Schüler waren glücklich. So übernahm Rafa, eine 17-jährige syrische Schülerin, das Zepter in der Abschlussrunde. Sie initiierte einen kräftigen Applaus für die Organisatoren. „Danke, dass ihr das alles organisiert habt“, sagte sie in ihrem guten Deutsch.
Die Idee hinter dieser Veranstaltung war, zu ermöglichen, dass unterschiedliche Menschen gemeinsam etwas Positives erleben. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Es wurde viel gelacht. Das verbindet und bringt Menschen zusammen.

Hoffen auf eine weitere Förderung

Auch dafür steht „MENSCH“. Im Mittelpunkt stehen die Schüler mit ihren persönlichen Geschichten, die geprägt sind von unterschiedlichen Kulturen, Herkunft und Erfahrungen, Erlebnissen. „Da haben wir angesetzt“, sagt Daniel Stadie. „Wir wollen die Schüler kennenlernen und eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen.“

Das Projekt MENSCH läuft noch bis zum Schuljahres-Ende. Daniel Stadie hofft natürlich, dass es anschließend weitergeht. Am besten mit einer dritten Klasse und weiteren Menschen, die sich als Mentoren engagieren möchten. „Wir hoffen auf eine neue Förderung durch den Landschaftsverband“, sagt Daniel Stadie. Denn: „Wir möchten auch weiterhin jungen Menschen helfen, sich bei uns, in einer neuen Gesellschaft, zurecht zu finden.“ Respekt!