Richtiges Heizen nur mit richtigem Lüften

Iserlohn. (clau) Dieser Winter hat sich bisher zumeist von der milden Seite gezeigt. Nur an wenigen Tagen mussten Schneeschaufel und Eiskratzer zum Einsatz kommen. Läuft das für den Verbraucher trotz steigender Energiepreise nun auf eine kostengünstige Heizsaison heraus? – Das hängt weniger vom Wetter als vom eigenen Heizverhalten ab, weiß Martin Wulf von der Verbraucherberatung Iserlohn.

Energieberater Martin Wulf von der Verbraucherberatung Iserlohn empfiehlt den „Thermohydrometer“; das Gerät zeigt im Zweifelsfall an, wann es Zeit zum Lüften ist. (Foto: Claudia Eckhoff)

„Vernünftig heizen, heißt auch vernünftig lüften“, erklärt der Energieberater. „Das eine geht gar nicht, ohne dass das andere erfolgt. Beides zusammen sorgt nicht nur für ein gesundes Raumklima, sondern senkt gleichzeitig den Energieverbrauch.“

Auch wenn sich mancher Zeitgenosse am liebsten selbst mitten im Winter zuhause in T-Shirt, kurzer Hose und barfuss lümmelt: Dauerhaftes subtropisches Klima daheim wird teuer.

Weniger ist mehr: Im Schlafzimmer reichen 17 Grad, im Wohnzimmer 20, im Badezimmer darf das Thermometer auch 22 Grad anzeigen.

Jedes Grad weniger spart 6 Prozent der Kosten

„Wenn das einmal richtig eingestellt ist, kann man den Thermostat-Regler beruhigt allein seine Arbeit tun lassen, ohne ständig daran herumzudrehen“, sagt Martin Wulf. „Wichtig dabei: Jedes Grad weniger spart 6 Prozent der Energiekosten ein. Wer seine Raumtemperatur um vier Grad runterkühlt und stattdessen mal zu Strickjacke und dicken Socken greift, kann also richtig viel Geld sparen.“

Heizkörper und Thermostate sollten frei zugänglich sein. Hinter Vorhängen, Sofas oder Kommoden stauen sich sonst leicht, aber unnötig bis zu 30 Grad Hitze auf.

Wer Rollläden hat, sollte sie abends auch herunterlassen, denn allein diese einfache Maßnahme senkt die Heizkosten um bis zu zehn Prozent. Ausgespritzte Kunststoffrollläden zeigen sich hierbei sogar deutlich effizienter als schwere Holzrollläden.

Vorsicht: Schimmelgefahr!

Warme Luft zieht es dahin, wo es kälter ist. Dort kondensiert sie.

„Die Außenwände sind immer zwei bis drei Grad kälter“, erklärt Energieexperte Martin Wulf. „Dort setzt sich dann die Feuchtigkeit ab – und dann fängt es an zu schimmeln.“

In einem Vierpersonenhaushalt werden pro Tag rund zwölf Liter Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf abgegeben, der sich in der Raumluft anreichert. Pflanzen, Aquarien, Haustiere und auch Menschen selbst sondern Feuchtigkeit ab. Steigt dabei die Luftfeuchtigkeit über 60 Prozent, steigt auch die Schimmelgefahr. Besonders anfällig für die unerwünschten, gesundheitsgefährdenden Ablagerungen sind schlecht dämmende Fenster, Gebäudeecken oder Wärmebrücken, wie an Rollladenkästen oder Fensterstürzen.

Richtiges Lüften will gelernt sein

„Wärme wandert“, so Martin Wulf. „Wenn in verschiedenen Räumen verschiedene Temperaturen herrschen, will die Wärme das ausgleichen. Da hilft nur eins: Türen zu! Sonst wandert die Badezimmerwärme ins kalte Treppenhaus und die Wohnzimmerwärme bringt langsam, aber sicher die kühle Schlafzimmerwand zum Schimmeln.“

Richtiges Lüften verhindert Schimmel. „Es schadet nur, ein Fenster dauergekippt zu halten“, warnt Experte Wulf. „Stattdessen empfehlen wir, nach dem Duschen, dem Kochen, dem Spülen, dem Öffnen der Spülmaschine und vor und nach dem Schlaf jeweils mindestens fünf Minuten lang stoß zu lüften. Am effektivsten ist es, drei- bis viermal täglich kurz für richtigen Durchzug zu sorgen.“

Dann ist zwar kurzfristig die warme Luft weg, aber die Bauteile wie Fenster und Wände bleiben warm. Sind aber diese einmal ausgekühlt, kostet es große Mengen Energie, sie wieder aufzuheizen. Die Raumluft dagegen erwärmt sich schnell, nicht zuletzt durch die Strahlungswärme der Wände.

Eine Frage von Technik ­­- und Gewohnheiten

Empfehlenswert: Ein handelsüblicher „Thermohygrometer“ zeigt nicht nur die Raumtemperatur an, sondern auch den Grad der Luftfeuchtigkeit und macht somit klar, ob gelüftet werden muss.

„Fenster hierzulande sind eigentlich eine Fehlkonstruktion“, bemängelt Martin Wulf. „Besser wäre es, wenn sie sich nach außen statt nach innen öffnen ließen. Mal ganz ehrlich: Ein mit Nippes, Vogelkäfig, Radio, Stiftköcher oder Topfpflanzen zugebautes Küchenfenster öffnet man nicht so oft, wie es angeraten wäre.“

Die Bausubstanz eines Hauses, sein energietechnischer Stand, die Lebensgewohnheiten seiner Bewohner… – all das ist zu berücksichtigen beim richtigen Heizen und Lüften.

Tipps und Rat dazu gibt es in der Verbraucherberatungsstelle Iserlohn, Theodor-Heuss-Ring 5, Telefon 02371 / 24271. Dort liegen auch nützliche Broschüren zum Thema aus wie „Richtiges Heizen und Lüften“ oder „99 Wege Strom zu sparen“.

Die Beratungsstelle ist täglich (außer dienstags) von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Dienstags öffnet sie nur von 14 bis 18 Uhr, montags dagegen zusätzlich von 14 bis 17 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14 bis 18 Uhr.