Roosters brauchen neuen Goaly

Iserlohn. (as/ab) Es war eine Trennung, die die Iserlohn Roosters schlagartig zum Thema Nummer eins in der Eishockey-Sportwelt katapultierte. Kaum hatte das Management am Mittwoch bekannt gegeben, „mit sofortiger Wirkung“ Torhüter Sébastien Caron „aus dem Kader des Clubs zu streichen“, kochten sämtliche Töpfe und Pfannen in der Gerüchte-Küche über. Weder Caron noch Management der Roosters wurden geschont. Letzteres lief in die Kritik, als es bereits am Abend des Rauswurfs den bislang für den ukrainischen Club aus Donetsk haltenden schwedischen Torhüter Erik Ersberg (dazu ein Bericht im Innenteil) zwecks Vertragsunterzeichnung am Seilersee begrüßten.

Ganz schön flink…

Vage Diagnosen, krude Vermutungen

Doch auch der geschasste ehemalige Publikumsliebling Sébastien Caron bekam ordentlich virtuelle Prügel. Ohne ihn zu befragen, tauchten auf Roosters- und Roosters-Fan-Internetseiten Andeutungen auf. Familienleben und sportlicher Ehrgeiz des Top-Torhüters wurden in aller Öffentlichkeit seziert. Die vage Diagnose, Caron sei ausgebrannt, wechselte sich ab mit der kruden Vermutung, der Goaly habe garantiert längst einen Vertrag in Nordamerika unterschrieben und sei nun ganz froh über seinen Rausschmiss.

Erhellung bieten weder Sébastien Caron noch Roosters-Management. Denn mit der Trennung geht ein „Stillschweige-Abkommen“ bezüglich der Gründe einher.

Abgezeichnet hatte sich die Trennung aber bereits beim 5:2-Auswärtssieg am vergangenen Sonntag (6. Oktober) in Wolfsburg, als der Frankokanadier aufgrund einer Verletzung nicht auflaufen konnte. Schon hier wurden Stimmen laut, der 33-Jährige habe sein Team in Stich gelassen.

Caron wechselte 2011 aus der Schweiz an den Seilersee, absolvierte im ersten Jahr 51 von 54 Partien und kam dabei auf eine Fangquote von 93,2 Prozent, ein Topwert in der Liga. Doch bereits in der letzten Saison sank dieser Wert und auch seine Leistungen wurden das ein oder andere Mal seitens der Fans hinterfragt. In dieser Saison kam er schließlich überhaupt nicht richtig in Schwung und konnte sportlich nicht mehr richtig überzeugen.

„Wir alle am Seilersee sind enttäuscht. An diesem Tag waren wir gezwungen, eine für uns sehr traurige Entscheidung zu treffen. Zum Wohle des Teamzusammenhalts war anders zu reagieren allerdings unmöglich“, sagte Manager Karsten Mende. In einer Mitteilung schreiben die Roosters: „Insbesondere aus dem großen Respekt vor Carons überragenden Leistungen in der Vergangenheit wurde absolutes Stillschweigen über weitere Details vereinbart.“ Eine für einige „Fans“ willkommene Einladung zu unflätigen Spekulationen.

Ein Goaly für das Saisonziel

Mit der Verpflichtung von Erik Ersberg ist dem Roosters-Management ein schneller Coup gelungen. Denn schließlich ist auch der als Ersatz-Keeper engagierte Matthias Lange derzeit verletzt. Der Österreicher will zudem im Februar mit der österreichischen Nationalmannschaft an den olympischen Winterspielen in Sotschi teilnehmen. Spätestens dann hätten die Roosters einen sehr guten zweiten Mann gebraucht, um ihr Saisonziel – Platz 6 – nicht zu gefährden.