Roosters „in die Wüste schicken“

Ein Mann steht zu seiner Leidenschaft: Ausgestattet mit Roosters-Fanschal und dem Trikot der Bahrain Sharks macht Eishockey- und Roosters-Fan Kai Miethig in seiner neuen Heimat Bahrain selbst beim „Cross Country“-Lauf Werbung für seinen Lieblingssport. (Foto: privat)

Iserlohn/Bahrain. (as) Man muss nicht unbedingt in den kalten oder gemäßigten Breiten leben, um sich für den Eishockeysport zu interessieren. Kai Miethig lebt dort, wo selbst im tiefsten Winter die Temperaturen tagsüber kaum unter 20 Grad Celsius fallen. Wo Sand zur natürlichen Umgebung gehört. Wo das Meer, das den Inselstaat umspült, Persischer Golf genannt wird. Kai Miethig lebt im Königreich Bahrain, genauer in dessen Hauptstadt Manama.

Als Architekt beziehungsweise Projektmanager arbeitet er seit 2005 in Bahrain, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar. Und: Er hat sein Herz an Eishockey verloren. Nicht etwa an prominente kanadische, US-amerikanische oder russische Clubs. Im Wüstensand „glüht“ Kai Miethig, wie er selbst sagt, für die Iserlohn Roosters. Und die möchte er nun auch „in die Wüste schicken“. Wenigstens für ein Turnier – dem „Mighty Camels Cup“ in Dubai im April dieses Jahres.

Die Liebe zum schnellen Sport auf dem Eis ist Kai Miethig wahrlich nicht in die Wiege gelegt worden. Geboren und aufgewachsen ist er nämlich in Siegen, also eigentlich in der Eishockey-Diaspora. Für Sport interessierte er sich zwar schon immer, aber eher für den auf dem Rasen. Fußball – das war seine große sportliche Liebe. Sein Team war und ist immer noch die Borussia – aus Mönchengladbach.

Er ist schon voller Vorfreude auf einen möglichen Besuch einer Iserlohner Roosters-Delegation am Persischen Golf: Tamer Fakhro, Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft des Königreichs Bahrain. (Foto: privat)

„Heiß auf Eis“ im Wüstensand

Um Eishockey- und noch dazu Roosters-Fan zu werden, musste Kai Miethig erst in den mittleren Osten umsiedeln. Mehr noch: Er musste erst sieben Jahre Wüstenluft schnuppern, um „heiß auf Eis“ zu sein. Den entscheidenden Anstoß für seine neue, kalte Leidenschaft bekam der jetzt 41-Jährige im Frühjahr 2012. In einem sozialen Netzwerk im Internet lernte der diplomierte Architekt den Siegener PR-Berater Michele Schulte kennen. Auch er ist begeisterter Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Außerdem frönt er einer Leidenschaft, die Kai Miethig aus der Ferne zunächst skeptisch betrachtete. Michele Schulte ist Eishockey-Fan, genauer: Roosters-Fan. Schon seit langem engagiert sich der Siegener im Unterstützerclub der Iserlohner.

Bei seinem nächsten Besuch in der alten Heimat ließ sich Kai Miethig zum Besuch eines Roosters-Spiels überreden. Fortan war’s um den Mann aus dem mittleren Osten geschehen. Fasziniert war er von dem blitzschnellen, athletischen Sport. Fasziniert und begeistert war er, zumal die stolzen Hähne aus dem Sauerland gleich zu Beginn der Saison die Düsseldorfer EG abfertigten. Keine Frage: Hier wuchs eine Leidenschaft heran. Mittlerweile ist Kai Miethig zudem Mitglied im Unterstützerclub der Roosters. Und: „Wenn ich in Deutschland bin, ist für den Besuch von Iserlohn und die Kufencracks vom Seilersee immer Zeit“, sagt er. Daheim, im fernen Bahrain, in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, hält er sich via Internet-TV und neue Medien auf dem Laufenden.

Mit Roosters-Fanschal durchs Land gejoggt

Doch Kai Miethig ist mehr als ein Fan. Gemeinsam mit Michele Schulte, dem PR-Fachmann und Chef einer eigenen Agentur, möchte er Kontakte zwischen der Boomregion am Persischen Golf und dem Iserlohner Eishockey-Club vermitteln. Gar nicht ausgeschlossen sei, dass die Roosters von der wirtschaftlichen Kraft des mittleren Ostens profitieren könnten – jedenfalls wenn die Iserlohner Kufenflitzer erst einmal bekannt seien in der Region.

Werbung für die Iserlohn Roosters betreibt Kai Miethig reichlich. Selbst beim „Bahrain Cross Country“-Lauf, immerhin 17 Kilometer quer durchs Königreich, hatte er sich den Roosters-Fanschal lässig um den Hals gewickelt.

Mit der Begeisterung fürs Eishockey steht der gebürtige Siegener in Bahrain übrigens gar nicht allein da. Seit Jahren schon war Kai Miethig mit Tamer Fakhro bekannt. Über Hobbys hatten sich die beiden Herren allerdings nie unterhalten. Doch plötzlich erkannten sie eine gemeinsame Leidenschaft: Tamer Fakhro, das erfuhr der Kai Miethig, ist Kapitän der Bahrain Sharks, des lokalen Eishockeyteams. Mehr noch: Tamer Fakhro darf zudem das C als Kapitän der bahrainischen Eishockey-Nationalmannschaft auf der Brust tragen. Dreimal schon konnte er mit seinem Club den „Qatar Desert Cup“ gewinnen, einmal den „Mighty Camels Cup“ in Dubai.

Gemeinsam heckten die beiden Eishockey-Fans die Idee aus, die Iserlohn Roosters zum nächsten „Mighty Camels Cup“ zu holen. Okay, vielleicht nicht die Profimannschaft. Beide sind der Ansicht, dass auch ein gestandenes Alt-Herren-Team vom Seilersee in Dubai nicht chancenlos wäre. Wichtig wäre den zwei Eishockey-Begeisterten vor allem, dass die Iserlohner die Möglichkeit bekämen, Kontakte zu knüpfen.

Unterstützung gäb’s für die Iserlohner Eishockey-Botschafter vor Ort von Kai Miethig und Tamer Fakhro. Denn deren Kontakte reichen weit.

Sheikh Nasser Bin Hamad Al-Khalifa, Sohn des Königs und im Königreich zuständig für Jugend und Sport, unterstützt den Wintersport in Bahrain. (Foto: Königreich Bahrain)

Geste der Fairness mit großen Folgen

Tamer Fakhro war immer schon Eishockey-Fan, doch Wendepunkt in seinem sportlichen Leben war das Jahr 2010. Die Eishockey-Nationalmannschaft aus Kuwait suchte die Anerkennung der International Ice-Hockey Federation. Doch dafür war Spielpraxis nötig. Beispielsweise ein Freundschaftsspiel gegen die Eishockey-Spieler aus Bahrain. Dort gab’s zu diesem Zeitpunkt zwar keine Nationalmannschaft, aber einige begeisterte Kufenflitzer um Tamer Fakhro. Sie setzten sich in ihre Autos, düsten nach Kuwait und bestritten ihr erstes Spiel als bahrainische Nationalmannschaft. Die Partie ging zwar 3:10 verloren. Dennoch waren die Männer aus dem Königreich Bahrain die Sieger der Herzen. Der Kapitän der kuwaitischen Mannschaft hatte sich verletzt. Spontan unterbrach Tamer Fakhro das Spiel und stützte seinen verletzten Kontrahenten, damit er das Eis verlassen konnte.

Schwer beeindruckt von dieser Geste der Fairness zeigte sich der Chef des kuwaitischen Komitees der asiatischen Winterspiele. Er wandte sich wenig später an Seine Hoheit Sheikh Nasser Bin Hamad Al-Khalifa, Chef des Regierungsressorts für Jugend und Sport im Königreich Bahrain und gleichsam Sohn von König Hamad, mit der Bitte, ein Team zu den asiatischen Winterspielen 2011 nach Kasachstan zu entsenden. Mit Worten voller Hochachtung hatte der Sport-Funktionär aus Kuwait noch einmal die große Geste der Fairness bei der Eishockey-Partie in seinem Heimatland beschrieben. Nun war es an Sheikh Nasser Bin Hamad Al-Khalifa, beeindruckt zu sein. „Ja“, sagte er zu, das Königreich Bahrain werde ein Team stellen.

Neugierig auf den Eishockey-Sport

Tamer Fakhro war Kapitän der stolzen Mannschaft, die erstmals bei asiatischen Winterspielen das Königreich Bahrain vertreten durfte. Nach nur zehn Tagen Vorbereitung zählten die Ergebnisse nicht. Nicht die Spiele gewann das junge Team aus dem Königreich, aber den Respekt und die Herzen der vielen Zuschauer und der anderen Teams.

Mit ihrem Auftritt bei den Winterspielen haben die Männer aus Bahrain auch in ihrer Heimat Werbung für Eishockey gemacht. Keine Frage: Im Königreich und auf der arabischen Halbinsel ist man neugierig geworden auf diesen Sport. Botschafter aus Iserlohn beim Dubai „Mighty Camels Cup“ kämen da gerade recht…