Schlüssel zum Leben: Dagmar Freitag besucht DRK-Sprach-Kita Henry

Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (v.l.) wurden vor der Sprachkita von Michael Vucinaj, hauptamtlicher DRK-Vorstand in Iserlohn, Sprachfachkraft Jutta Kaltenbach und Kita-Leiterin Kerstin Helmering gegrüßt.(Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) 89 Kinder, 16 Nationen und viele Religionen dieser Welt. Oho, könnte man meinen, da gibt‘s bestimmt Probleme mit der Verständigung. Zugegeben, die bunte Vielfalt der Herkunftsländer hat bestimmt eine Rolle gespielt, dass die Kita Henry in der Gerichtstraße in Iserlohn mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ gefördert wird. Doch „Sprachbarrieren finden wir nicht ausschließlich bei Kindern mit Migrationshintergrund, sondern in vielen Familien, in denen Sprache keine große Bedeutung mehr hat“, sagt Jutta Kaltenbach, Erzieherin und Fachkraft für Sprache in der neuen Kita unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Manche Kinder kennen zwar so komplizierte Worte wie Internet oder Playstation, hat Kita-Leiterin Kerstin Helmering beobachtet: „Aber ein Bilderbuch hatten sie noch nicht in der Hand“.
Auch solche Sätze machten Dagmar Freitag und Eva Kitz deutlich, dass das Fördergeld hier in der Gerichtstraße goldrichtig eingesetzt wird. Die Bundestagsabgeordnete und die SPD-Stadtverbandsvoritzende hatten die neue Kindertagesstätte in der zurückliegenden Woche besucht.

Die Kita Henry ist durchaus etwas Besonderes. Sie ist die erste DRK-Kita bundesweit, die an dem Förderprogramm Sprach-Kitas teilnimmt. Und sie ist die erste Kindertagesstätte in Iserlohn unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Der Stolz auf die Einrichtung ist allen anzumerken. Einem vielleicht ganz besonders: Michael Vucinaj, hauptamtlicher Vorstand des DRK-Kreisverbands Iserlohn, gerät ins Schwärmen, wenn er an das Wachsen und Werden der Kita denkt, die nach DRK-Gründer Henry Dunant benannt wurde. Begeistert hört er zu, wenn Sprach-Fachkraft Jutta Kaltenbach von den drei Bausteinen der Sprach-Kita erzählt: von alltagsintegrierter sprachlicher Bildung, inklusiver Pädagogik und einer engen Zusammenarbeit mit den Familien.
Doch Michael Vucinaj hält auch nicht mit Kritik zurück: „So ein Programm ist etwas, das alle Kitas haben sollten“, sagt er. „Es sollte nicht zeitlich befristet, sondern Standard in allen Kindertageseinrichtungen sein.“

Programm sollte Standard sein

Bei Dagmar Freitag läuft Michael Vucinaj mit solchen Forderungen offene Türen ein. „Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben“, sagt die Bundesspolitikerin. Und Sprache, daran ist wohl nicht zu rütteln, ist der Schlüssel zur Bildung. Dagmar Freitag weiß, dass ein zeitlich begrenztes Programm immer auch für Unsicherheit sorgt. Die Sprach-Kita-Förderung läuft bei der Kita Henry beispielsweise bis Ende des Jahres 2020. Und dann? Wie geht es weiter? Wie können die Kinder auch weiterhin so intensiv sprachlich betreut werden? Welche Perspektiven haben die Mitarbeiter, die das Programm jetzt mit Leben füllen?
„Jeder Euro, den wir jetzt und hier investieren, brauchen wir später nicht für Hilfs- und Förderprogramme oder sogar Hartz IV auszugeben“, sagt Dagmar Freitag. „Solch eine Förderung“, davon ist sie überzeugt, „darf nicht im Streit des Föderalismus untergehen.“ Bund und Länder sollen ihrer Meinung nach an einem Strang ziehen, um den Kindern den Schlüssel zu Sprache, Bildung und damit einem selbstbestimmten Leben überreichen zu können.