Senioren werden einfach abgezockt

Iserlohn. (clau) Betrügereien rund um das Thema Gesundheit stehen hoch im Kurs. Senioren sind bevorzugte Opfer für die Abzocker mit Gesundheits-Masche.

„Das läuft entweder als Verkaufsgespräch am Telefon oder über die altbekannte Schiene Kaffeefahrt“, berichtet Ingo Döring, Leiter der Verbraucherberatungsstelle am Theodor-Heuss-Ring 5 im Gebäude der Alten Post.

Bei den Gesundheitsprodukten, die am Telefon angepriesen werden, handelt es sich vorwiegend um Nahrungsergänzungsmittel. Ginkgo-Produkte sind der ganz große Renner.

Der Anbieter verwickelt den älteren Menschen freundlich und mit viel Geduld in ein Gesundheitsgespräch, in dessen Verlauf er die Vorzüge der Ginkgo-Produkte in den schönsten Farben schildert. Er oder sie bietet an, ein kostenloses Ausprobier-Set zu schicken. Wer sich ziert, wird mit sanftem Druck überredet. Viele Ältere sind zu freundlich, zu höflich, um sich in solchen Verkaufsgesprächen genügend zur Wehr zu setzen.

Das Probepaket kommt also an. Nicht selten liegt dem dann schon eine Rechnung bei.

Abo-Falle schnappt zu

„Das bauscht sich dann schnell auf“, erläutert Ingo Döring. „Die Leute zahlen spätestens nach der zweiten Mahnung, weil sie Angst haben, die Geldeintreiber der Inkasso-Firma stünden andernfalls bald leibhaftig vor ihrer Wohnungstür. Auch wer die Annahme verweigert und das Paket einfach zurückschickt, wird böse überrascht: Der Absender verweigert seinerseits schlicht die Annahme!“

Danach folgen weitere Paketsendungen, weitere Rechnungen, weitere Mahnungen – die Abo-Falle ist zugeschnappt.

Wer so hilflos und verunsichert zwischen seinen unerwünschten Gesundheitspaketen steht, tut gut dran, die Experten der Verbraucherberatung um Hilfe zu bitten.

Ein Faktor, der Betrügern Tür und Tor öffnet, ist die zunehmende Einsamkeit älterer Menschen. Nicht selten haben die Senioren bei Verkaufsgesprächen an der Wohnungstür den netten Herrn oder die nette Dame auch noch hereingebeten und etwa zum Mittagessen eingeladen.

Kaffeefahrt als Reisemarkt

Bei den berühmt berüchtigten Kaffeefahrten geht es längst nicht mehr um zollfreien Kaffee, Pralinen und Parfüm.

Hoch im Kurs bei solchen Fahrten steht mittlerweile der Verkauf von Seniorenreisen. Bei Kaffee und Kuchen irgendwo im Nirgendwo lassen sich Senioren offenbar gut dazu verleiten, eine Reise zu buchen.

„Erstens wird einem die Reise natürlich wiederum wortgewaltig und schillernd schmackhaft gemacht“, so Ingo Döring, Zweitens lassen sich die Leute mitreißen, von denen, die scheinbar begeistert auf das Angebot anspringen und gleich buchen. Wird da ein falsches Spiel gespielt? Stehen die vermeintlichen „Frühbucher“ insgeheim auf der Gehaltsliste des Reiseanbieters?

Nach dem Rausch kommt der Kater

Fakt ist: Kommt der Buchungsprozess bei der Kaffeefahrt in Gang, bucht auch manch einer, der das nicht ernsthaft vorgehabt hatte und es zuhause schnell bereut.

Bei genauerer Begutachtung entpuppen sich die günstig geglaubten Winter-Reisen in den sonnigen Süden oft als Mogelpackung. Wer eins und eins zusammenzählt und alle Zusatzkosten addiert, kommt schnell auf einen Endpreis, der keineswegs unter dem der seriösen heimischen Reiseanbieter liegt.

Nach dem Rausch kommt also der Kater. Wer nun stornieren möchte, hat ein Problem. Meist wurde auf der Kaffeefahrt eine Anzahlung oder eine Bearbeitungsgebühr von 50 Euro in bar geleistet, wofür es keine zweckmäßig Quittung mit Firmenkopf oder Firmenstempel gab. Das Geld ist weg!

Mehr und mehr wird vor Ort nicht bar kassiert, sondern mit EC-Geräten.

„Vorsicht!“, mahnt Ingo Döring. „Auf keinen Fall sollten Verbraucher in solchen Situationen ihre PIN-Nummer benutzen.“

Ob bar oder mit Karte: Das Geld ist erst mal weg.

Hilfe beim Stornieren

In Bezug auf die Reisebuchung gibt es eine Widerrufsfrist innerhalb von 14 Tagen. Eine Stornierung auf dem Briefbogen der Verbraucherzentrale macht da sicher mehr Eindruck bei einem unseriösen Reiseanbieter als ein privater Briefpapier.

„Oft sitzen die Leute am Montagmorgen schon hier bei uns“, erzählt Ingo Döring. „Viele sind seelisch richtig mitgenommen, haben schlecht geschlafen, schlecht geträumt und sorgen sich, wie es weitergeht.“

Da hilft die Verbraucherberatung mit ihrer Rechtsberatung (9 Euro) und setzt auch, wenn gewünscht, gleich ein eindrucksvolles Schreiben auf (16 Euro). Keine Sorge, auch dem wird geholfen, der sich selbst diese Gebühr kaum leisten kann.

Mehr Infos gibt es unter Telefon 02371 / 24271
(Mo. 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Di. 14 bis 18 Uhr, Mi. 9 bis 13 Uhr, Do. 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Fr. 9 bis 13 Uhr)