Sensationsfund im Garten

Ein kleines Stück mit großer Vergangenheit: Die römische Scherbe, die Karl Heinz Becker in seinem Garten fand, ist eine archäologische Sensation! (Foto: Norbert Fendler)

IS-Rheinen. (NO) Nur wenige Zentimeter groß ist das rötliche Stück aus gebranntem Ton. Die unscheinbare Scherbe, die Laien links liegen lassen würden, ist jedoch eine echte archäologische Sensation – amtlich bescheinigt von der Altertumskommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), der auch Museen betreibt. Der Finder des Relikts: Karl Heinz Becker aus Rheinen.

Spuren der Vergangenheit

Schon oft hat der Rutengänger und Geomant im ausgedehnten Garten hinter seinem Haus „gemutet“, wie Becker und Co. das Rutengehen nennen. „Und dabei kamen immer wieder Spuren aus der Vergangenheit ans Licht. Offenbar war hier schon in fernster Zeit ein Siedlungsplatz, und die Überreste haben sich Schicht auf Schicht abgelagert“, so der ehemalige Schreiner. Scherben aus dem Mittelalter wurden bereits zu Tage gefördert, auch Bruchstücke aus noch viel früheren Tagen, „und im Boden ist noch viel mehr verborgen“, weiß Becker.

Römische Scherbe

Mit einer kleinen, rötlichen Scherbe machte der Rutengänger einen ganz besonderen Fund, freilich ohne es zunächst selber zu wissen. Doch hatten die vorherigen Ausgrabungen bereits für Aufmerksamkeit bei Fachleuten gesorgt. So war auch Prof. Dr. Michael Baales, Leiter des Bereichs Archäologie für Westfalen des LWL, Außenstelle Olpe, bereits bei Becker vor Ort und nahm mittelalterliche Relikte in Augenschein. Der Rutengänger aus Rheinen stellte Prof. Dr. Baales seine neueste Entdeckung zur Verfügung, dieser ließ das Stück registrieren, fotografieren und genau untersuchen. Ergebnis: Die kleine Scherbe stammt aus römischer Zeit und ist ein Fund ersten Ranges.

„Fast ein Wunder“

In der vergangenen Woche bekam Karl Heinz Becker nun auch einen Brief von Dr. Vera Brieske, Geschäftsführerin der LWL-Altertumskommission für Westfalen. Sie bestätigte den außergewöhnlichen Stellenwert der Entdeckung in Beckers Garten. Im Wortlaut heißt es: „Sehr interessant ist für uns Ihr Fund einer römischen Scherbe von Ihrem Grundstück, die sie ja auch schon meiner Kollegin Dr. Cichy gezeigt hatten. Ich habe außerdem noch einmal eine Expertin für römische Funde um ihre Meinung gebeten. Sie bestätigte mir, dass es sich um die Scherbe eines Terra-sigillata-Schälchens handelt. Dieser Typ sei außerordentlich selten, auch schon im Römischen Reich selbst.

Terra sigillata ist die Bezeichnung der gehobenen Kategorie römischen Tafelgeschirrs, die gegen Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. in italienischen Werkstätten entwickelt wurde. Typisch ist der glattwandige Glanzton-Überzug. (Foto: Archiv)

Dass eine solche Scherbe im freien Germanien gefunden wurde, grenze schon fast an ein Wunder. Sie haben damit also wirklich etwas Besonderes gefunden, allerdings kann man kaum glauben, dass so ein seltenes Stück Handelsware gewesen sein soll. Von weiteren römischen Spuren ist im Raum Iserlohn nichts aktenkundig geworden.“

Weitere Funde?

Dr. Vera Brieske fährt fort: „Bei solchen vereinzelten Funden besteht immer die Gefahr, dass sie durch Verlagerungen in späterer Zeit an ihre Fundstelle gelangt sind, im extremsten Fall vielleicht dadurch, dass Erben den Nachlass ihres sammelfreudigen Vorfahren als ,Müll‘ entsorgt haben. So etwas wünsche ich Ihnen natürlich nicht! Wichtig ist es aber sicherlich, gerade an dieser Fundstelle besonders darauf zu achten, ob noch weitere Fundstücke zutage treten.“

Man darf also gespannt sein, welche Relikte aus der Vergangenheit in Karl Heinz Beckers Garten in Rheinen noch zu Tage treten werden!