Soennecken und die schicksalhafte Tinte

Iserlohn. (Red/clau) Die Tinte – oder besser ein umgekipptes Tintenfass – wurde für einen jungen Iserlohner zur Schicksalsmacht. Jener Friedrich Soennecken gilt als Vater der Schreibwarenindustrie und der modernen Büroorganisation. Soennecken-Produkte sind sogar in Nordamerika oder Indien ein Begriff. In der heutigen Folge der Wk-Reihe „Lebensbilder“ erinnert Marlis Gorki an den Schreibwaren-Pionier.

Friedrich Soennecken.  (Abbildung aus: „Markante Köpfe aus dem Märkischen Kreis, Iserlohn“, 1997)
Friedrich Soennecken.
(Abbildung aus: „Markante Köpfe aus dem Märkischen Kreis, Iserlohn“, 1997)

Friedrich Soennecken wurde am 20. September 1848 als sechstes Kind eines Schmieds in Dröschede geboren. Später zog die Familie nach Iserlohn. Dort besuchte Friedrich die Elementarschule. Seinem Lehrer Heinrich Rahlenbeck fiel das besondere Zeichentalent auf. Er förderte es durch zusätzlichen Schreib- und Zeichenunterricht und ließ den Jungen kalligraphische Vorlagen nachzeichnen.

Nach der Höheren Stadtschule/ Realschule begann der junge Soennecken 1864 eine Kaufmannslehre bei der Firma Aurand und Sudhaus (heute: Sudhaus & Söhne).

Dort durfte er Vorlagen für die Beschläge-Fertigung zeichnen und wegen seiner schönen Handschrift das große Hauptbuch führen.

Schicksalsstunde mit Ohrfeige

Eines Tages stieß er versehentlich ein Tintenfass um. Der Inhalt ergoss sich über die Seiten. Friedrich wurde dafür geohrfeigt.

Das sollte ihm nicht noch einmal passieren! Verärgert fertigte er noch in der Nacht einen halter an – aus einem Holzklotz mit einem für das Tintenfass passenden Loch und einer Rille für Federhalter und Bleistift. Das war der Erstling für seine spätere Schreibwarenfabrikation.

Friedrich Soennecken gehörte bald zu den Mitbegründern des Kaufmännischen Vereins in Iserlohn. Er hielt selbst Vorträge über Fabrikation, Handel, Außenhandel und Bankwesen.

Er arbeitete an einer Schriftreform, die zu einer leichter zu erlernenden Schreibweise führen sollte. Seine „Rundschrift” gilt als Vorläufer unserer heutigen Schreibschrift. Er hielt Schreibkurse ab und druckte Vorbereitungs- und Begleithefte.

1875 gründete er mit seinen Ersparnissen in Remscheid einen Verlag für Rundschrifthefte und Rundschriftfedern.

Soennecken studierte zusätzlich an der Universität Bonn Geschichte, Kunstgeschichte, Paläographie, Pädagogik und Psychologie.

Auf seinen weiten Reisen besuchte er stets Bibliotheken und Museen, in denen ihn vor allem Schreibmusterbücher und Buchdruckkünste interessierten. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Studien stand die Geschichte der Schrift.

Eine Weltfirma entsteht

Er stellte fest, dass jede Schrift-art auch eine spezielle Feder benötigte. Er entwarf entsprechende Stahlfedern und ließ sie in England produzieren.

1879 erschien sein besonderes Schreibfedern-System, das sich der Natur der federführenden Hand anpasste. Zu den Federn gehörten gut geformte Federhalter. Auch Briefordner, Locher und Tintenfässer, die ein zu tiefes Eintauchen der Feder verhinderten, nahm er in sein Sortiment auf.

Soennecken gilt als Erfinder des Aktenordners, den er 1886 als „Briefordner“ auf den Markt brachte, ebenso wie einen Papierlocher. Für all diese Erfindungen erhielt er 1880 einen Staatspreis für gewerbliche Leistungen.

1890 erschien der erste von Soennecken entwickelte Umlegekalender, eine Verbindung von Abreißkalender und Terminkalender.

Im Jahr 1903 stellte er die ersten Ringbücher her. Er entwickelte für die industrielle Buchführung die ersten Dauerkontenbücher, die sich europaweit durchsetzten.

Seit 1903/1904 stellte er auch Regale und Büroschränke her. 1905 wurde „Soennecken“ als Markenzeichen eingetragen.

Sein in Bonn ansässiges Unternehmen entwickelte sich zur Weltfirma. Seine Produkte sind bis heute in jedem gut sortierten Schreibwaren-Geschäft zu finden.

In Dröschede an der Kampstraße steht ein Gedenkstein für Friedrich Soennecken, der 1919 in Bonn starb.

Eine Straße in Iserlohn-Wermingsen trägt den Namen dieses großen Iserlohner Sohnes.

Anmerkung der Redaktion:

Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt.

Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps zu Friedrich Soennecken sind ihr willkommen unter Tel. 02371/ 32365.