SonnTalk: Voll verrechnet

Von Claudia Eckhoff
Deutschland ist Schlusslicht. Unser Land ist der letzte EU-Mitgliedsstaat, in dem auf Plakaten, Litfaßsäulen oder der Kinoleinwand noch Werbung für Glimmstängel gemacht werden darf. Überall, wirklich restlos überall in Europa – selbst in Rumänien und Bulgarien – ist das mittlerweile verboten. Die Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie von 2014 sieht nämlich ein Außenwerbeverbot für Zigaretten vor. Zwingend.

Aber wir, wir trödeln unbeirrt weiter. Die deutsche Tabakkontrollpolitik hat es nicht so eilig. Wenn man 34 Länder in Eu­ropa hinsichtlich ihrer Bemühungen um die Eindämmung der Qualmerei vergleicht, landet Deutschland – juchhu – ganz, ganz hinten. Dieses Mal auf dem vorletzten Platz.
Warum läuft das wohl so verschnarcht? Weil der Staat immer noch zu gut an der Tabaksteuer verdient?
Rechnen wir mal nach. Ein Drittel aller Männer und Frauen rauchen bei uns. Den „Duft der großen weiten Welt“ und den Hauch von Freiheit und Abenteuer suchen vor allem offenbar Menschen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen. An ihnen verdient die Tabakindustrie. Und der Staat verdient mit durch die Tabaksteuer. Immerhin 14,2 Milliarden Euro kommen so zusätzlich ins Staatssäckel. Aber: Das Rauchen kostet den Staat auch. Es macht nämlich die Raucher erst krank, dann oft erwerbsunfähig und führt schließlich zum verfrühten Tod. Rauchen ist die Nummer Eins der Lebensverkürzer. Jeder siebte Mensch stirbt bei uns an den Folgen des Rauchens. Aber vorher kostet der erkrankte Raucher uns alle meist richtig viel Knete: 25 Milliarden Euro jährlich fallen an für Krankenpflege und noch einmal 53,7 Milliarden für Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Jetzt addieren wir doch mal: Das macht zusammen stramme 78,7 Milliarden. Wie viel kam noch gleich rein durch die Tabaksteuer? Lumpige 14,2 Milliarden!
Schönen Sonntag und einen hoffnungsvollen, nikotinfreien Weltnichtrauchertag am Mittwoch, 31. Mai.