Sparkasse warnt vor der nächsten Bankenkrise

Hemer. (anna)  Droht Europa eine neue Bankenkrise? Ist daran die Europäische Zentralbank (EZB) schuld?
Diese Fragen stellt sich Dietmar Tacke, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Märkisches Sauerland. Der Mann kennt sein Metier – und er rechnet mit dem Schlimmsten. Börsenkurse brechen ein, Sparer und börsennotierte Aktien sind die größten Verlierer. Der „Negativzins“ spielt dabei eine wichtige Rolle. Wird die EZB zum neuen Unruheherd?
Nicht nur in Bankenkreisen wird die aktuelle Negativ-Verzinsung angeprangert. Das heißt: Das Zinsniveau bewegt sich momentan Richtung Null – mit dem Trend „noch weiter nach unten“. Das bedeutet: Anleger könnten bald weniger rausbekommen, als sie eingezahlt haben. „Zinsen auf diesem niedrigen Niveau haben wir seit vielen Generationen nicht gesehen“, meint Tacke. „Im Lehrbuch steht für diesen Fall keine Lösung, denn ein derartiges Szenario kam bisher in der volkswirtschaftlichen Praxis nicht vor.“
Für die Finanzminister vieler Länder wirkt der von der EZB eingeführte Negativzins indes wie eine Droge: „Auf Staatsanleihen gibt es keine Zinsen mehr. Das verführt verschuldete Länder dazu, noch mehr Kredite aufzunehmen. Bisher hat noch kein Land seine Schulden jemals getilgt“, meint Tacke. In den verschuldeten Ländern müsse es dringend Strukturveränderungen geben, wolle man der Finanzmisere entfliehen.

EZB – warum?

Doch warum macht die EZB das? Glaubt sie wirklich, mit dem Negativzins die Wirtschaft ankurbeln zu können?
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Zentralbank der 19 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die den Euro eingeführt haben. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten und so die Kaufkraft der gemeinsamen Währung zu erhalten. Die EZB ist ein offizielles Organ der Europäischen Union und die zentrale Institution des Eurosystems und des für die Bankenaufsicht zuständigen einheitlichen Aufsichtsmechanismus.

Bankenkrise

„Italiens gegenwärtige Bankenkrise ist nur die Spitze des Eisbergs der Probleme europäischer Banken“, betonen neben Dietmar Tacke auch die beiden Vorstandsvertreter Volker Gutsche und Erik Dagott. Der tiefere Grund für die tödliche Krankheit der Banken sei die Verschleppung der Bereinigung maroder Bilanzen nach der Finanzkrise.
Die Niedrigzinspolitik der EZB habe zwar eine Depression wie nach dem Aktienmarktcrash von 1929 verhindert, sie habe aber gleichzeitig den Druck für notwendige Strukturanpassungen verringert. Daraus, so der Vorstand der Sparkasse Märkisches Sauerland, sei ein Teufelskreis entstanden: „Die Niedrigzinspolitik stützt eine ineffiziente Struktur der Wirtschaft – mit der Folge, dass Wachstum und Inflation nie­drig bleiben, was wiederum zur Begründung der Niedrigzinspolitik dient.“
Dieser Teufelskreis führe zu einer Auszehrung der Banken, was wiederum in die nächste Krise führe.

Steil abwärts

Seit Ende 2011 befinden sich die Kreditzinsen auf einem steilen Abwärtspfad, erläutern die Vorstandsvertreter. Ab nächstem Jahr, wenn die noch zu höheren Zinsen vergebenen Kredite im Schnitt auslaufen und durch Kredite mit nie­drigeren Zinsen ersetzt werden, werde die Auszehrung auch der deutschen Banken ernstlich beginnen. Der Vorstand der Sparkasse Märkisches Sauerland zeichnet folgendes Bild: „Die gegenwärtige Bankenkrise in Italien ist nur ein Vorläufer dessen, was bei uns und im gesamten Euroraum zu erwarten ist. Die italienischen Banken leiden an der Höhe ihrer schlechten Kredite.“
EZB-Befürworter halten der Diagnose einer kommenden Bankenkrise entgegen, dass mit der Nie­drigzinspolitik die Wirtschaft bald wieder auf Wachstumskurs gebracht und dadurch die Probleme der Banken gelöst werden könnten.
„Doch bisher ist es nirgendwo gelungen, mit dieser Geldpolitik ein robustes Wirtschaftswachstum herbeizuzwingen. Dies führt leider doch zu dem Schluss, dass wir auf dem Weg in die nächste große Bankenkrise sind“, sagt Tacke.

Gebühren erhöhen

Die zukünftige mögliche Auszehrung der Banken führe dazu, dass Kreditinstitute ihre Gebühren erhöhen müssen, wenn sie nicht ausbluten, sondern weiterhin kundenorientiert arbeiten wollen.
Die Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer-Menden schreibt in diesen Tagen ihre Kunden an und informiert sie über die neuen Tarife zum 1. Oktober, aber auch über neue Leistungen. Die Erhöhungen, so heißt es, seien nur moderat, die Leistungen jedoch deutlich angehoben worden. Weil sich immer mehr im Online-Sektor abspiele, habe die Sparkasse auf das veränderte Konsumverhalten reagiert.
„Mehr Flexibilität ist ein Mittel, sich einer Bankenkrise entgegen zu stemmen“, betonen Dagott, Gutsche und Tacke.