Spuren hinterlassen

Iserlohn. (as) „Niemals geht man so ganz“ – das Lied von Trude Herr ist wohl eines der schönsten deutschen Abschiedslieder. „Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt hier“ heißt es darin. Am Freitag, 31. Januar 2014, verabschiedeten sich Schulleiter Reinhard Müller und der Abteilungsleiter Fertigungstechnik, Heinz Sülberg-Tewes, vom Theodor-Reuter-Berufskolleg in den Ruhestand. Und soviel steht fest: Auch sie gehen nicht so ganz. Ganz viel von ihnen bleibt hier. Denn beide haben viel im und für das Theodor-Reuter-Berufskolleg am Karnacksweg 43 bewegt.

Es waren Tage des Abschieds am Theodor-Reuter-Berufskolleg. Neben Reinhard Müller und Heinz Sülberg-Tewes gegen auch Werkstattlehrer Alois Ruschepaul und Hans Breuer, Lehrer für Elektrotechnik und Sport, in den Ruhestand.

Mit seinen rund 370 Schülerinnen und Schülern ist das Theodor-Reuter Berufskolleg (TRBK) , die „Staatliche Berufsfachschule für Fertigungstechnik und Elektrotechnik“ alles andere als klein. Und doch: Hier geht es familiär zu. Man kennt sich. Ganz persönlich. Mindestens die Hälfte der Schüler erlebt jeder Lehrer im Unterricht. Es wird viel gefordert. Aber auch gefördert. Denn am Ende der Ausbildungszeit am TRBK haben die Schülerinnen und Schüler neben dem Facharbeiterbrief auch noch die Zulassung zur Fachhochschule in der Tasche.

Von der Skepsis zur Begeisterung

„Am Anfang“ erinnert sich Reinhard Müller, „kam ich mit gemischten Gefühlen.“ 26 Jahre war er Lehrer am Cuno-Berufskolle 1 in Hagen. Und nun, 13 Jahre ist‘s her, wechselte er in die Rolle des stellvertretenden Schulleiters nach Iserlohn. An eine Schule, die einzigartig in Nordrhein-Westfalen ist, weil hier nach Bundesrecht ausgebildet wird. Schüler erlernen hier Berufe, die sonst nur im dualen System, also in einer betrieblichen Ausbildung gelehrt werden.

Doch schon bald sollte sich anfängliche Skepsis in Begeisterung ändern. Reinhard Müller stellte die Weichen in Richtung Zukunft. Damals, als stellvertretender Schulleiter, und gut drei Jahre später als Schulleiter. Er öffnete die Schule für den IT-Bereich. „Manche haben das damals als Modeerscheinung abgetan“, sagt Reinhard Müller. Doch volle Unterstützung bekam der Schulleiter vom Kollegium. Alle fassten mit an. „Wir haben einige Kilometer Glasfaserkabel selbst verlegt“, sagt der scheidende Schulleiter. „Lehrer und Schüler, alles in der Freizeit.“

Vorzeigeadresse in Sachen IT

Die viele Arbeit hat sich gelohnt. Heute ist das TRBK eine der Vorzeigeadressen in Sachen IT-Berufe.

Als sich Reinhard Müller gestern in den Ruhestand verabschiedete, endeten für ihn 39 Jahre Schuldienst. Ein gewaltiger Einschnitt. Eine Umstellung. Aber: „Langweilig wird‘s mir bestimmt nicht“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Ich möchte schließlich noch etwas von der Welt sehen.“ Diesen Wunsch wird sich das Ehepaar Müller spätestens dann erfüllen, wenn seine Frau, Lehrerin an der Saatschule, ihm im nächsten Jahr in den „Ruhe“-Stand folgt.

Reinhard Müller geht, aber es kommt kein Neuer. Kommissarisch wird zunächst sein Stellvertreter Stefan Kadenbach die Schulleitung übernehmen.

Vom Referendariat bis zum Ruhestand

Auf 37 Jahre und fünf Monate Schuldienst hat es Heinz Sülberg-Tewes gebracht, bevor er am Freitag in den Ruhestand ging. Noch dazu: 37 Jahre und fünf Monate am heutigen Theodor-Reuter-Berufskolleg. Der Abteilungsleiter Fertigungstechnik muss schmunzeln: „In dieser Zeit arbeitete ich mit vier Schulleitern, fünf stellvertretenden Schulleitern, sieben Sekretärinnen, vier Hausmeistern, fünf Lagerverwaltern, etwa 100 Kollegen und sehr, sehr vielen Schülern zusammen.“ Nur er ist geblieben: vom Referendariat bis zur Pensionierung.

Apropos Schüler: Seine Augen leuchten, wenn er an die vielen, vielen jungen Frauen und Männer denkt, die auch unter seine Anleitung ihre Facharbeiterprüfung geschafft und anschließend vielleicht noch studiert haben. „Es ist eine besondere Beziehung zwischen Schülern und dieser Schule“, sagt auch Reinhard Müller. Denn oft erfahren die Lehrer, dass bereits die Väter oder sogar die Großväter ihre Ausbildung an der gleichen Schule genossen haben. Kein Wunder eigentlich bei einer Berufsfachschule, die bereits seit 160 Jahren am Standort Iserlohn angesiedelt ist. Und dennoch ist es eine Auszeichnung, wenn Großeltern, Eltern und Kinder zu der gleichen Überzeugung kommen. Nämlich: Die Ausbildung im Theodor-Reuter-Berufskolleg ist gut. Sie ist eine Sprungschanze für eine künftige Karriere.

Austausch mit Südkorea

Heinz Sülberg-Tewes baute am Berufskolleg den Bildungsgang Mechatronik auf. Gemeinsam mit Reinhard Müller förderte er die Bestrebungen von Fachlehrer Markus Hoffmann, einen intensiven Austausch mit einer südkoreanischen Schule in Gwangju auf die Beine zu stellen. Die Begegnungen sind erfolgreich: Reinhard Müller erzählt, dass man in Südkorea überlege, die Ausbildung vom TRBK zu übernehmen. Viel schöner kann ein Kompliment für gute Arbeit kaum sein.

Heinz Süberg-Tewes ist ein Kind der Stadt. Geboren wurde er in Kesbern. Dort besuchte er die Volksschule, anschließend in Iserlohn die Realschule. Es folgte eine Ausbildung zum Maschinenbauer. An der Fachhochschule in Iserlohn studierte er Fertigungstechnik. Dann ging es hinaus in die „weite Welt“ – bis nach Dortmund. Ein Lehramtsstudium an der Uni Dortmund. Doch mit dem Referendariat kehrte er wieder nach Iserlohn zurück.

Genau wie viele Schüler, die immer mal wieder in den Unterricht hineingeschneit sind. Oder: die sich Tipps für ihr Studium geholt haben. Die Besuche hat er immer genutzt, um den aktuellen Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was alles möglich ist. Es gab spannende Diskussionen. Wie ist das so an der Fachhochschule? Worauf muss man besonders achten?

Niemals geht man so ganz…

Nach ihren Abschlussprüfungen kommen die Schüler immer wieder zurück. Mal in den Unterricht, auf jeden Fall aber zu den Ehemaligentreffen bei den Tagen der offenen Tür. Dort wird man am nächsten Samstag, 8. Februar, auch Heinz Sülberg-Tewes und Reinhard Müller sehen. Sich umschauen in der alten Schule. Denn: „Niemals geht man so ganz…“